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Ein Preis für städtische Angestellte in Wil, die Velo fahren – diese und andere Massnahmen sollen das Klima retten

Mit dem Klimanotstand hat sich die Stadt Wil vorgenommen, der Erderwärmung entgegenzuwirken. Noch ist aber unklar, was konkret getan werden soll. Guido Wick, Urheber der Klimaresolution, macht Vorschläge.
Lara Wüest
Eine Folge des Klimawandels: ausgetrocknete Flussbette. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Eine Folge des Klimawandels: ausgetrocknete Flussbette. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Die Schweiz schwitzt, die Umwelt leidet. Solche Hitzetage wie sie Europa derzeit durchlebt, werden durch den Klimawandel immer häufiger vorkommen. «Die heissesten Sommertage können 2060 in einem durchschnittlichen Sommer bis zu 5,5 Grad Celsius wärmer sein als heute.» Das schreibt das Bundesamt für Meteorologie auf seiner Website. Der Klimawandel hat nicht nur Folgen für die Menschen, die Tier- und Pflanzenwelt, sondern er verursacht auch enorme Kosten. Vor allem, wenn keine Massnahmen dagegen ergriffen werden (siehe Kasten).

Die Stadt Wil hat vor rund sechs Wochen einen ersten Schritt getan, um der Erderwärmung entgegenzuwirken: Sie hat den Klimanotstand ausgerufen – als erste Gemeinde im Kanton St. Gallen. Rechtlich bindend ist dieser allerdings nicht und nun es stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Die verabschiedete Klimaresolution sieht vor, dass die Stadtverwaltung bis 2030 klimaneutral wird und das gesamte Gemeindegebiet bis 2050 netto keine Treibhausgase mehr ausscheidet. Einer, der sich mit konkreten Massnahmen auseinandergesetzt hat, welche die Stadt ergreifen könnte, ist Guido Wick, Fraktionspräsident der Grünen Prowil und Urheber der Resolution. Er schlägt vier Massnahmen vor.

1. Aktion Sparbrausen wiederholen

Der Warmwasserverbrauch durch die Haushalte belastet das Klima stark. Der Grund: Das Aufheizen von Wasser verbraucht viel Energie – und das kann den Ausstoss von Treibhausgasen erhöhen. Mit einfachen Massnahmen lässt sich der Wasserverbrauch jedoch vermindern: Mit Sparbrausen für Duschen oder Aufsätzen für Wasserhähne. Obwohl sie sehr effektiv sind, haben längst nicht alle Haushalte in Wil solche installiert. Guido Wick würde deshalb begrüssen, wenn die Stadt für das Umrüsten Anreize schafft. «Das ist sinnvoll, der so investierte Franken erzielt einen hohen Nutzen.» Der Politiker verweist auf die Aktion «Warmwasser sparen» aus dem Jahr 2016. Damals konnten Kunden der Technischen Betriebe Wil solche Sparbrausen zu einem stark reduzierten Preis bestellen. Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger machten mit. Die 1000 Haushalte reduzieren nun somit pro Jahr 160 Tonnen CO2. Wick sagt: «Wenn mehr Haushalte eine solche Brause installieren würden, liesse sich auf einfache Art weiter CO2 senken.»

2. Einen Preis für Angestellte, die Velo fahren

Der grösste Klimasünder der Schweiz ist der Verkehr. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) verursacht er 32 Prozent der Treibhausgase im Inland. Mit der Benützung von umweltschonenden Verkehrsmitteln liesse sich das ändern. Wicks Vorschlag: «Die Stadt sollte für ihre Angestellten die Hürden erhöhen, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen.» Etwa indem sie keine Parkplätze mehr zur Verfügung stellt oder die Parkgebühren substanziell erhöht. Zudem fordert Wick eine bessere Infrastruktur für Velos und Fussgänger. Auch finanzielle Anreize für umweltschonende Verkehrsmittel sind für ihn denkbar. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Er macht ein Beispiel: «Die Stadt könnte täglich 50 Franken in einen Pot einzahlen und das Geld an einem unbekannten Tag mittels Zufallsgenerator einer Person zusprechen.» Bedingung für den Erhalt des Geldes sei allerdings, dass der Angestellte zu Fuss, mit dem Velo oder mit den ÖV zur Arbeit gekommen sei. Ansonsten verbleibe das Geld im Pot. Der Betrag würde weiter steigen. «Je höher dieser ist, desto eher wird das Auto einmal stehengelassen», so Wick.

3. Liegenschaften umweltschonend betreiben

Auch bei städtischen Gebäuden lässt sich gemäss Wick viel machen. Laut dem Bafu tragen Gebäude in der Schweiz 26 Prozent zu den Treibhausgasemissionen bei. Vor allem das Heizen ist für das Klima schädlich. Mit Klimaschonenden Energiequellen wie Fernwärme und Fotovoltaikanlagen auf Dächern können die Treibhausgasemissionen massiv reduziert werden. Guido Wick sagt: «Die Stadt muss bei städtischen Gebäuden zwingend alle technischen Möglichkeiten ausnutzen.» Zudem brauche es bessere Dämmungen, dichte Türen und Fenster. Und: «Die Temperatur in den Räumen sollte im Winter jeweils höchstens 20 bis 21 Grad betragen.»

4. Eine Markthalle für regionale Produkte bauen

Weite Transportwege schaden dem Klima. Deshalb sollte man, wenn immer möglich, auf regionale Produkte setzten. Auch hier möchte Wick die Stadt in die Pflicht nehmen. «Wir sollten an guter Lage eine Markthalle errichten, in der vor allem Lebensmittel und Produkte aus der Region angeboten werden.» Auch beim städtischen Einkaufsverhalten von Dienstleistungen sieht Wick Handlungsbedarf. «Bei sämtlichen Aufträgen berücksichtigt die Stadt stets die billigsten Offerten.» Das müsse sie ändern. Künftig sollten ökologische Leistungen berücksichtigt werden. «Es braucht Geld, wenn wir weiterkommen wollen. Aber das wird sich auszahlen.»

Nichtstun verursacht hohe Kosten

Viele Massnahmen, welche die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels verhindern könnten, stossen auf Widerstand. Denn sie kosten Geld. Gerade politisch sind sie deshalb schwer durchsetzbar. Doch was oft nicht einberechnet wird: Auch die Folgen der Erderwärmung verursachen Kosten. Dies zeigt der sogenannte Sternreport. In diesem Bericht, der 2006 erschienen ist, hat der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern versucht, die weltweiten Kosten des Klimawandels abzuschätzen und mit den Kosten von Klimaschutzmassnahmen zu vergleichen. «Gemäss dem Bericht sind die Kosten durch Schäden des globalen Klimawandels etwa fünfmal grösser als jene, die zur Stabilisierung des Klimasystems notwendig wären», sagt Christoph Schär, Professor am Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich. Es sei zwar schwierig, genaue Angaben zu machen, da die Klimafolgen erst in ferner Zukunft anfallen würden. Doch eines ist sich der Experte sicher: «Wenn man an den Anstieg des Meeresspiegels denkt oder an die Zunahme von Starkniederschlägen und Trockenheit, wird Nichtstun enorme Kosten verursachen.»

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