Ab Mittwoch wird das Schweizer Fernsehen schärfer

Ab Mittwoch müssen die Maskenbildner und Dekor- Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens noch genauer arbeiten als bisher. Die SRG sendet die sechs Hauptsender dann auch in HD- Qualität. Die Zuschauer können jeden falsch gezogenen Lidstrich erkennen.

Merken
Drucken
Teilen
Aufgeschaltet werden am Mittwoch die HD-Sender der sechs SRG- Hauptsender (Bild: Keystone)

Aufgeschaltet werden am Mittwoch die HD-Sender der sechs SRG- Hauptsender (Bild: Keystone)

Was bisher in einer schmeichelhaften Unschärfe verschwand, wird ab Mittwoch schonungslos in die Wohnzimmer übertragen: Jede Pore, jeder kleine Krähenfuss wird wegen der fünf Mal höheren Auflösung zu erkennen sein. Damit die Wahrheit nicht ganz so hart ausfällt, hat das Fernsehen nun seine Schminktechnik weiterentwickelt.

Konventionelles Make-up werde zwar nach wie vor angewendet, heisst es beim Schweizer Fernsehen auf Anfrage. Je nach Hauttyp werden die Moderatoren und Moderatorinnen aber auch mit Airbrush, also Sprühnebeln, geschminkt. Von den Geschminkten werde diese Technik als angenehm empfunden, heisst es zumindest von offizieller Seite.

Auch die Studiobauer stehen wegen der neuen Bildqualität vor Herausforderungen: Konnten sie bisher mit einigen Pinselstrichen eine Mauer simulieren, wird ab Mittwoch deutlich sichtbar sein, dass es sich doch nur um angemalten Karton handelt. Es müssen deshalb häufiger plastische, echte Bauten angefertigt werden.

Spielfilme und Serien werden in HD eingekauft

Die grösste Änderung passiert jedoch bei der Technik. Seit 2005 wurden bei Neuanschaffungen, etwa bei Kameras, Übertragungswagen und Schneideplätzen, in allen Sprachregionen ausschliesslich HD- taugliche Produkte gewählt. Geräte in einem anderen Standard sind mittlerweile ohnehin nicht mehr erhältlich.

Dasselbe gilt für den Einkauf von Spielfilmen und Serien, die heute jeweils in HD-Qualität erworben werden. Auch internationale Sport-Live-Übertragungen werden seit längerem grösstenteils in HD produziert.

Handybilder aus Syrien werden auch mit HD nicht scharf

Aufgeschaltet werden am Mittwoch die HD-Sender der sechs SRG- Hauptsender, also von SF1, SF zwei, TSR1, TSR2, RSI LA1 und RSI LA2. SF info wird erst ab 2015 in HD verbreitet. SF plant, in diesem Jahr 50 Prozent der Sendungen in der Primetime in HD-Qualität zu produzieren. Bis Ende 2015 sollen es über 90 Prozent sein.

Tagesschau nicht in HD

Am längsten bei der alten Technik bleibt das SF mit den Nachrichtensendungen, also etwa mit der «Tagesschau» und «10vor10». Hauptgrund dafür ist, dass das Bildmaterial dieser Sendungen meist nicht in HD produziert wurde. Handyfilmchen aus Syrien werden auch mit fünf Mal besserer Auflösung nicht scharf.

Ein zweiter Grund sind die News-Studios, die bis jetzt noch nicht HD-Ansprüchen genügen und gemäss Umbauplan aber erst 2014 oder 2015 aufgerüstet werden. Obwohl die Newssendungen bis dann noch mit «alter» Technik produziert werden, werden sie aber auf den neuen HD- Sendern übertragen.

Das Fernsehen rechnet dazu die Sendungen hoch, was eine deutlich bessere Qualität ergibt als die bisherige Verbreitung. Wer einen grossen Bildschirm hat, wird - verglichen mit «echter» HD-Qualität - aber wahrscheinlich einen Unterschied erkennen.

Schweiz-Argentinien erstmals gestochen scharf

Welche Mehrkosten dem Schweizer Fernsehen durch die Umstellung bei der Technik und der Requisite entstehen, will der Sender nicht publik machen. Zahlen zu einzelnen Projekten gebe die SRG aus Prinzip nicht bekannt, heisst es auf Anfrage.

Eine erste SF-Sendung, bei der die gestochen scharfe HD-Qualität gut sichtbar wird, ist das Fussball-Spiel Schweiz-Argentinien vom Mittwochabend aus dem Stade de Suisse in Bern.

sda

Das braucht es für das Kino im Wohnzimmer

Die fünf Mal höhere Bildauflösung und die Dolby- Surround-Tonqualität wie im Kino kommen am Mittwoch nicht automatisch in die gute Stube. Empfangen kann die sechs neuen HD- Sender nur, wer sich die entsprechende Technik anschafft.

Voraussetzung für den HD-Empfang ist ein Flachbildschirm-TV, der das Label «HDready» oder «FullHD» trägt. Schätzungen zufolge stehen solche Geräte bereits in 90 Prozent aller Wohnzimmer. Röhrenfernseher sind für die neue TV-Qualität nicht geeignet.

Der Empfang von HD ist via Satellit, Kabel, Swisscom TV und Sunrise TV möglich. Bei digitalem Kabelempfang braucht es je nach Alter des Fernsehgerätes eine Set-Top-Box und eine CI+-Karte, auch Smartcard genannt. Beides ist beim Kabelnetzbetreiber erhältlich.

Bei Empfang über die Telefonleitung braucht es eine Set-Top-Box des Anbieters, also entweder von Swisscom oder Sunrise. Bei Satellitenempfang ist ein HD-Sat-Receiver mit HD-tauglichem Viaccess- Modul und Sat-Access-Karte nötig. Bereits heute sind rund 40 Prozent aller Fernsehhaushalte vollständig für HDTV eingerichtet.

Wer ab Mittwoch keine HD-Qualität möchte, muss nichts unternehmen und kann wie gewohnt auch weiter mit bisheriger Technik fernsehen. Zu Änderungen gezwungen werden nur jene, die ihre SRG-Sender in Standard-Qualität über Satellit empfangen: Ab 2015 strahlt die SRG über Satellit nur noch HDTV aus und stellt die parallel ausgestrahlten Standard-Sender ab.

Der Grund für die Einstellung sind die Kosten, welche bei der Parallelausstrahlung entstehen. Spätestens 2015 müssen diese Zuschauer also eine HD-Set-Top-Box anschaffen oder gleich auf ein TV- Gerät mit eingebautem HD-Sat-Receiver umsteigen.

sda