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Vom «Schwarzen Bären» bis zu «Dreilinden»: Diese St.Galler Ausflugsbeizen stehen vor einem Neuanfang

In den nächsten Wochen öffnen drei traditionsreiche Ausflugsbeizen ihre Türen wieder. Die neuen Pächter setzen auf unterschiedliche Konzepte. Der neue Wirt im «Schwarzen Bären» will mit guter Küche überzeugen.
Christoph Renn / Sandro Büchler

Gute Nachrichten für die St.Galler Wanderfreunde: Gleich drei Ausflugsbeizen eröffnen auf diesen Sommer hin wieder. Zwei nach Jahren, in denen die Gebäude leer standen, eine nach einem Pächterwechsel Anfang des Jahres. Eines haben die drei Restaurants Schwarzer Bären, Dreilinden und Waldegg am Bach gemeinsam: Sie haben eine lange Tradition.

1. «Schwarzer Bären»: Mehr als eine Ausflugsbeiz

Im «Schwarzen Bären», in dem zwei Jahre niemand gewirtet hat, übernimmt der 40-jährige Florian Nolting den Kochlöffel. Er glaubt an den Erfolg des Restaurants zwischen St.Gallen und Speicher, auch weil es mit der Bahnhaltestelle vor dem Haus gut erschlossen ist. Trotzdem wagt Nolting mit seinem Konzept einen Spagat: «Ich biete den Spaziergängern kleine Speisen wie einen Wurst-Käse-Salat oder einen Käsefladen.»

Jedoch wolle er mit dem «Schwarzen Bären» mehr als bloss eine Ausflugsbeiz sein. «Im grossen Saal werde ich die Tische weiss decken und täglich ein A-la-carte-Menu bieten.»

Bis zur Eröffnung am 3. April steht noch viel Arbeit an, obwohl Nolting im Inneren des Restaurants nicht viel verändert. Er sagt:

«Das Restaurant soll seinen heimeligen Charme abseits des Stadtrummels behalten.»

Er habe die Wände neu gestrichen und die sanitären Anlagen erneuert. Im Garten will Nolting neben der bestehenden Terrasse drei bis vier Bierbänke aufstellen.

Vom Spitzenkoch zum Gastgeber: Florian Nolting wagt einen Neustart im «Schwarzen Bären». (Bild: Urs Bucher)

Vom Spitzenkoch zum Gastgeber: Florian Nolting wagt einen Neustart im «Schwarzen Bären». (Bild: Urs Bucher)

Zuletzt war der gebürtige Deutsche Küchenchef im Restaurant Falkenburg.

«Ich hoffe natürlich, dass einige der dortigen Gäste mich auch im ‹Schwarzen Bären› besuchen werden.»

Auf Musikabende wie seine Vorgänger Heidi Schläpfer und Tom Staller verzichte er vorerst, schliesst sie in Zukunft aber nicht aus. Zudem versuche er, auf dem grossen Parkplatz vor dem Restaurant kulturelle Veranstaltungen zu organisieren. Spruchreif sei aber noch nichts.

Florian Nolting, als Küchenchef im Schlossberg im deutschen Alzenau bei Frankfurt holte er 15 Gault-Millau-Punkte, will die Gäste mit lokaler Küche und vor allem hoher Qualität zu fairen Preisen überzeugen. So stehen unter anderem Olma-Bratwurst, Bärlauch-Quark-Pizokel oder Rindsfilet mit grünen und weissen Spargeln auf der kleinen, abwechslungsreichen Speisekarte.

Die Beiz hat eine lange Tradition als Ort des Wohlseins. Bereits 1878 ist sie aktenkundig, wie Fredi Hächler in seinem 2015 erschienen Dossier «St. Galler Wirtshäuser» belegt. Bis 1918 hiess das Restaurant «Rank», dann zügelte der Name ein paar hundert Meter in Richtung Trogen an die Speicherstrasse 163, und der bisherige «Rank» an der Speicherstrasse 151 wurde zum «Schwarzen Bären».

Mit der Bahnhaltestelle vor dem Haus gut erschlossen: Der «Schwarze Bären». (Bild: Urs Bucher)

Mit der Bahnhaltestelle vor dem Haus gut erschlossen: Der «Schwarze Bären». (Bild: Urs Bucher)

In den 1970er-Jahren war der «Schwarze Bären» ein Feinschmecker-Mekka, zu dem die Städter hochpilgerten. Da wirkte Franz Pokora im «Schwarzen Bären» und verwöhnte die St.Gallerinnen und St.Galler mit Austern, Hummer und anderem, was damals der Inbegriff des Schlemmens war. Es folgte Bernhard Mühlekamp, der 1981 beim Skifahren im Alpstein tödlich verunglückte. Es folgte Jürgen Wetzold, der spätere Wirt in den Gaststuben zum Schlössli und bis Mitte 2017 im «Trübli». Und es folgten Hedi und André Heiniger, die später den «Peter und Paul» übernahmen, bevor sich ihre Wege trennten.

Es gab aber auch Zeiten der Tristesse. In jüngerer Zeit war der «Schwarze Bären» einmal sieben Jahre geschlossen. Als Letztes pachteten Heidi Schläpfer und Tom Staller rund sechs Jahre lang das Restaurant. Mit Erfolg. Nun, nach zwei Jahren Pause versucht Nolting, an die goldenen Zeiten des «Schwarzen Bären» anzuknüpfen.


2. «Dreilinden» mit modernem Touch

Es sei für ihn ein Sprung ins kalte Wasser, sagt Oliver Scheuber. Er ist nicht nur der neue Pächter des Restaurants Dreilinden, es ist auch der erste Betrieb, den er selbst führt. «Ich möchte hier etwas aufbauen», sagt er.

