38. ST. GALLEN SYMPOSIUM: Politik und Wirtschaft treffen sich in St. Gallen

Gutgelaunt hat Bundespräsident Pascal Couchepin am Donnerstag in St. Gallen das dreitägige, 38. Wirtschafts-Symposium an der Universität St. Gallen eröffnet. «Globalisierung und Öffnung sind durchaus kompatibel mit der nationalen Identität der Schweiz», sagte der Kulturminister.

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Gutgelauntes Trio: Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann, Österreichs Bundespräsident Henz Fischer und sein Schweizer Amtskollege Pascal Couchepin (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gutgelauntes Trio: Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann, Österreichs Bundespräsident Henz Fischer und sein Schweizer Amtskollege Pascal Couchepin (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

«Voraussetzung dazu aber ist eine ausgeprägte Kultur des Zusammenlebens.» In der Pause schaute Couchepin mit Orangensaft in der Hand vergnügt runter auf die Schreber-Gärten. Wäre das etwas für ihn? «Nun, ich glaube kaum, denn ich würde kaum Bundessubventionen erhalten», lachte er.

Sein österreichscher Amtskollege Heinz Fischer, Ehrengast am Donnerstag in St. Gallen, plädierte für einen starken Staat. «In der sozialen Marktwirtschaft hat die soziale Komponente in den letzten Jahren an Bedeutung verloren», stellte das Staatsoberhaupt fest. «Angesichts wachsender wirtschaftlicher Ungerechtigkeit benötigen Sicherheit und Gerechtigkeit – zwei wichtige europäische Errungenschaften – vermehrt staatlichen Schutz.» Danach trafen sich Couchepin und Fischer zu einer kurzen Besprechung unter vier Augen über die Vorbereitung der Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich. «Alles läuft nach Plan, die Behörden beider Länder arbeiten vorzüglich miteinander», erklärte Couchepin danach. «Ich freue mich auf dieses tolle Fussballfest», sagte Fischer. «Aber fragen sie mich bitte nicht, wer gewinnen wird?»

Konter zu Köhler
Viel beachtet waren gestern auch die Ansprachen des Schweizer Deutche-Bank-Konzernchef Joe Ackermann und Swiss-CEO Christoph Franz. «Nach der Finanzkrise ist es nötig, das Vertrauen in das kapitalistische System wieder zu stärken», waren sich beide einig. Ohne einen Namen zu nennen, kritisierte Ackermann indirekt die «Monster-Attacken», die der deutsche Bundespräsident Horst Köhler tags zuvor in Deutschland geäussert hatte: «Es ist jedem Menschen frei, das zu sagen, was er sagen will.» Sein Medienchef Stephan Baron wurde gegenüber unserer Zeitung deutlicher: «Schwachsinn! Köhler ist auf Fang von SPD-Stimmen für seine Wiederwahl.»

Christoph Franz wandte sich im Gespräch mit unserer Zeitungen erfreulicheren Dingen zu. «Die Innerschweiz ist in unserer Familie die Lieblings-Destination in Sachen Wandern. Pilatus, Rigi, Titlis, Stanserhorn – das kennen wir alles schon sehr gut. In diesem Sommer ist jetzt die Göscheneralp in der Gotthardregion an der Reihe», erzählte Franz voller Freude. Freude herrscht auch bei Andreas R. Kirchschläger. «Kompliment! Das über 300-köpfige Stundenten-Team hat hier wieder ganze Arbeit geleistet», sagte der in Luzern aufgewachsene Enkel des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Ernst Kirchschläger.

10'000-Franken-Tipps
Und wie würden Wirtschafts-Topleute im Moment 10'000 Franken investieren? «Voll und ganz in die Bildung meines Sohnes», erklärte Unternehmerin Caroline Müller-Möhl. «In die Ausbildung junger Menschen», sieht es Unternehmer Thomas Schmidheinyähnlich. «Im Augenblick würde ich diesen Betrag voll und ganz den Katastrophengebieten in Burma und China spenden», sagte alt Bundesrat Arnold Koller. «Ich würde in Vietnam, das ich kürzlich bereiste, investieren», meinte Headhunter Björn Johansson. «Ich würde alles auf ein Weltindex-Zertifikat setzen», sagte Privatbankier Konrad Hummler. «1000 Franken in Wohltätigkeit, in ein Mobil-Kommunikations-Seminar und den Rest in Bankaktien», erklärte PubliGroupe-Generaldirektor Hans-Peter Rohner. Und Martin Bachofner, der vor drei Jahren die TV-Serie «Traumjob» von Verleger Jürg Marquard gewann und jetzt bei Topmanager Fritz Kaiser in Vaduz tätig ist, würde das Geld wohl in den Wahlkampf von Barack Obama stecken: «Ich bin ein absoluter Fan von ihm!»

André Häfliger, St. Gallen