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Interview

«Das war zu viel des Guten»: Roger Dietschweiler, Präsident des EC Wil, über die Querelen um das Frauenteam

Der Zwist um das Frauenteam des EC Wil hat in den vergangenen Wochen zu grossen Unruhen im Verein geführt. Präsident Roger Dietschweiler äussert sich zu den Vorwürfen des Teamgründers Marcel Herzog, erklärt das Vorgehen des Vorstands – und übt Selbstkritik.
Tim Frei, Patricia Loher
Der 46-jährige Roger Dietschweiler hat Ende Januar die Vereinsführung des EC Wil übernommen. (Bilder: Michel Canonica)

Der 46-jährige Roger Dietschweiler hat Ende Januar die Vereinsführung des EC Wil übernommen. (Bilder: Michel Canonica)

Sie haben den Machtkampf mit Frauenteamgründer Marcel Herzog auf dem Rücken der Frauenequipe ausgetragen. Warum nicht direkt und nur mit ihm?

Ich habe keinen Machtkampf mit Herzog geführt. Er hat mich in den vergangenen Wochen und an der Hauptversammlung verbal angegriffen. Persönlich habe ich mit ihm kein Problem. Es geht weder um mich noch um ihn, es geht um den EC Wil.

Es heisst, Sie hätten das Amt im Frühling auch mit dem Ziel angetreten, Marcel und seinen Bruder Rolf Herzog loszuwerden, weil sie Unruhe stifteten.

Das stimmt nicht. Vizepräsident Marco Fiorina hat seit seinem Amtsantritt alle Stellen im Verein durchleuchtet. Jeder Funktionär musste bei ihm zum Gespräch antraben. Aufgrund der dabei gesammelten Fakten haben wir unsere Entscheidungen getroffen. Und nicht aufgrund von Emotionen, die andernorts im Verein Platz haben, in diesem Fall aber unangebracht sind.

Weshalb mussten denn Marcel Herzog und Teamleiter Sandro Brasi den Frauenstaff verlassen?

Sie mussten nicht gehen, sondern haben ihren Rücktritt im Frühjahr eingereicht. Damit waren sie nicht mehr unsere Ansprechpartner. Gegenüber Leuten wie Herzog, die sich in der Presse selbst zu Funktionären ernennen, haben wir keine Verpflichtungen wahrzunehmen.

Er hat demnach eine Funktion ausgeübt, die es gar nicht gab – und damit seine Kompetenzen überschritten.

Genau.

Doch Herzog betont, er habe sich innerhalb der Kompetenzen bewegt, die an der Vorstandssitzung vom März 2018 definiert wurden.

Zwei wichtige Punkte hat er nicht eingehalten: Alle Entscheide mit dem Vorstand abzusprechen und Verträge abzuschliessen – wie dies in der Vergangenheit immer der Fall war.

Hat sich das Frauenteam unter Herzog demnach verselbstständigt?

Ja, das war dynamisch. Ich kann das zwar nicht beurteilen, aber es scheint, als hätten Funktionäre früher im EC Wil mehr Freilauf genossen – ohne damit jemanden schlechtzureden.

Weshalb haben Sie sich Mitte Mai mit Brasi und Herzog getroffen?

Das Frauenteam war von Anfang an Teil der Neuaufstellung des Vereins, eine Loslösung stand nie zur Debatte. In diesem Treffen wollten wir erörtern, wie es mit dem Frauenteam weitergehen sollte. Unser Ziel war es, das Know-how des Betreuerstabs zu nutzen und alle beteiligten Personen im EC Wil zu behalten. Wir stellten uns aber die Frage, ob wir gewisse Zuständigkeiten zum Wohl des Vereins anpassen müssten.

Das Gespräch fand mehr als drei Monate nach Ihrem Amtsantritt statt. Weshalb dauerte das so lange?

Zuerst mussten wir die Schulden bei der Stadt Wil begleichen. Weil der Vorstand bei meinem Amtsantritt unvollständig war, mussten wir als Nächstes einen neuen Vorstand suchen. Zugleich sind immer wieder unbezahlte Rechnungen aufgetaucht.

