Selbstständige Arbeit
Eine Apotheke und ein «Kafi» fehlen: Lia Gmür führt bei ihrer Abschlussarbeit eine Umfrage in ihrem Heimatdorf Bütschwil durch

Die Maturandin Lia Gmür betrachtet in ihrer selbstständigen Arbeit Bütschwil aus verschiedenen Perspektiven. Sie interviewte den Gemeindepräsidenten und stöberte in den Archiven. Eine Umfrage bei der Bevölkerung zeigt, dass auch etwas im Dorf fehlt.

Natalie Milsom
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Lia Gmür präsentiert ihre Arbeit, die sich um Bütschwil dreht.

Lia Gmür präsentiert ihre Arbeit, die sich um Bütschwil dreht.

Bild: Natalie Milsonist

Lia Gmür blättert durch ihre Arbeit und betrachtet einen Kartenausschnitt aus dem Jahr 1970. «Das fasziniert mich am meisten: Wie schnell das Dorf gewachsen ist», sagt sie. Und schon ist sie mitten in ihrem Thema. Sie zeigt auf Stadtteile und Statistiken und man spürt, wie viel Herzblut in ihrer Arbeit steckt.

Lia Gmür besucht die FMS in Wattwil und ist in Bütschwil aufgewachsen. Früher besuchte sie die Jugi, heute ist sie Leiterin. Nach der Primarschule war sie in der Oberstufe BuGaLu. Seit drei Jahren pendelt sie nach Wattwil und möchte später Primarlehrerin werden. Als es darum ging, ein Thema für ihre selbstständige Arbeit zu suchen, war ihr schnell klar, dass sie ihre Heimat genauer unter die Lupe nehmen möchte.

Interview mit dem Gemeindepräsidenten war ein Highlight

Zuerst gestaltete sich die Recherche anspruchsvoll, da sich Lia Gmür nicht gewohnt war, für eine Arbeit so ins Detail zu gehen. Im Nachhinein stellte sie fest, dass die Arbeit viel spannender war, als sie sich das ursprünglich vorgestellt hatte. Das hänge bestimmt damit zusammen, dass diese so vielfältig war. Interessant fand die Bütschwilerin ein Buch, das sie von der Gemeindeverwaltung ausleihen durfte. In diesem wird die Geschichte von Bütschwil seit dem Jahr 779 mit Texten und Bildern aufgezeigt. Auch wenn sie nur wenig davon in ihre Arbeit integrieren konnte, war sie von der Fülle der Informationen beeindruckt.

Ein weiteres Highlight war für sie auch das Interview mit dem Gemeindepräsidenten von Bütschwil-Ganterschwil, Karl Brändle. Sein Wissen und seine Liebe zum Dorf inspirierten Lia Gmür noch mehr, das Beste aus ihrer Arbeit herauszuholen.

Umfrage bei der Bevölkerung

Das dritte Standbein ihrer Arbeit war eine Umfrage bei der Bevölkerung, bei der 121 Einwohnerinnen und Einwohner mitgemacht haben. Viele davon teilten ihre persönliche Einschätzung, aber es gab auch neue Inputs und Ansichten. An der Umfrage nahmen Personen aller Altersgruppen teil und auch der Mix aus Alteingesessenen und Neuzuzügern war ausgeglichen. Trotzdem zeigte sich bei der Auswertung ein ziemlich einheitliches Bild: Alle schätzen das grosse Angebot an Vereinen, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Wanderwegen und die gute Anbindung an den ÖV.

Ein Wunsch, der bei den Antworten immer wieder auftauchte, ist eine eigene Apotheke oder Drogerie, auch ein gemütliches «Kafi» würde geschätzt werden.

Auswirkungen der neuen Umfahrungsstrasse

In der Vergangenheit existierten im Dorf Bütschwil noch mehrere Metzgereien, Bäckereien und Käsereien. Doch viele dieser Geschäfte mussten schliessen, weil sich die Zeiten geändert haben und viele Menschen mobiler geworden sind.

Zum Thema Mobilität passt die Umfahrungsstrasse, die 2020 eröffnet wurde und ebenfalls in der Arbeit aufgegriffen wird. Die positiven Aspekte der Umfahrung: Die Strassen sind massiv weniger vom Verkehr belastet, was zu einer höheren Lebensqualität beiträgt. Die Sicherheit der Fussgänger, insbesondere der Schulkinder, ist höher, die Luftqualität besser und die Lärmbelastung hat abgenommen, wie die Maturandin in ihrer Arbeit festhält.

«Das Dorf der Dörfer»

Lia Gmür schaut sich den Titel an und lacht: «Unsere Familie hat den Slogan immer falsch interpretiert. Wir dachten, dass Bütschwil etwas ganz Besonderes und Spezielles sei, und sich deshalb so nennt.» Bei ihren Recherchearbeiten habe sie jedoch herausgefunden, dass der Slogan «Das Dorf der Dörfer» eine ganz andere Bedeutung hat.

Im Interview mit Karl Brändle habe er ihr die richtige Aussage erklärt: Bütschwil als eigenständiges Dorf habe einen eigenen speziellen Charakter. Die zugehörigen Dorfteile Dietfurt, ein Teil von Lütisburg-Station, Ganterschwil wie auch alle kleineren Weiler hätten ihre jeweils ganz eigenen Vorzüge und Eigenschaften. Dies werde als sehr positiv und erhaltenswert angesehen und deshalb werde Wert darauf gelegt, dass dies weiterhin möglich sei.

«Das Dorf der Dörfer» heisse also, dass Bütschwil als Teil eines grösseren Ganzen angesehen werden solle, seine Eigenständigkeit aber nicht verloren gehen solle. Lia Gmür blättert nochmals durch ihre Arbeit und sagt: «Für mich ist und bleibt Bütschwil mein Dorf der Dörfer.»