Aus «Hure» wird «Huere Guet»: FDP reagiert auf verschmierte Wahlplakate von Susanne Vincenz-Stauffacher 

Gleich in mehreren Gemeinden sind Wahlplakate der St.Galler Ständeratskandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher beschmiert worden. Die FDP hat die Beschimpfung inzwischen umgestaltet. Die Partei und Vincenz-Stauffacher lassen momentan noch offen, ob sie einen Strafantrag stellen werden. 

Katharina Brenner
Drucken
Teilen
Dieses beschmierte Plakat hängt in Rorschacherberg. Es ist eines von vielen im Kanton. (Bild: Facebook)

Dieses beschmierte Plakat hängt in Rorschacherberg. Es ist eines von vielen im Kanton. (Bild: Facebook)

Ein solches Verhalten sei «unwürdig und respektlos - hat offenbar aber System». Plakate im ganzen Kanton seien betroffen. «Ich sage: Debattieren statt Randalieren!» Diese Sätze finden sich auf der Facebook-Seite «Susanne Vincenz-Stauffacher in den Ständerat». Daneben ein trauriges Emoticon. Unter dem Text ist ein Foto zu sehen, das ein beschmiertes Wahlplakat der FDP-Kandidatin in Rorschacherberg zeigt. In schwarzen Grossbuchstaben steht dort «Hure».

Das Bild ist kein Einzelfall. Allein in Gossau hat der Geschäftsführer der St.Galler FDP, Christoph Graf, drei Plakate mit den gleichen Sprayereien fotografiert. In Flawil, Gossau, Rorschach, Rorschacherberg und Waldkirch habe die Partei bereits beschmierte Plakate entdeckt.

Vincenz-Stauffacher gibt sich kämpferisch

Susanne Vincenz-Stauffacher sagt dazu: «Das ist ganz klar sexistisch.» Unterkriegen lässt sie sich davon aber nicht: «Wenn das Ziel dieser kruden Aktion war, mich einzuschüchtern, wurde das ganz sicher nicht erreicht. Im Gegenteil.» Unterstützung erhält sie von ihrer Partei. Geschäftsführer Graf sagt:

«Das ist Hass. Das ist Sexismus. Das ist die unterste Schublade der politischen Unkultur.»

Die Partei habe keine Ahnung, wer hinter den Sprayereien stehe. Für sie steht aber fest: «Das hat System». Denn einzig Plakate ihrer Kandidatin seien mit der immer gleichen Beschimpfung beschmiert worden – und das kurz vor der Wahl. Diesen Sonntag wählt das St.Galler Stimmvolk die Nachfolge von Karin Keller-Sutter im Ständerat. Susanne Vincenz-Stauffacher ist eine von sieben Personen, die sich zur Wahl stellen. Und eine von zwei Kandidatinnen.

Partei sieht kaum eine Chance, den Täter zu finden

«Strafanzeige werden wir nicht erstatten», sagte Graf noch am Mittwochmorgen. Das bringe nichts. Die Wahrscheinlichkeit, den Täter zu ermitteln, sei viel zu gering. Am frühen Abend teilte die Partei in einem Communiqué mit, die Sachbeschädigung und Ehrverletzung allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt zur Anzeige zu bringen. Susanne Vincenz-Stauffacher meint, «in einer ersten spontanen Reaktion» habe sie gedacht, ein Strafantrag bringe dem Täter mehr Aufmerksamkeit, als er verdiene. 

«Inzwischen möchte ich persönlich offen lassen, ob ich noch einen Strafantrag stelle.»

Dafür habe sie drei Monate Zeit. «Jetzt steht für mich ganz klar der Wahlkampf im Mittelpunkt.» Sie wolle «ihre Ressourcen für den Endspurt» einsetzen.

Roman Dobler, Mediensprecher der St.Galler Staatsanwaltschaft sagt, Sachbeschädigung und Ehrverletzungsdelikte wie Beschimpfung seien Antragsdelikte. 

«Solange kein Strafantrag vorliegt, wird die Staatsanwaltschaft nicht tätig.»

Über die Wahrscheinlichkeit, dass ein Täter in einem solchen Fall von Sachbeschädigung und Beschimpfung gefasst wird, kann Dobler nichts sagen. Ebenso wenig wie zu einem allfälligen Strafmass, da dieses immer «von den konkreten Untersuchungsergebnissen» abhängt.

Partei gestaltet Plakate um

Was passiert nun mit den beschmierten Plakaten? «So kurz vor der Wahl können wir nicht mehr allzu viel machen», meint Christoph Graf. Am Mittwochmorgen hatte er gesagt, dass sie die Plakate «allenfalls mit einer kreativen Aktion umgestalten» werden. Am Mittwochmittag verschickte er Vorher-Nachher-Bilder aus zahlreichen Gemeinden: aus «Hure» wurde «Huere guet». 

Aus «Hure» hat die FDP kurzerhand «Huere guet» gemacht. Dieses Plakat steht in Gossau. (Bild: pd)

Aus «Hure» hat die FDP kurzerhand «Huere guet» gemacht. Dieses Plakat steht in Gossau. (Bild: pd)

Die Plakate abzuhängen wäre allein logistisch nicht möglich gewesen, so viele wie betroffen seien, sagt Graf.  

«Hinter den Plakaten steckt sehr viel Arbeit von Freiwilligen.»

Das betont auch Vincenz-Stauffacher: «Das ist nicht nur mir und Frauen allgemein, sondern auch den Helfern gegenüber respektlos.» In einem Kommentar unter dem Facebook-Post geht Adrian Schumacher, Präsident der FDP Wittenbach-Muolen auf die Freiwilligen ein. «Respektlos, und zwar nicht <nur> gegenüber der Kandidatin, sondern auch gegenüber den zahllosen Freiwilligen, die sich in ihrer Freizeit für eine starke Persönlichkeit engagieren, unter anderem, indem sie Plakate aufstellen.»

Weiter schreibt er: «Wenn dieser <Held> mit seiner klar sexistischen, gegen Frauen gerichteten Aktion erreichen will, dass sich Frauen nicht mehr öffentlich in Wahlkämpfen exponieren, dürfte er mit Susanne Vincenz-Stauffacher definitiv an die Falsche geraten sein.»

Lesen Sie auch: