90 JAHRE PRO SENECTUTE LUZERN: Buchhalter Nötzli ist versöhnlich geworden

Mit Kunst, Musik und vor allem mit viel Humor auf der Bühne feierte die Pro Senectute des Kantons Luzern am Dienstag mit 1600 Gästen im KKL in Luzern ihr 90-jähriges Bestehen.

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Moderator Kurt Aeschbacher (links) im Gespräch mit Walter Roderer. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Moderator Kurt Aeschbacher (links) im Gespräch mit Walter Roderer. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Höhepunkt der Feier waren die lockeren Gespräche, die der wie immer aufgeräumte Moderator Kurt Aeschbacher mit seinen Bühnengästen führte.Für die lautesten Lacher sorgte dabei Volksschauspieler Walter Roderer, bei dem auch drei Tage vor seinem 89. Geburtstag noch jede Pointe wie zu den unvergessenen Tagen von Buchhalter Nötzli sass. Ob er denn ein Raser sei, fragte «Aeschbi» den leidenschaftlichen Autofahrer. «Nein, das nicht», schmunzelte Roderer. «Aber ich bin fahre schon satt durch die Gegend und vermeide tunlichst jede Langsamitäten.»

Zehn Jahre lang musste «Rodi», der eigentlich mal Pfarrer werden wollte, ganz unten durch, verdiente sein Geld als Schuhwichserverkäufer in Zürich. Oder mit einem Satz im Willhelm Tell: «Achtung, der Dachdecker stürzt vom Dach!» Wann glaubte er denn, der Durchbruch sei endlich geschafft, fragte ihn Aeschbacher. «Als mich der damals bekannteste Schweizer Filmproduzent Lazar Wechsler anrief», erinnerte sich Roderer. «Und mich aber leider nur fragte, ob er denn für seine Enkelkinder den Samichlaus spielen würde?» Nun, der Durchbruch kam zum Glück dann für Bühnenlegende Roderer («Du musst den Leuten ans Herz gehen») tatsächlich. Vor dem Tod habe er keine Angst, höchstens vielleicht vor dem Sterben. Im Alter gehe für ihn alles etwas langsamer, sozusagen im Zeitlupentempo. Man werde versöhnlicher mit sich und der Welt. Wenn heute hinten beim Autofahrer einer hupt, lächle er in den Rückspiegel und winke dazu ganz höflich. Früher habe er sich geärgert. «Das tue ich jetzt überhaupt nicht mehr», so Roderer, der sich auch von der Politik abgewendet hat: «Die sollen doch machen, was sie wollen!»

«Rodi» und Emil
Schallend lachten die Gäste im grossen KKL-Saal. Auch Weltraumexperte Bruno Stanek. «Ich merke gerade wieder, dass Waltere Roderer mein Lieblingskomiker ist und bleibt», sagte der Weltraumexperte. «Sein köstlicher Humor hat mich das ganze Leben begleitet. Seine Pointen haben immer auch etwas Vornehmes an sich und sind nie beleidigend.» Luzerns Regierungsrat Markus Dürr indes «schwört» auf den «guten, alten» Emil. «Vor allem Steinbergers kleine, ganz aus dem vollen Leben gegriffene Verwechslungen bringen mich immer sofort zum Lachen – auch heute noch!» Für Autor, Satiriker und Schauspieler Patrick Frey steht fest: «Wer mit 60 nicht gelernt hat zu Lachen, der wird es nie mehr lernen.» Und Komikerin Anet Corti weiss: «Lachnummern zu schreiben ist manchmal alles andere als lustig, das ist knallharte Arbeit!»

Skelett beim Zahnarzt
Humorforscher Helmut Bachmaier erzählte vom Skelett, das zum Zahnarzt ging und von diesem den Bescheid erhielt: «Ihre Zähne sind perfekt. Nur ihr Zahnfleisch bereitet mir etwas Sorge?» Begegnungsclown Marcel Briand, CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler und Pro Senectute Luzern-Geschäftsleiter Peter Dietschi waren die weiteren Bühnengäste. Die Feldmusik Luzern, das 60-köpfige Seniorenorchester Luzern und die Mimikgruppe «Theaterkoffer Luzern» untermauerten die Feier mit ihren Darbietungen. Margrith Schmidle, mit 89 Jahren die Älteste im Seniorenorchester, verbindet mit Humor übrigens eine Weisheit: «Solange man über sich selber lachen kann, ist das Leben noch lustig und lebenswert.»

André Häfliger