100 JAHRE HANS ERNI: Tagwache war schon früh um 7 Uhr

Zahlreich waren die Gratulanten, die am Samstag Abend im Luzerner Verkehrshaus Hans Erni zu seinem 100. Geburtstag gratulierten: 320 Gäste kamen und freuten sich von Herzen mit dem Jubilaren.

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Hans Erni freut sich über die Rosen seiner Enkelin Arielle. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Hans Erni freut sich über die Rosen seiner Enkelin Arielle. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Tagwache war schon früh um 7 Uhr. So früh nämlich waren Doris und Hans Erni hoch über den Dächern der Leuchtenstadt schon aufgestanden. Am Abend zuvor hatten sie in der Zürcher Tonhalle noch ein Konzert der Berliner Philharmoniker besucht – und waren gerade beim Nachhausekommen in den historischen Tag gerutscht.

Der verlief zuerst ziemlich ruhig zu Hause. Selbst an seinem grossen Tag hatte sich der Künstler immer wieder ins Atelier zur Arbeit zurückgezogen. Derweil nahm Doris Erni mit ihren Familienangehörigen ständig Glückwünsche in Form von Telefonaten, Blumen und viel Post entgegen. «Es war ein ganz schöner Tag im Kreise unserer Lieben», erzählte sie. Dann, so gegen 16 Uhr, ging es dann runter ins Verkehrshaus. Dort wurde zuerst eine Sonderaustellung zum Geburtstag Ernis eröffnet. Wie alle Gäste schritt auch Ehrengast Ruth Dreifuss durchs Museum. «Ich verweilte ganze anderthalb Stunden da – es ist einfach fantastisch, deine Werke zu bestaunen», erzählte die frühere Bundesrätin später dem Jubilaren. «Das erste Erni-Bild, das an einer Wand meines Zimmers hing, war das eines nackten Paares, voller Zärtlichkeit und voller Scham», sagte Dreifuss in ihrer Laudatio. «Diese Vibration strahlt auch aus Deiner Person, sowie aus der Beziehung zwischen Doris und dir.»

Erni-Preis ab 2010

Erni habe «zeitlebens hohe Ansprüche an sein eigenes Handeln» gestellt, erklärte Luzerns Stadtpräsident und Gastgeber Urs W. Studer. «Dies sowohl was die Ausdauer, die Ästhetik und auch die Ethik angeht.» Untermahlt wurde die würdige Feier von klassischen Klängen, dargeboten von Mitgliedern des Luzerner Symphonieorchesters. Stolz präsentierte Post-Präsident Anton Menth Ernis Geburtstags-Sondermarken, die ab 5. März zu haben sind. Und Hans Nützi, der Präsident der Erni-Stiftung, hob den mit 50 000 Franken dotierten Erni-Preis, der erstmals 2010 vergeben wird, aus der Taufe. Dann trat ein weiterer Ehrenbürger der Stadt Luzern ans Rednerpult: Mit viel Witz und voller Charme gratulierte auch Emil Steinberger– und präsentierte die riesige Kirsch-Geburtstagstorte.

Gedanken an Ogis
Ganz gerührt bedankte sich schliesslich Hans Erni bei den Gästen: «Diese Feier hat mich sehr bewegt, so schnell werde ich das alles hier nicht vergessen.» Später waren seine Gedanken plötzlich bei Adolf Ogi. Der alt Bundesrat hatte seine Teilnahme wegen des Todes seines Sohnes Mathias absagen müssen. «Es bewegt mich tief, welch hartes Schicksal die Familie Ogi erleiden muss», sagte der Künstler ganz leise mitten in der Freude seines grossen Festes.

André Häfliger