Damit wir die Saison überhaupt zu Ende spielen konnten, mussten wir bis Ende April nochmals 50'000 Franken organisieren.

Es hätte unsere Kapazitäten gesprengt, wenn wir uns da noch Gedanken über Budgets und das Frauenteam hätten machen müssen.

Was war ausschlaggebend für den Rückzug des Frauenteams vom Meisterschaftsbetrieb?

Wir hatten kein Team auf Papier, sprich keine Teamlisten. Auch über gesicherte Sponsoren-Einnahmen lag uns nichts vor. Alle anderen Teams lieferten dagegen die angeforderten Dokumente. Nach dem Zeitungsbericht mit den getätigten Transfers des Frauenteams wäre es fahrlässig gewesen, nicht zu intervenieren.

Dieser Artikel über die Transferaktivitäten des Frauenteams hat also das Fass zum Überlaufen gebracht?

Das war zu viel des Guten. Als ich von diesem Artikel erfuhr, sprach ich die betreffenden Personen darauf an. Uns wurde versichert, es gehe nur um die Erfolgsgeschichte des Frauenteams des EC Wil. Aber dann wurden Transfers veröffentlicht und ich war platt, weil ich nicht wusste, worum es ging.

Wir haben das als ein internes Kommunikationsproblem gedeutet. In unserem Artikel bestätigten die Verantwortlichen und die Spielerinnen Transfers, Sie aber erfuhren das aus den Medien.

Es war die schlechteste Variante. Ich hatte die Infos aus der Presse. Aber es war schon früher so, dass Informationen aus jenem Kanal immer direkt an die Medien gingen. Marcel Herzog sagte uns etwa, wir dürften noch niemanden informieren über seinen Rücktritt. Er wolle zuerst mit den Frauen darüber sprechen. Dann aber erfuhr zuerst die Presse von seinem Rücktritt. Nun, es war ein wiederkehrendes Problem, das nicht zwingend mit mir zu tun hatte. Aus dem Vorstand liefen schon einige Leute davon, weil sie sich über diese Art der Kommunikation gegen aussen geärgert hatten.

Dann müsste man vorerst die Kommunikation innerhalb des Clubs professionalisieren, oder?

Klar. Auf jeden Fall.

Könnten Sie sich eine Rückkehr von Marcel Herzog vorstellen?

Ich habe ihm ein Gespräch angeboten. Er hat bisher nicht reagiert. Doch ich habe Verständnis dafür. Er muss das alles sicher zuerst einmal verdauen. Mit dem neuen Vorstand weht ein neuer Wind im EC Wil. Dass sich gewisse Dinge ändern müssen, ist offensichtlich.

Was würden Sie heute im Umgang mit den Medien anders machen?

Ich würde wohl nicht mehr versuchen, einen Artikel zu verhindern. Ich wollte das tun, um Unruhen zu vermeiden.

Wir waren derart überrascht, dass Leute aus unserem Verein ohne unser Wissen mit den Medien sprachen.

Und das über Dinge, von denen wir nichts wussten. Dabei hätten sie uns informieren sollen, dass so ein Artikel geplant war.

Das Frauenteam hat vor Ihrer Amtsübernahme immer relativ selbstständig funktioniert. Sind Sie einmal mit Marcel Herzog zusammengesessen und sagten: Wir wollen Verträge und schriftliche Aufstellungen über Spielerinnen und Finanzen?

Ich hatte auf dem Tisch ausgelaufene Verträge per 30. April. Also war für mich klar: Da hat es schon immer Verträge gegeben. Es war also kein Diskussionspunkt, eine angebliche Verselbstständigung einzugrenzen, weil ich davon ausging, dass die neuen Kontrakte über unseren Tisch gehen würden.

Aber es kamen keine?

Zu uns kamen keine neuen Verträge.

Es gab dann das Treffen in der Bodensee-Arena mit Kreuzlingen-Konstanz. Weshalb haben Sie den Club darum gebeten, den Antrag, dass das Wiler Frauenteam unter neuem Namen antreten kann, abzulehnen?

