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AARGAU: Protokoll des Grauens

Protokoll des Grauens
Eine Polizistin und ein Kriminaltechniker vor dem Wohnhaus im aargauischen Rupperswil: Nach einem Brand wurden in dem Haus vier Leichen entdeckt; sie alle sind Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens geworden. (Bild: Patrick B. Krämer/Keystone (Rupperswil, 21. Dezember 2015))

Eine Polizistin und ein Kriminaltechniker vor dem Wohnhaus im aargauischen Rupperswil: Nach einem Brand wurden in dem Haus vier Leichen entdeckt; sie alle sind Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens geworden. (Bild: Patrick B. Krämer/Keystone (Rupperswil, 21. Dezember 2015))

Den Zugang zum Haus am Morgen des 21. Dezember 2015 zwischen 7.30 und 8 Uhr hatte sich der Vierfachmörder von Rupperswil mit einem gefälschten Brief der Kreisschule Buchs-Rohr verschafft. Das geht aus der gestern veröffentlichten Anklageschrift hervor. Er gab sich als Mitarbeiter des Schulpsychologischen Dienstes der Schule aus.

Der Angeklagte hatte schon länger einen Blick auf den 13-jährigen Sohn der Opferfamilie geworfen. Er sei zuvor rund zehn Mal beim Haus der späteren Opferfamilie unterwegs gewesen, heisst es in der Anklage. Er soll das Leben der Familie im Wohnquartier ausgekundschaftet haben. Dem 13-Jährigen sei er wiederholt, scheinbar zufällig, begegnet.

Sohn mehrfach missbraucht

Der Beschuldigte habe seit vielen Jahren um seine pädophile Veranlagung gewusst, heisst es in der Anklageschrift weiter. Mit zuvor gekauften «Sexspielzeugen» missbrauchte er den Jugendlichen mehrfach – und machte dabei Aufnahmen. Der Beschuldigte lud gemäss Anklage die von ihm gemachten Fotos und Filmaufnahmen, welche die sexuellen Handlungen mit dem Jugendlichen zeigen, noch am Tag des Vierfachmordes von seinem Mobiltelefon auf seinen Laptop. In der 20 Seiten zählenden Anklageschrift sind viele verstörende Details der Tat genau aufgeführt.

Aufnahmen immer wieder angeschaut

Die Aufnahmen der sexuellen Handlungen seien für die Zukunft gedacht gewesen. Wie aus der Anklageschrift weiter hervorgeht, schaute sich der Schweizer diese immer wieder an – letztmals am 6. Mai 2016. Sechs Tage später wurde er in Aarau verhaftet, 146 Tage nach dem Gewaltverbrechen.

Bei den Opfern des brutalen Vierfachmordes handelt es sich um eine 48-jährige Frau, deren Söhne im Alter von 13 und 19 Jahren sowie um die 21-jährige Freundin des älteren Sohnes. Die Frau hatte die Hände und Füsse des 19-Jährigen und seiner Freundin unter Drohung des Angeklagten mit Kabelbindern und Klebeband gefesselt. Der Sohn und dessen Freundin befanden sich im zweiten Stock des Hauses. Gemäss Anklageschrift tötete der nicht vorbestrafte und zuvor nicht aufgefallene Beschuldigte zunächst den 19-Jährigen, dann dessen Freundin und die 48-jährige Frau. Zuletzt brachte er den 13-Jährigen um.

Die Tatwaffe war ein in Aarau gekauftes 30 Zentimeter langes Küchenmesser, mit dem er den Opfern die Kehle durchschnitt. Um die Spuren zu verwischen, hatte er im schwarzen Rucksack auch sechs Flaschen Fackelöl dabei. Dieses schüttete er in den Räumen aus und zündete es an.

«Das Leben des Beschuldigten verlief weiter wie vor der Tat», heisst es in der Anklageschrift. Nach dem Gewaltverbrechen war der Mann nach Hause gegangen. Er wohnte bei seiner Mutter in der Nähe des Tatorts in Rupperswil. Während die Feuerwehr versuchte, den Brand zu löschen, duschte er. Im Laufe des Nachmittags machte er mit seiner Mutter einen Spaziergang mit seinen zwei Husky-Hunden. Am Abend ging er mit zwei Kollegen nach Zürich in den Ausgang.

Geld für Tierarztrechnung verwendet

Der geständige Angeklagte hatte die Frau während der Geiselnahme gezwungen, Geld zu beschaffen. Er soll vorgegeben haben, dass sie dabei von einem Komplizen beobachtet würde. Die Frau verliess das Haus für 20 bis 30 Minuten und holte an Bancomaten in Rupperswil und Wildegg rund 1000 Euro und 10000 Franken ab. Danach ging sie zurück nach Hause. Sie wurde wieder gefesselt.

Das Geld verwendete der Beschuldigte für das Nachtessen mit Kollegen in Zürich am Tag des Verbrechens, für Tierarztrechnungen und für Krankenkassenprämien. Zudem finanzierte er seiner Mutter zum 60. Geburtstag eine Reise nach Paris. (sda)

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