Kantonalschwingfest
Kranzflut, Beinbruch und eine Abschiedsankündigung: Was vom Kantonalen in Wil haften bleibt

Die St.Galler Schwinger und speziell diejenigen des Schwingklubs Wil übertrafen die Erwartungen beim Kantonalschwingfest am Sonntag in der Äbtestadt. Ein Rück- und Ausblick.

Beat Lanzendorfer
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Die 14 Kranzer des Toggenburger Schwingerverbandes mit ihrem Technischen Leiter Urban Götte (liegend). Unten die fünf Neukranzer, von links: Patrick Kurmann, Tobias Schönenberger, Ueli Bleiker, Andreas Niederer und Martin Egli.

Die 14 Kranzer des Toggenburger Schwingerverbandes mit ihrem Technischen Leiter Urban Götte (liegend). Unten die fünf Neukranzer, von links: Patrick Kurmann, Tobias Schönenberger, Ueli Bleiker, Andreas Niederer und Martin Egli.

Bild: Beat Lanzendorfer

Der Steiner Eidgenosse Urban Götte war schon als Aktiver ein ruhiger Zeitgenosse. Wenn aber sogar der heutige Technische Leiter des Toggenburger Schwingerverbandes ins Schwärmen gerät, darf dies durchaus als Anflug von Euphorie eingestuft werden.

Und er weiss, wovon er spricht. Schliesslich gehört er der goldenen Generation an, die mit Jörg Abderhalden und Nöldi Forrer zwei Schwingerkönige und weitere Eidgenossen hervorbrachte. Der Grund seines mentalen und kommunikativen Höhenflugs war das Abschneiden seiner Schwinger beim St.Galler Kantonalschwingfest, das am Sonntag in Wil vor knapp 6000 Zuschauern über die Bühne ging.

Und Urban Götte glaubt den Grund zu kennen. Er bietet seinen Schützlingen jeden Dienstag eine Zusatzschicht im Schwingkeller an. Diese Einheit hat sich bezahlt gemacht. Dazu sagt er:

Urban Götte, Technischer Leiter Toggenburger Schwingerverband.

Urban Götte, Technischer Leiter Toggenburger Schwingerverband.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Alles geht nie auf. Was aber am Sonntag passierte, übertrifft bei weitem die Erwartungen.»

Schade findet er es für Nöldi Forrer, der um einen Viertelpunkt am Kranz vorbeischrammte. «Ich hätte ihm seinen 148. Kranz gegönnt.»

22 Kränze bleiben in St.Gallen

Von den 31 abgegebenen Kränzen bleiben 22 in St.Galler Besitz. Mit Tobias Schönenberger, Kirchberg, Patrick Kurmann, Gähwil, Ueli Bleiker, Ulisbach, Martin Egli, Rossrüti, und Andreas Niederer, Gähwil, stellt der Toggenburger Schwingerverband, der sich aus den Schwingklubs aus Wil, Wattwil, Flawil und Uzwil zusammensetzt, fünf der sechs Neukranzer.

Alle fünf haben sich eine gute Basis für eine Teilnahme am Eidgenössischen Ende August in Pratteln geschaffen. Kommt in den kommenden Wochen weiteres Eichenlaub hinzu, rückt die Qualifikation für den Jahreshöhepunkt näher.

Martin Kurmann, der Präsident des Kantonalverbandes, hatte am Sonntag gar doppelten Grund zur Freude. Zum guten Abschneiden seiner «Kantonalen» kam der Kranz von Sohn Patrick hinzu. Dazu erklärt der Käsermeister aus Gähwil:

Martin Kurmann, Präsident kantonal St.Galler Schwingerverband.

Martin Kurmann, Präsident kantonal St.Galler Schwingerverband.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Die St.Galler Schwinger lieferten ab, ganz besonders der Schwingklub Wil.»

Die Jungen im Sog von Ott, Schlegel und Räbsamen

Kurmann kann sich in der jüngeren Vergangenheit an kein Kantonales mit einer ähnlich erfolgreichen Bilanz erinnern. «Und das ausgerechnet bei jenem Fest, das der Schwingklub Wil auch noch selber auf die Beine stellt. Kein Zweifel, die Wiler Schwinger sind im Hoch.» Im Sog von Werner Schlegel, Damian Ott und Marcel Räbsamen hat sich eine Gruppe gebildet, die sich daran macht, an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen.

Der positive Gesamteindruck wird durch das Nachwuchsschwingfest vom Samstag abgerundet. Über 400 Schwinger – eine Zahl, die nicht jedes Jahr erreicht wird – waren in fünf verschiedenen Alterskategorien gemeldet. Die fünf Tagessiege sicherten sich zwar auswärtige Nachwuchsschwinger. Mit dem Ganterschwiler Julian Schwarz vom Schwingklub Flawil stand aber einer in der Kategorie 2009–2010 im Schlussgang. Dort musste er sich Daniel Gasenzer vom Grabserberg geschlagen geben.

Zwischenfall im Zuschauerbereich

Nicht nur im Sägemehl klappte das Allermeiste, sondern auch rund herum. «Der Festablauf wurde als positiv gewertet. Das passt zum sportlichen Abschneiden der einheimischen Schwinger», sagt OK-Präsident Martin Senn. Doch es ging nicht ganz ohne Zwischenfälle. Drei Schwinger verletzten sich und eine Zuschauerin brach sich im Bereich des Kinderspielplatzes bei einem Sturz das Bein. Für Senn überwiegt das Positive. Er resümiert:

Martin Senn, OK-Präsident St.Galler Kantonalschwingfest.

Martin Senn, OK-Präsident St.Galler Kantonalschwingfest.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Die Tribünen waren voll und unter den Zuschauern herrschte eine aufgeräumte Stimmung. Für die Stadt war es perfekte Werbung.»

Müsste Senn das Haar in der Suppe suchen, hätte es im Bereich des Gabenzeltes Platz für Optimierungen. «Es gab am Sonntag Leute, die wollten nur den Gabentempel und die Lebendpreise anschauen, weil beides ausserhalb des kostenpflichtigen Festgeländes lag. Wir hätten für sie eine Verpflegungsmöglichkeit einplanen müssen. Kurzfristig war dies aber nicht mehr möglich.»

Für ihn war es der letzte Grossanlass, bei dem er sich als OK-Präsident zur Verfügung stellte. «Nächstes Jahr werde ich 70. Es ist der ideale Zeitpunkt, um das Zepter den Jüngeren zu übergeben. Das Schwingfest war für mich ein krönender Abschluss meiner jahrzehntelangen Arbeit im Dienst der Öffentlichkeit und des Sports.»