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Interview

Oberhelfenschwilerin engagiert sich als Sterbebegleiterin: «Es ist trotz der Tragik eine schöne Aufgabe»

Die 73-jährige Trudi Looser aus Oberhelfenschwil ist Sterbebegleiterin bei der Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal. Im Interview vermittelt sie einen Einblick in die Arbeit des mittlerweile zehnjährigen Vereins.
Anina Rütsche
Wenn sich das Leben eines Menschen dem Ende zuneigt, kann ihm die Sterbebegleitung Halt geben. (Bild. Urs Bucher)

Wenn sich das Leben eines Menschen dem Ende zuneigt, kann ihm die Sterbebegleitung Halt geben. (Bild. Urs Bucher)

Sie sind seit Ihrer Pensionierung als Sterbebegleiterin tätig. Welche Aufgaben gehören zu diesem Amt?

Trudi Looser: Sterbebegleiterin zu sein, das bedeutet, kranken und betagten Menschen in ihren letzten Stunden zur Seite zu stehen. Rund einmal pro Monat werde ich von der Hospizgruppe, welche die Anfragen koordiniert, zu einem Einsatz in der Region aufgeboten. Dieser kann bei den Patienten zu Hause, aber auch in einem Altersheim oder im Spital stattfinden. Im Voraus weiss ich allerdings nur vage, welche Situation ich vor Ort antreffen werde. Daher nutze ich die Anreise, um mich zu sammeln und die Gedanken zu fokussieren.

Meine bevorzugten Schichten sind übrigens diejenigen in der Nacht – die Ruhe in diesen Stunden ist etwas Besonderes.

Was geschieht, wenn Sie am Einsatzort angekommen sind?

Meistens liegt der Patient im Bett, und ich setze mich auf einem Stuhl dazu. Was dann passiert, ist ganz unterschiedlich. Manche Menschen wollen reden, andere bevorzugen es, zu schweigen. Wird gesprochen, gibt der Patient das Thema vor. Kann sich jemand nicht mehr mit Worten ausdrücken, gilt es zu spüren, was in jenem Moment am dringendsten gebraucht wird. Wichtig ist vor allem, dem Patienten zu zeigen, dass er nicht alleine ist. Auch um den Austausch mit den Angehörigen kümmere ich mich. Für sie ist der Besuch einer Sterbebegleiterin zudem eine Möglichkeit, sich eine Auszeit zu nehmen und sich zu erholen.

Trudi Looser. (Bild: Anina Rütsche)

Trudi Looser. (Bild: Anina Rütsche)

Wie gehen Sie mit solchen belastenden Situationen um?

Offen gestanden hatte ich zu Beginn meines Engagements bei der Hospizgruppe grossen Respekt davor. Der Tod wird in unserer Gesellschaft verdrängt und nur ganz selten zum Thema gemacht. Die meisten Menschen fürchten sich vor dem Tod, da sie wissen, dass sie dereinst selbst davon betroffen sein werden. Dem wollte ich entgegenwirken. Nachdem ich meine anfängliche Angst überwunden hatte, merkte ich schnell, dass die Sterbebegleitung trotz aller Tragik eine schöne Aufgabe ist. Die Tätigkeit ist sinnvoll, und es tut gut, helfen zu können, besonders in solch schweren Stunden.

Wie erging es Ihnen, als Sie erstmals einen Menschen sterben sahen?

Daran erinnere ich mich noch gut. Unter anderem auch, weil das bis heute der einzige Mensch ist, der in meiner Anwesenheit verstorben ist. Es handelte sich um einen betagten Mann in einem Alterszentrum. Er und ich haben einander nicht gekannt, und doch hatten wir schnell eine gute Verbindung zueinander. Zunächst hatte der Mann grosse Angst, doch als ich bei ihm war, wurde er immer ruhiger. Schliesslich konnte er in Frieden gehen.

