79. AUTOSALON GENF: Burgener: «Auch bei uns gibts Bereinigung»

Die Krise trifft auch die Schweizer Autoindustrie, ist der Experte Andreas Burgener überzeugt. Trotz weltweit rückläufiger Verkaufszahlen bleibt er aber optimistisch.

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Andreas Burgener, Direktor Auto-Schweiz. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Andreas Burgener, Direktor Auto-Schweiz. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Andreas Burgener*, welche waren, der Reihenfolge nach, Ihre persönlichen Kriterien beim letzten Autokauf?
Andreas Burgener: Zuerst stand einmal der Zweck der Anwendung im Vordergrund: Wie gross soll das Auto sein, für was brauche ich es? Dann die Antriebsform, die Energiekategorie und die Motorenleistung. Da ich viel unterwegs bin, habe ich mich dann für ein hocheffizientes Dieselfahrzeug entscheiden. Mit anderen Worten: Es war ein ganz bewusster Entscheid. Generell ausschlaggebend bei Autokäufen sind heute übrigens Fahrzeuggrösse und Preis.

Finden Sie, die Schweizer Autoimporteure werben betreffend Umweltkriterien genug offensiv?
Burgener: Ja, ich denke schon. Man sieht in den Werbestrategien und in den Inseraten deutlich, dass viel mehr und stärker mit Umweltargumenten geworben wird als vor einigen Jahren. Energieeffizienz ist ein grosses Thema. Wir wissen, dass fast alle Kundinnen und Kunden auf die Energieetikette achten. Früher sprach man ausschliesslich von nackten Leistungen. Ob die neuen Strategien bei der Kundschaft greifen oder nicht, entscheidet schlussendlich der Markt.

Welches sind die nächsten Umweltziele in den Schweizer Autoimporteuren?
Burgener: Wir werden im April/Mai wieder über Treibstoff-Absenkungsgrad der neuen Importautos orientieren. 6,4 Liter war die Zielgrösse bis 2008. Wie weit wir gekommen sind, werden wir dann bekannt geben. Zur Debatte stehen jetzt Anschlussvereinbarungen zu diesen auslaufenden Zielvereinbarungen. Die zentrale Frage dabei ist: Wie gehen wir mit Energie um? Diskutiert wird auch die Frage die Verschrottungsprämie – auf politischer Ebene in der Frühjahrssession, so wie es aussieht.

Was halten Sie von einer Verschrottungsprämie?
Burgener: Sie könnte sofort umgesetzt werden. Das Geld ist vorhanden, jedes Jahr werden mit der Automobilsteuer über 30 Millionen Franken generiert. Wir haben 939 999 Autos in der Schweiz, die 13 Jahre und älter sind, der Fahrzeugpark hat ein Durchschnittsalter von 8,5 Jahren. Das ist ein riesiges Potenzial. Wer ein neues Auto der Energiekategorie A oder B kauft, erhält einen Bonus, wenn er sein altes Fahrzeug verschrotten lässt. Die Luft wird damit sauberer, weil die neuen Autos den neusten Abgasnormen entsprechen. Das Leben auf der Strasse wird sicherer, weil die Neuwagen die strengsten Sicherheitsstandards erfüllen. Und der CO2-Ausstoss geht massiv zurück, weil diese Autos über 1,4 Liter pro 100 Kilometer weniger Treibstoff verbrauchen.

Wie gross ist der Anteil umweltfreundlicher Fahrzeuge im gesamten Schweizer Autobestand?
Burgener: 2003 wurde in der Schweiz die Energieetikette eingeführt. Bis ins Jahr 2007 wurden rund 450 000 Fahrzeuge in den beiden besten Effizienzkategorien A und B verkauft, eine sehr stattliche Anzahl also. Das heisst, es funktioniert und darum muss auch nicht geändert werden.

Welche umweltfreundliche Technik wird sich durchsetzen?
Burgener: Man sieht keinen Königsweg, aber man sieht verschiedene Pfade. Alternativenergien wie Gas, Agrartreibstoffe sowie die Elektrifizierung und Hybridisierung der Fahrzeuge. Immer mehr Autobauer befassen sich mit Elektroantrieben. Das bringt aber zwei Herausforderungen mit sich: die Speicherung sprich Akkus und Batterien sowie die Bereitstellung elektrischer Energie.

Wie vertragen sich diese Ziele mit der Krise in der Automobilindustrie?
Burgener:  Wer Forschung aktiv betreiben will, muss wirtschaftlich arbeiten können. Das Geld muss also erst einmal verdient werden. Jetzt haben wir weltweit rückläufige Verkaufszahlen, das ist eine grosse Herausforderung. In jeder Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Es braucht saubere Kostenstrukturen und griffige Sanierungskonzepte. Ich nehme an, dass es auch bei uns eine gewisse Bereinigung bei den Herstellern geben wird, in grösserem oder kleinerem Rahmen.

Wie hart trifft die Krise die Schweiz konkret?
Burgener: Wir haben Ende 2008 vorausgesagt, dass wir in diesem Jahr in der Schweiz 270 000 Einheiten absetzen werden  6 Prozent weiniger als im letzten Jahr. Ob wir auf diesem Zielpfad bleiben können, kann ich nicht mit abschliessender Sicherheit beantworten. Es ist leider alles etwas in der Schwebe im Moment.

Wie lange glauben Sie, wird diese Krise in der Branche anhalten?
Burgener: In die Zukunft unserer Branche zu schauen, ist im Moment extrem schwierig, ich wage keine Prognose. Die Vorgabe sind die 270 000 Neuwagen, unser Fahrzeugspark hat ein Durchschnittsalter von 8,5 Jahren. Klar ist, dass Mobilität weiterhin gefragt ist und unsere Bevölkerung weiterhin zunimmt. Der Motorisierungsgrad mit 527 Motorfahrzeugen pro 100 Einwohner ist stabil. Und wir verkaufen nicht von heute auf morgen einfach keine Autos mehr, die Wirtschaft steht nicht still, der Bedarf ist da.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Wege aus der Krise?
Burgener: Ruhe bewahren und weiterkrampfen. Es geht darum, neue, hocheffiziente Produkte zu entwickeln, die der Markt aufnimmt. Mobilität ist ein gefragtes Gut, wir müssen den Bedarf auf hocheffiziente Art befriedigen, besser als andere Verkehrsträger. Es bracht griffige Szenarien, das will die Politik, das will die Kundschaft. Ich gehe davon aus, dass Effizienz das grosse Thema in Genf sein wird, das unserer Branche aus der Krise hilft.

Wie sehen Sie die längerfristige Entwicklung bei den Treibstoffpreisen?
Burgener: Die CO2-Diskussion muss man führen. Aber vor dem Hintergrund der Knappheit der Ressourcen. Die Preise von fossilen Treibstoffen werden naturgemäss steigen, sowohl vom Produktwert her als vermutlich auch von der Steuerlichen Belastung her. Wie hoch, weiss ich nicht.

Welche Augenmerke empfehlen Sie Bundespräsident Merz dieses Jahr bei seinem Rundgang am Genfer Automobilsalon?
Burgener: Effizienz, alternative Antriebsarten und der neue  Pavillon F, auf dem viele Prototypen und Studien zu sehen sind. Auch bei knappem Zeitbudget verdienen es zudem die zahllosen technischen Neuerungen beachtet zu werden.

Und wo soll er wegschauen?
Burgener: Der Salon ist etwas, das in erster Linie mit Technik und Emotionen zu tun hat. Jeder Aussteller macht seinen Job das mit viel Herzblut. Demnach darf man überall hinschauen. Ich hoffe, Bundespräsident Merz wird in Genf Freude und Spass haben.

Interview André Häfliger, Genf

* Andreas Burgener ist Direktor von Auto-Schweiz, der Vereinigung Schweizer Automobilimporteure.