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Wegen Lawinengefahr: Kinder in Alt St.Johann haben am Montag und Dienstag schulfrei

Aussergewöhnliche Lagen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen: Die Schule der beiden Dörfer Alt St.Johann und Unterwasser bleibt am Montag und Dienstag geschlossen. Lawinenspezialisten rechnen mit Gleitschneerutschungen und «Staubwetter».
Thomas Schwizer
Im obersten Toggenburg steigt wegen der erwarteten Regenfälle die Gefahr von Gleitschneerutschen an steilen Hängen stark an. (Bild: csu)

Im obersten Toggenburg steigt wegen der erwarteten Regenfälle die Gefahr von Gleitschneerutschen an steilen Hängen stark an. (Bild: csu)

In der obersten Toggenburger Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann auf 900 bis über 1100 Metern Höhe ist man tiefwinterliche Verhältnisse gewohnt. Die aktuelle Situation und insbesondere die Wettervorhersagen für Sonntag bis Dienstag schaffen aber auch hier eine besondere, gefährliche Lage.

«Wir können es nicht mehr verantworten», stellt Schulleiter Stefan Gubler fest. «Es ist eine Ausnahmesituation.» Deshalb fällt der Unterricht für die Kinder aus Alt St. Johann und Unterwasser am Montag und Dienstag aus. Das hat die Schulleitung entschieden, nachdem sie Kontakt mit Lawinenfachmann Peter Diener hatte.

Das Wetterszenario ist zu heikel

Gubler ist seit 15 Jahren Schulleiter in Wildhaus-Alt St. Johann. In dieser Zeit hätten die Schüler noch nie «schneefrei» gehabt. Schon mehrfach habe man aber einen solchen Entscheid geprüft. Am Freitagmorgen war der Fall nun aber klar. «Das Wetterszenario ist zu heikel», betont Gubler. Er ist selbst Alpinist und beobachtet die Schneesituation auch privat. Das Risiko sei mit den steigenden Temperaturen und erneuten Niederschlägen nicht mehr tragbar.

Zwei Tage Schulausfall sei verantwortbar, aber nicht die Gefahr, dass einem Kind auf dem Schulweg wegen akuter Verhältnisse etwas passiert. Es habe bereits heikle Situationen gegeben, auch für Schulbusfahrer. «Wir können es bis Dienstag nicht mehr verantworten, alle Strecken zu bedienen», so Gubler.

Fall Schwägalp zeigt die akute Gefahr

«Es geht um die Sicherheit der Kinder, die steht immer im Vordergrund», betont der Schulleiter. Die Lawine, welche am Donnerstagabend auf der Schwägalp ein Hotel beschädigt und drei Personen verletzt hat, hat ihn im Entscheid zur Schliessung der Schule bestätigt.

Teilweise hätten die Schüler sehr weite und anspruchsvolle Schulwege. Angesichts der Prognosen sei die Gefahr akut, dass auch in Unterwasser und Alt St. Johann Gleitrutschungen an Orten niedergehen, wo das normalerweise nicht passiert.

Information aller Eltern wird sichergestellt

Am Freitag war Stefan Gubler intensiv mit der Information der Eltern beschäftigt. Alle wurden per registrierter E-Mail-Adresse kontaktiert. Per Mail oder Whats App müssen sie den Empfang bestätigen, sonst werden sie auf anderen Wegen kontaktiert. Die Schulleitung appelliert im Schreiben an die Eltern ausdrücklich, dass ihr Kind auch an den schulfreien Tagen Gefahrensituationen vermeiden soll.

Für Wildhaus erachten die Lawinenspezialisten die Gefahr von Gleitschneerutschen als gering, die Hänge seien weniger steil. Deshalb gibt es hier nicht «schneefrei». Die Eltern sollen selbst einschätzen, ob der Schulweg für das Kind zumutbar ist und es allenfalls abmelden, heisst es in der am Freitag verschickten Information.

Es gibt vier Risikofaktoren

Peter Diener war 19 Jahre Rettungschef der Rettungsstation Wildhaus-Amden. Er ist Chef der Lawinenkommission der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und berät die Behörde in Sicherheitsfragen. Auch das Institut SLF stützt sich auf Dieners Beobachtungen vor Ort. Er erklärt die vier Risikofaktoren in Alt St. Johann und Unterwasser für die nächsten drei Tage. Erstens besteht eine geschlossene Schneedecke von bis zu 120 Zentimetern Höhe. Zweitens weisen die Hänge über vielen Strassen und Wegen eine Neigung von über 30 Grad auf. Drittens könnte der Regen von Sonntag- bis Montagmorgen gefährliche Gleitrutschungen auslösen. Von Sonntag um 8 Uhr bis mindestens Montagmittag bleiben deshalb mehrere Strassenabschnitte geschlossen. Zu Wochenbeginn kommt als vierter Faktor «Staubwetter» hinzu, das eine schlechte Sicht und Sichtbarkeit bedeutet, sagt Diener. (ts)

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