Stop. Finanzchefin Gabriela Hasler und ich gingen nach Kreuzlingen, weil uns die Verantwortlichen des Clubs Kreuzlingen-Konstanz darum gebeten hatten. Man hatte uns ein Mail zugespielt, das Sandro Brasi an alle abstimmungsberechtigten Clubs hatte zukommen lassen. Darin stand, der EC Wil befinde sich in finanziellen Nöten. In diesem Mail baten Brasi und Herzog, für den Neustart des Wiler Frauenteams zu stimmen. Kreuzlingen wollte dann wissen, wie die Faktenlage wirklich ist.

Nochmals: Warum haben Sie Kreuzlingen gebeten, Nein zu stimmen?

Wir gingen nicht mit dem Ziel nach Kreuzlingen, ein neues Wiler Frauenteam zu verhindern.

Wir wollten offenlegen, dass das, was in diesem Mail steht, nicht stimmt. Wir sind nicht in finanziellen Nöten.

Ich sagte dann den Verantwortlichen von Kreuzlingen-Konstanz, dass ich das Vorgehen von Herzog und Brasi nicht unterstütze. Nach diesem Mail wollten wir nicht akzeptieren, dass es einen Verein im Verein geben wird. Lizenzen und Schiedsrichter hätte ja weiterhin EC Wil bezahlt.

Nun bleibt also alles beim Alten, ausser, dass Marcel Herzog nicht mehr involviert ist.

Wir haben den Rückzug vom Rückzug gemacht. Vom Verband ist alles bestätigt. Erste Gespräche mit Spielerinnen und dem neuen Trainer Diego Gremminger wurden bereits geführt.

Marcel Herzog hielt an der Hauptversammlung des EC Wil eine Brandrede.

Marcel Herzog hielt an der Hauptversammlung des EC Wil eine Brandrede.

Es gibt auch noch die Geschichte um Rolf Herzog, Materialwart der ersten Mannschaft und Bruder von Marcel Herzog. Es heisst, dass man ihm mitgeteilt habe, man wolle ihn nicht mehr als Materialwart mit der Begründung, er bringe Unruhe.

Fakt ist, dass Marco Fiorina verschiedene Gespräche mit den Betreuern und dem Trainerstab geführt hat. Eines der letzten Gespräche fand mit Rolf Herzog statt. Dabei wurden gewisse Dinge auf den Tisch gelegt. Ich war dabei. Marco gab Rolf die Möglichkeit, sich ausführlich zu äussern. Und vereinbarte mit ihm ein weiteres Gespräch. Doch schliesslich gab Rolf den Rücktritt bekannt, zum zweiten Gespräch kam es nicht mehr.

Im ersten Gespräch wurde ihm aber mitgeteilt, dass man sich von ihm als Materialwart der ersten Mannschaft trennen wolle. Man bot ihm aber eine andere Funktion an.

Genau, in einer anderen Funktion hätte er im Verein bleiben können. Aufgrund der ersten Aussagen von Rolf Herzog wollte Marco das Gespräch mit der Mannschaft suchen und sich dann nochmals mit Materialwart Rolf Herzog zusammensetzen.

Wie gedenken Sie, wieder Ruhe in den Verein zu bringen?

Ein erster Schritt war, dass an der Hauptversammlung eine grosse Aussprache stattgefunden hat. Als wir den Club übernahmen, vermuteten wir schon, dass es einmal eine Störung geben könnte. Wir dachten aber nicht, dass diese im Zusammenhang mit dem Frauenteam entstehen würde.

Uns war bewusst: Wenn wir Leute umdisponieren, wenn wir gewisse Dinge in andere Bahnen lenken wollen, wird das Unruhe auslösen.

Aber uns ist es lieber, einmal eine grosse Störung zu durchleben, und es dafür nachher wieder ruhig ist. Aber wir machen uns nichts vor: Es wird immer einmal wieder eine Baustelle geben.

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