Für mich war das eine traurige, aber auch eine wunderschöne Erfahrung. Albträume hatte ich nach dieser Erfahrung keine.

Haben Sie bei der Sterbebegleitung auch schon Menschen angetroffen, die Sie kannten?

Nein, meistens treffen hier Fremde aufeinander. Unsere Einsatzleiterin ist diplomatisch und schickt uns in der Regel an Einsätze ausserhalb des eigenen Wohnortes. Das finde ich gut so. Man kann auch stets wählen, ob man einen Einsatz machen möchte oder ob jemand anders aufgeboten werden soll. Ich sage nur dann zu, wenn ich mich wohl und bereit fühle.

Inwiefern unterstützt die Hospizgruppe ihre freiwilligen Mitarbeitenden sonst noch?

Regelmässig treffen wir uns zum Austausch, wo auch über belastende Erlebnisse geredet wird. Zudem besuchen wir Kurse, wo wir beispielsweise mehr über den Umgang mit schwerkranken Patienten lernen. Ich kann von diesen Kursen sehr profitieren. Ausserdem erstattet die Hospizgruppe die Fahrspesen, die durch die An- und Abreise entstehen.

Welche Voraussetzungen und Erfahrungen muss man mitbringen, um Sterbebegleiterin oder Sterbebegleiter werden zu können?

Für die Hospizgruppe können sich all jene engagieren, die Erfahrung im Umgang mit Menschen haben und flexibel einsetzbar sind. Ich beispielsweise habe früher im Sanitätsdienst gearbeitet, was sicher eine gute Grundlage ist. Zu unserem Team gehören auch Leute, die eine Ausbildung im Pflegebereich gemacht haben. Das ist hilfreich, aber nicht Voraussetzung.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ob es ein solches gibt, kann ich nicht sagen. Zum Leben nach dem Tod kursieren unzählige Theorien, doch mit diesen befasse ich mich nicht. Das Thema Religion ist für mich bei der Sterbebegleitung übrigens auch nicht entscheidend.

Ich sehe ausschliesslich den Menschen, der nahe am Tod ist und meine Hilfe braucht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal?

Ich wünsche mir, dass die Hospizgruppe noch bekannter wird. In Spitälern und Heimen weiss man zwar von unserem Angebot. Doch auch Privatpersonen können dieses jederzeit und kostenlos nutzen. Ein Anliegen ist mir auch, dass die Leute sich im Ernstfall getrauen, rechtzeitig bei uns anzurufen.

Zehn Jahre Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal

Am 8.Mai feiert die Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal ihr zehnjähriges Bestehen im Rahmen der Hauptversammlung. Diese ist öffentlich, beginnt um 19.30 Uhr und findet im Thurpark Wattwil statt. Interessierte sind willkommen.

Die Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal besteht aus einer Gruppe von rund zehn Freiwilligen. Ihnen ist es ein Anliegen, ihre Zeit denjenigen Menschen zu schenken, die sich am Ende des Lebens befinden. Auf ihrer Webseite stellt sich die Hospizgruppe mit folgenden Worten vor: «Wir möchten Zeit schenken, um das Dasein von Betroffenen auch in schwierigen Lebenssituationen zu bereichern, das betreuende Umfeld begleiten und dieses entlasten.

Wir sind davon überzeugt, dass es eine gegenseitige Bereicherung sein kann, wenn ein schwieriger und prägender Lebensabschnitt nicht alleine getragen werden muss.» Das Angebot der Hospizgruppe versteht sich als Ergänzung zu anderen Organisationen und Institutionen. Die Einsatzleitung und der Vorstand pflegen jedoch Kontakte zu den lokalen Alters- und Pflegeheimen, dem Spital oder der Spitex.

Alle Menschen aus der Region dürfen die Dienstleistungen der Hospizgruppe kostenlos in Anspruch nehmen. Die Organisation der Einsätze finanziert sich durch den Trägerverein HTN und wird durch die Einsatzleitung koordiniert. (aru)

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