39. ST. GALLEN SYMPOSIUM: Als Merz noch Eishockey-Pausenclown war?

Bundespräsident Hans-Rudolf Merz hat gestern in «seiner» ehemaligen Hochschule St. Gallen (HSG) das 39. Wirtschafts-Symposium eröffnet. Er warnte dabei vor übertriebener Staatsregulierung

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Gefragter Interviewpartner: Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, der in den 60er-Jahren selber in St. Gallen studierte. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gefragter Interviewpartner: Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, der in den 60er-Jahren selber in St. Gallen studierte. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

«Sobald die stärkste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg vorüber ist, müssen die derzeit stark verwischten Grenzen zwischen Wirtschaft und Politik neu gezogen werden», sagte Merz. Die Politik dürfe «nicht zu stark» in die Marktwirtschaft eingreifen, von weltweiten Regeln zur Abwendung von Finanzkrisen halte er «nicht viel», fügte der Finanzminister an. Die Schweizer Landesregierung habe die in Turbulenzen geratene Grossbank UBS gestützt und Konjunkturprogramme geschnürt, um in erster Linie Arbeitsplätze zu sichern. Im neuen, dritten Paket gehe es nun weniger um Strukturmassnahmen als vielmehr um begleitende Massnahmen des Staates, etwa um die Sicherung der Sozialwerke. «Wenn der Staat Steuergelder einsetzt und bei Banken Kredite aufnimmt, um die Marktwirtschaft zu stützen, besteht immer die Gefahr, die Schulden den nächsten Generationen zu übertragen», sagte Merz weiter. Er aber wolle sich für einen gesunden Schweizer Staatshaushalt und einen starken Werk- und Finanzplatz Schweiz einsetzen.

Mit Joe Ackermann, dem Schweizer Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, war sich Merz einig bezüglich dem Stand der Krise: «Vor einem Jahr standen wir alle unter Schock. Jetzt schient die Talsohle erreicht, aber es herrscht noch allseits grosse Besorgnis.» Welches lustige Erlebnis als Student hat der Bundespräsident noch in Erinnerung? «Das war eine Art Mutprobe, die ich in der Studentenverbindung zu bestehen hatte», erzählte Merz, der den Studentennamen «Zapfen» trug, unserer Zeitung. «An einem Eishockeyspiel im Lerchenfeld musste ich als Pausenclown die Fans aufheitern. Das tat ich dann auch in Vollmontur – und zum Glück konnte ich als ehemaliger aktiver Eishockeyspieler auch gut Schlittschuh laufen?»

Fussball-Stürmer Björn Johansson
Trix Heberleins eindrücklichstes Erlebnis als Jura-Studentin in Zürich hat ihr Leben geprägt: «Schon in den ersten Vorlesungen» habe sie «meinen späteren Ehemann» Rudolf C. Heberlein kennen gelernt. «Inzwischen sind wir seit 42 Jahren glücklich verheiratet», erzählte die im Kanton Zürich wohnhafte Präsidentin der Stiftung «Swisstransplant» und ehemalige FDP-Ständerätin, die in Teufen und St. Gallen aufgewachsen ist. Björn Johansson, der in St. Gallen unter anderem zusammen mit dem Luzerner Christoph M. Müller (VR-Präsident Warteck Invest AG) studierte, hatte einmal im Jahr ein besonderes Highlight. «Das war das traditionelle Fussballspiel der Studenten gegen die Dozenten», erzählte der Zürcher Headhunter mit schwedischen Wurzeln, der immer als Stürmer im Einsatz war. «Das Verhältnis zwischen Siegen und Niederlagen war dabei erstaunlich ausgeglichen.»

Das ist das Thema in St. Gallen
Zurück zum St. Gallen Symposium: Während drei Tagen thematisiert es das Wiederaufleben von Grenzen zwischen Politik und Wirtschaft. Bis morgen Samstag treffen sich 600 Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit gegen 200 ausgewählten Studierenden aus der ganzen Welt zum Dialog.

André Häfliger, St. Gallen