Scheuber ist 29 Jahre alt, hat im Hotel Herisau seine Ausbildung zum Chefkoch mit Fachausweis absolviert und während rund zehn Jahren den Kochlöffel geschwungen. Danach verschlug es ihn für ein halbes Jahr nach Sydney. Zuletzt war er als Küchenchef in einem Restaurant im Stadtzentrum tätig. Nun macht er sich mit dem Restaurant Dreilinden selbstständig.

Idyllisch über der Stadt St.Gallen gelegen: Das Restaurant Dreilinden. (Archivbild: Luca Linder)

Idyllisch über der Stadt St.Gallen gelegen: Das Restaurant Dreilinden. (Archivbild: Luca Linder)

«Ich koche aus Leidenschaft», sagt Scheuber. Jetzt gehe er seinen eigenen Weg. Das Restaurant Dreilinden sei deshalb ein Glücksfall.

«Mich hat der einzigartige Standort gereizt, der Fleck weckt meine Kreativität.»

Scheuber hat einen Plan für das Lokal, das seit Anfang Jahr leer stand: «Den gutbürgerlichen Charme behalte ich bei und füge einen modernen Touch hinzu.» Dies bezieht er nicht nur auf das Essen, sondern auch aufs Interieur. «Das Holz im Innern bleibt, die Bar wird ersetzt.» Einen neuen Twist bringt Scheuber auch in den Badi-Kiosk. «Trendige Speisen und Eigenkreationen werden auch hier auf der Karte stehen.»

Oliver Scheuber, der neue Pächter vom Restaurant Dreilinden (Bild: Sandro Büchler)

Oliver Scheuber, der neue Pächter vom Restaurant Dreilinden (Bild: Sandro Büchler)

Viel Potenzial biete zudem die Terrasse, nicht nur für Apéros. «Denn mir schwebt ein eigener Biergarten vor», sagt der Neo-Beizer. Noch sei es aber eine Idee. Was sicher ist:

«Es wird rund um das Haus ein Holzbänkli geben, um die Sonne zu geniessen.»

Scheuber kommt aus St.Gallen, kennt die Szene und ist mit vielen Leuten in Kontakt. Das Restaurant Dreilinden betreibt er zusammen mit Ruedi Gamper und Katrin Rutz von der Süd-Bar. Mit diesem Netzwerk will Scheuber das Restaurant Dreilinden auch für Junge zu einem «Hotspot» machen. Am 3. Mai öffnet er die Pforten.


3. Bei Vollmond in die «Waldegg»

Die Renovationsarbeiten am Haus an der St.Georgen-Strasse 231 sind in vollem Gang. Am 10. Mai wird die «Waldegg am Bach» eröffnet. (Bild: Sandro Büchler)

Die Renovationsarbeiten am Haus an der St.Georgen-Strasse 231 sind in vollem Gang. Am 10. Mai wird die «Waldegg am Bach» eröffnet. (Bild: Sandro Büchler)

Mehr als fünf Jahre lotterte das Haus an der St.Georgen-Strasse vor sich hin. «Die Waldegg am Bach war in einem maroden Zustand», sagt Andrea Gahler. Um der traditionsreichen Ausflugsbeiz neues Leben einzuhauchen, hat sie zusammen mit Susanne Spaar und Regula Inauen einen Verein gegründet. «Die Renovation und der Betrieb sind für uns ein Hobby», sagt Gahler. Bei der Räumung des Hauses im vergangenen Jahr kam Allerlei zum Vorschein. Neben alten Küchengeräten des langjährigen Wirts auch Unliebsames – Inauen sagt:

«Unsere Söhne fanden einige tote Mäuse.»

Mittlerweile sind die Bauarbeiter eingezogen. Noch stehen überall Farbtöpfe und es liegt Werkzeug herum. «Der Geist des Riegelhauses soll unbedingt erhalten bleiben», sagt Spaar. Das sei nicht immer einfach; da habe man Kompromisse eingehen müssen. «So mussten wir die alten Fenster aus energietechnischen Gründen ersetzen», sagt Gahler.

«Eine Besenbeiz, kein Gourmettempel»

Doch die alten Kachelöfen, das Täfer und Details wie das Abtropfgestell verleihen dem Haus weiterhin einen heimeligen Charme. Auch das Inventar von früher hat der Verein behalten. «Das ist währschafte Schweizer Qualität.» Die Sonnenterrasse und die altehrwürdige Laube hinter dem Haus sollen wieder genutzt werden.

Regula Inauen, Andrea Gahler und Susanne Spaar (von links) beleben mit ihrem Verein das altehrwürdige Haus. (Bild: Sandro Büchler)

Regula Inauen, Andrea Gahler und Susanne Spaar (von links) beleben mit ihrem Verein das altehrwürdige Haus. (Bild: Sandro Büchler)

Mit der St.Geörgler Waldegg – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Erlebnisrestaurant auf Ausserrhoder Boden – wollen die drei Frauen dem Quartier etwas zurückgeben. Inauen sagt:

«Es ist eine Besenbeiz, kein Gourmettempel.»

Am 10. Mai öffnet die «neue» Waldegg. Die Öffnungszeiten seien jedoch flexibel. Nur an Freitagabenden, bei Vollmond und an Feiertagen – zum Brunch – öffnet das Frauentrio seine Beiz.

«Wenn wir bei schönem Wetter spontan öffnen, steht es auf unserer Homepage.»

Noch stehen überall Farbtöpfe und liegt Werkzeug herum. (Bild: Sandro Büchler)

Noch stehen überall Farbtöpfe und liegt Werkzeug herum. (Bild: Sandro Büchler)

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