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Ein unbekanntes Virus oder doch Chemikalien? Die möglichen Ursachen für das mysteriöse Massensterben in der Thur

Zur Untersuchung über das Bachforellensterben in der Thur liegen erste Ergebnisse vor. Im Verlauf dieser Woche werden Forscher den Kanton St.Gallen darüber informieren. Im Verdacht stehen unter anderem Chemikalien und auch ein bisher unbekanntes Virus.
Lara Wüest
Für Bachforellen nicht so idyllisch: die Thur.Für Bachforellen nicht so idyllisch: die Thur.
Bachforellen leiden besonders unter den immer wärmeren Temperaturen im Sommer. (Bild: PD)Bachforellen leiden besonders unter den immer wärmeren Temperaturen im Sommer. (Bild: PD)
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Fischsterben: Lösung des Rätsels naht

Bei der Lösung des Rätsels um das Massensterben von Bachforellen in der Thur unterhalb Bütschwil ist man womöglich einen Schritt weiter gekommen: Im Verlauf der Woche wollen Forscher erste Erkenntnisse mit dem kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei besprechen.

Suche eingrenzen

Die Untersuchungen laufen derzeit auf Hochtouren. Fachleute gehen dabei drei möglichen Ursachen nach: Sie prüfen, ob schädliche Chemikalien ins Wasser gelangt sind, ob biologische Faktoren wie Bakterien oder Viren die Fische befallen haben, oder ob das Immunsystem der Tiere durch gewisse Stoffe geschwächt wurde. «Wir hoffen, dass wir die Suche mit den ersten Resultaten eingrenzen können», sagt Christoph Birrer, Leiter der Abteilung Fischerei vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei.

Noch ein weiter Weg bis zum Schlussresultat

Der Weg bis zu einem endgültigen Ergebnis ist jedoch ein langer und aufwendiger. Viele Akteure sind beteiligt. Zusammen mit dem Kanton versuchen das Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern und das Schweizerische Zentrum für Ökotoxikologie in Dübendorf dem Fischsterben auf den Grund zu gehen.

Dazu sammelten die kantonalen Stellen für Wasser und Energie zusammen mit dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei vom Juni bis Oktober im letzten Jahr zahlreiche Wasserproben und Gewebeproben der Bachforellen aus der Thur. Danach schickten sie diese für die Untersuchung an die externen Partner in Bern und Dübendorf. Zum ersten Mal liegt nun eine Auswertung dieser gesammelten Daten vor.

Neuartiges Virus im Verdacht

Ein Verdacht, der seit einiger Zeit im Raum steht, ist, dass ein neuartiges Virus, ein Typ des sogenannten Reovirus, für das Fischsterben verantwortlich sein könnte. Der Grund: Kürzlich hat die Technische Universität München dieses neue Reovirus in einem Gewässer bei München nachgewiesen.

Auch dort starben die Bachforellen aus unerklärlichen Gründen an ähnlichen Symptomen wie in der Thur. Die Münchner Forscher vermuteten daraufhin, dass das Virus Ursache für die Todesfälle sei. Nun wurden auch Proben aus der Thur nach München geschickt.

Birrer bleibt jedoch vorsichtig. Zwar würden die Krankheitssymptome der Fische in der Thur zu diesem Virus passen. Doch ob es sich tatsächlich um dieses handle, könne man noch nicht sagen. «Derzeit ist das Virus erst eine von mehreren möglichen Ursachen», sagt Birrer.

Mehrere Faktoren für den Tod verantwortlich

Seit 2015 sterben in der Thur unterhalb von Bütschwil von Ende Juli bis im September zahlreiche Bachforellen, bei den Jungfischen waren bis zu 80 Prozent betroffen. Innerhalb weniger Tage färbte sich die Haut der Fische dunkel und sie gingen zu Grunde. Fachleute stellten fest, dass die toten Tiere Organschäden an Leber und Herz sowie Blutarmut aufwiesen. Dadurch konnte ihr Körper den Sauerstoff nicht mehr transportieren und sie erstickten. Die Ursache für diese Symptome konnte bisher nicht gefunden werden. Doch das hat sich nun vielleicht geändert. Birrer sagt:

«Wir hoffen, dass wir mit den neuen Resultaten mehr Klarheit haben.»

Eines ist bisher aber sicher: «Letzten Endes sind mehrere Stressoren für den Tod der Fische verantwortlich», sagt Birrer. Die zunehmend wärmeren Temperaturen im Sommer belasten den Stoffwechsel der Fische stark. Und je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff befindet sich darin. Die Folge: «Ab 25 Grad frisst die Bachforelle nichts mehr», sagt Birrer. Und das schwächt ihr Immunsystem und macht sie anfällig für andere Stressfaktoren und Krankheitserreger wie etwa das Reovirus.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ob die Fachleute tatsächlich einen Grund gefunden haben, erfährt das St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei nun in den nächsten Tagen. Doch auch wenn noch keine klare Ursache identifiziert werden konnte, wirft das die Forschung nicht an den Anfang zurück. Womöglich müssen die Experten dann einfach andere Analyseverfahren anwenden. Und was ihnen in jedem Fall bleibt, ist die Hoffnung, dass in diesem Sommer keine Fische sterben.

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