Niederwil
Eine Deponie im Wald und dann noch im eigenen Naherholungsgebiet – vielen ist das ein Dorn im Auge

Zwischen Niederwil und Gossau soll ein Stück Wald einer Deponie weichen. Pro Natura heisst das gut. Andere sind dagegen.

Zita Meienhofer
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Deponie Nutzenbuecherwald Niederwil-Gossau: Istzustand und Endzustand

Ist-Zustand

«Matchentscheidend ist nun die Haltung der Grundeigentümer», sagte Alexander Bommeli, Gemeindepräsident von Oberbüren, an der öffentlichen Veranstaltung im Schulhaussaal von Niederwil. Werden die Grundeigentümer ihr Land für die Deponie zur Verfügung stellen? Interessierte konnten sich nämlich über die geplante Deponie im Nutzenbuecherwald informieren lassen. Zu diesem Projekt läuft noch bis zum 15. Juli ein Mitwirkungsverfahren.

Der Nutzenbuecherwald liegt auf der Grenze der beiden Gemeinden Oberbüren und Gossau. Das Gros der künftigen Deponie ist auf Gossauer Boden, geografisch befindet sich der Wald nahe am Dorf Niederwil. Der Nutzenbuecherwald ist das Naherholungsgebiet der Niederwilerinnen und Niederwiler. Entsprechend gross war der Aufmarsch im Niederwiler Schulhaussaal. In Vergleich zu Niederwil soll sich das Interesse für Informationen am Abend zuvor in Gossau in Grenzen gehalten haben.

Gemeinderat kritisiert die Deponieplanung des Kantons

Bommeli kritisierte einmal mehr die Deponieplanung des Kantons, denn in der Gemeinde Oberbüren sowie im angrenzenden Gossau sind bislang vier Standorte im Richtplan eingetragen: Ruetwis, Nutzenbuecherwald, Radmoos und Thurhof. Zwischen Niederwil und Gossau besteht bereits die Deponie Ruetwis, in Planung sind die Deponien Radmoos und die daneben liegende Deponie Nutzenbuecherwald. Auf der anderen Strassenseite im Gebiet Degenau soll eine weitere Deponie entstehen. Für Radmoos und Nutzenbuecherwald sind Projekte vorhanden.

Betreiberin der Deponie Nutzenbuecherwald ist die Koch AG aus Appenzell. Rund 3,4 Millionen Kubikmeter unverschmutztes Material soll auf einer Fläche von 23,8 Hektaren gelagert werden. Da in diesem Gebiet kein Tobel besteht, wird das Material auf zwei Erdhügel aufgeschüttet. Dafür wird in Etappen gerodet werden. Jener im Westen wird 37 Meter, jener im Osten 23 Meter hoch werden. Pro Jahr wird mit einer Menge von 150000 Kubikmeter gerechnet. Die Betriebsdauer wird auf 30 Jahre geschätzt. Es wird in zwei Hauptetappen gearbeitet.

Die Besonderheit der Deponie: Sie befindet sich im Wald

Urs Koch von der Betreiberfirma aus Appenzell ist sich bewusst, dass niemand eine Deponie vor der Nase möchte:

«Und schon gar nicht von Firmen, die in einem anderen Kanton beheimatet sind.»

Er wies auf den Mangel an Deponien hin und auf die rege Bautätigkeit. Koch zeigte ebenfalls auf, dass das Projekt beim Kanton und den Naturschutzorganisationen geprüft, für gut befunden wurde. Die zweite Vorprüfung erfolgte im Frühjahr, nun hat die Bevölkerung die Möglichkeit, Stellungnahme zu beziehen. Alexander Bommeli attestierte Koch ein seriöses Vorgehen.

Das Interesse, sich vor Ort über die Deponie Nutzenbuecherwald informieren zu können, war in Niederwil gross.

Das Interesse, sich vor Ort über die Deponie Nutzenbuecherwald informieren zu können, war in Niederwil gross.

Bild: Zita Meienhofer

Das Besondere an dieser Deponie: Sie befindet sich in einem Waldstück. Diese Tatsache stiess bei vielen Interessierten auf Unverständnis. Noch weniger Verständnis wurde dafür aufgebracht, dass Pro Natura dieses Vorhaben unterstützt. Corina Del Fabbro, Geschäftsleiterin von Pro Natura St.Gallen, war eine der zehn Vertreterinnen verschiedener Organisationen, Firmen und des Kantons, die über das Projekt in ihrem Fachgebiet Auskunft gaben.

Sie musste deshalb auch mehrmals erklären, weshalb eine Naturschutzorganisation wie Pro Natura einen solchen Eingriff in ein Naherholungsgebiet gutheisst. Del Fabbro sagte, dass sie lieber auch keine Deponien hätte, aber wenn schon, dann sei dieser Standort der geeignetste. Sie begründete dies damit, dass der Nutzenbuecherwald derzeit kein ökologisch wertvoller Wald sei. Mit der Rodung und der anschliessenden Aufforstung entstehe dort ein Mischwald, der durch Biodiversität und Artenvielfalt aufgewertet wird.

Ein Projekt, das Präjudiz schaffen könnte

Die Frage, ob es in der Schweiz ein weiteres Deponieprojekt in einem Wald gebe, verneinte Corina Del Fabbro. Wird das Projekt in Gossau-Niederwil bewilligt, wird damit Präjudiz geschaffen. Wie diese beiden künstlich geschaffenen Erdhügel bei starkem Regen oder starker Hitze (Austrocknung) reagieren, das konnte sie nicht sagen. Ebenfalls nicht, wie sich das auf dahinterliegende Riet auswirken wird. Dafür war Martin Brunner von Brunner Landschaftsarchitekten GmbH in St.Gallen, zuständig.

Deponiebetreiber müssen einen langen Schnauf haben

Urs Koch war ebenfalls ein gefragter Gesprächspartner. Er sagte: «Ein Deponievorhaben ist kein Easy-Going-Projekt». Die Koch AG befasst sich seit Jahren mit dieser Thematik, an ihrem Standort in Appenzell, aber auch überall dort, wo sie Aufträge hat, so auch in der Region Gossau. Koch war es wichtig, dass die Bevölkerung seine Ansichten kennt und auch weiss, dass die Koch AG sich seit längerem intensiv mit Deponien befasst und es auch die Nachfolgegeneration, die ebenfalls anwesend war, tun wird.

Nach rund eineinhalb Stunden verliessen die ersten Besuchenden den Saal. Einige konnten sich mit dem Vorhaben anfreunden, für viele ist eine Deponie in einem Wald und im eigenen Naherholungsgebiet ein Dorn im Auge. Zwei Niederwiler sagten:

«Da gibt es nur eines: Einsprache machen.»

Weitere Infos: www.deponie-nutzenbuecherwald.ch, www.nutzenbuecherwald.ch