Gesundheitskosten: «Für den Mittelstand ist die Schmerzgrenze erreicht»

Bruno Glaus sieht in der Denkpause beim Ausbau des Spitals Wattwil keinen Baustopp. Gerhard Pfister ist für einen Weckruf im Kampf gegen höhere Gesundheitskosten.

Martin Knoepfel
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Das Podium am Anlass der CVP Toggenburg zu den Gesundheitskosten: Kantonsrat Thomas Warzinek, Bruno Glaus (Vizepräsident des Verwaltungsrats der Spitalverbunde Kanton St. Gallen), Kantonsrat Mathias Müller und Nationalrat Gerhard Pfister (von links). (Bild: Martin Knoepfel)

Das Podium am Anlass der CVP Toggenburg zu den Gesundheitskosten: Kantonsrat Thomas Warzinek, Bruno Glaus (Vizepräsident des Verwaltungsrats der Spitalverbunde Kanton St. Gallen), Kantonsrat Mathias Müller und Nationalrat Gerhard Pfister (von links). (Bild: Martin Knoepfel)

Dieses Jahr würden die Gesundheitsausgaben erstmals auf über 10 000 Franken pro Kopf steigen, sagte Guido Müller, Präsident der CVP Lichtensteig. Am Donnerstagabend führte die CVP Toggenburg eine Diskussion zum Thema «Kostenexplosion im Gesundheitswesen» durch, wobei die Zukunft des Spitals Wattwil ebenfalls hineinspielte. Rund 30 Personen waren in die Kalberhalle in Lichtensteig gekommen.

Schuldenbremse als Vorbild für Gesundheitskosten?

Die Gesundheitskosten hätten die Migration als grösste Sorge der Bevölkerung abgelöst, sagte Nationalrat Gerhard Pfister (Zug), Präsident der CVP Schweiz. Vierköpfige Familien bezahlten bis zu 15 000 Franken im Jahr für die Krankenkasse. «Für den Mittelstand ist die Schmerzgrenze erreicht.»

Die Gründe der Kostensteigerung ortet er in der demographischen Entwicklung, im medizinisch-technischen Fortschritt und in Fehlanreizen. Experten sähen ein Sparpotenzial von 20 Prozent ohne Qualitätsverlust. Aber auch die Patienten könnten selber zu tieferen Kosten beitragen.

Es brauche nun den «Weckruf» der Volksinitiative für einen Kostenbremse, welche die CVP am 20. Oktober lancieren will. Vorbild der Kostenbremse sei die Schuldenbremse in der Finanzpolitik, die sich gut bewährt habe. Konkret bedeutet das: Der Bund muss Massnahmen ergreifen, wenn die Gesundheitskosten um 20 Prozent stärker als die Löhne steigen. Gerhard Pfister zeigte sich überzeugt, dass es einfach sein wird, die Unterschriften für die Volksinitiative zu sammeln.

"Getan, was in diesen Strukturen möglich ist"

Die St. Galler Spitäler hätten 2017 fünf Millionen Franken Gewinn erzielt und würden dieses Jahr 25 Millionen Franken Defizit schreiben. Bei den betrieblichen Optimierungen habe man getan, was in diesen Strukturen möglich sei, sagte Bruno Glaus, Vizepräsident der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen.

Mit vier Akutspitälern und mit ambulanten Gesundheitszentren soll laut Bruno Glaus das strukturelle Defizit der St. Galler Spitäler von 70 auf 28 Millionen Franken im Jahr sinken. Ambulante Gesundheitszentren seien wie kleine medizinische Städte. Man wolle wegen der Mindestfallzahlen Spitäler mit über 200 Betten.

Es brauche in Zukunft weniger Betten, sagte Bruno Glaus, der sich auf den Standpunkt stellte, es gebe keinen Baustopp beim Spital Wattwil, da man nur Projekte mit Baubeginn 2019 gestoppt habe.

Gilt das nicht mehr, was 2014 gesagt wurde?

Ein Spital bestehe aus stationären Betten. Wenn diese weg seien, sei es kein Spital mehr, entgegnete Mathias Müller, CVP-Kantonsrat, Mitglied der kantonsrätlichen Spitalkommission und Stadtpräsident von Lichtensteig. Er plädierte unter anderem für eine überkantonale Spitalplanung und kritisierte, dass der Spitalverbund diesen Aspekt ausblende.

Für Mathias Müller stellt sich die Frage, ob die 70 Millionen Franken bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Franken nicht anderweitig eingespart werden können. Er fordert eine seriöse Qualifikation aller Spitäler. Positiv sei, dass ein straffer Zeitplan für die Arbeiten existiere.

Schliesslich erinnerte Mathias Müller daran, dass der Kanton 2014 argumentierte, die Kosten stiegen, wenn mehr Patienten Zentrumsspitäler mit höheren strukturellen Kosten als die Landspitäler aufsuchten. Weshalb das jetzt nicht mehr gelte, fragte Mathias Müller. Allerdings erhielt er an diesem Abend keine Antwort.