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ACTIONFRAU: «Ripley hat mich sehr inspiriert»

Die in Südafrika aufgewachsene Charlize Theron verkörpert im Agententhriller «Atomic Blonde» eine knallharte britische Agentin. Ein Gespräch über Heldinnen im Kino und wofür es sich lohnt, alles zu geben.
André Wesche
Charlize Theron über ihre Rolle als knallharte Agentin: «Ich wollte eine Figur entwickeln, die sich für nichts entschuldigt.» (Bild: Willy Sanjuan/AP (Los Angeles, 24. Juli 2017))

Charlize Theron über ihre Rolle als knallharte Agentin: «Ich wollte eine Figur entwickeln, die sich für nichts entschuldigt.» (Bild: Willy Sanjuan/AP (Los Angeles, 24. Juli 2017))

Interview: André Wesche

Hollywoodstar Charlize Theron lässt sich in keine Schublade ­einordnen. In ihrer Filmografie wechseln sich Charakterrollen («Monster», «Kaltes Land») mit Auftritten in Unterhaltungsfilmen ab («Snow White and the Huntsman», «A Million Ways to Die in the West»). In der letzten Zeit dominieren Actionfilme das Schaffen der 41-Jährigen. Nach «Mad Max: Fury Road» und «Fast & Furious 8» ist Theron nun in einer Comic-Verfilmung der besonderen Art zu erleben.

Charlize Theron, «Atomic Blonde» spielt 1989 in Berlin, kurz vor dem Fall der Mauer. War das seinerzeit ein Thema für Sie?

In Südafrika wurde heftig dar­über diskutiert, genau wie im Rest der Welt. Es war schliesslich ein Ereignis von globaler Bedeutung. In Südafrika wurde vielleicht besonders intensiv darüber gesprochen, weil es viele Parallelen zwischen der Apartheid und den Dingen gab, für die diese Mauer stand; nämlich für den Irrglauben, man könnte Menschen trennen, sei es mit einer Wand oder mit einem Schild «Nur für Weisse».

«Atomic Blonde» etabliert eine neue Art von starker Frau in der Filmlandschaft. Ist es Ihnen als Schauspielerin und als Produzentin ein Anliegen, in dieser Hinsicht etwas zu verändern?

Danke, dass Sie diese Frage stellen. Ich glaube nicht, dass sehr viele Menschen realisieren, dass man als Frau weder in der Filmindustrie selbst noch als Darstellerin nach den gleichen Regeln spielen darf wie die Männer. Wir haben einen Grossteil der Drehbuchentwicklung darauf verwandt, ein Experiment zu wagen. Wie wäre es, eine dominante Frauenfigur in eine Welt zu pflanzen, die seit Ewigkeiten eine Männerdomäne war? Eine Frau, die nach denselben Regeln spielt? Wenn man eine Frau in einer solchen Rolle zeigt, muss man sich normalerweise dafür rechtfertigen, dass sie sich auf diese Weise verhält. Bei einem männlichen Helden wird gefeiert, dass er in dieser konfliktbeladenen Welt überleben kann, wenn auch nicht auf schöne Weise. Männer tun einfach ihren Job.

Und Lorraine auch?

Ich wollte eine Figur entwickeln, die sich für nichts entschuldigt. Nicht für das, was sie ist, und nicht für das, was sie tut. Lorraine ist MI6-Agentin und sehr gut in ihrem Job. Ich wollte gar nicht viel über sie wissen. Keine anrührende Vorgeschichte. Alles, was man für sie fühlt, sollte eine Konsequenz dieser Welt sein, in der sie lebt und von der die Schrammen auf ihrem Körper künden. Ich bin stolz darauf, dass es uns gelungen ist, die Geschichte genau so aufzuziehen. Frauen werden das zu schätzen wissen. Ich hoffe, dieser Film wird sie bestärken.

Hätte man einen Film wie diesen schon vor zehn Jahren realisieren können?

Ich denke, Ripley aus «Alien» ist einer der grössten weiblichen Filmcharaktere. Sie ist nicht nur für das Action-Genre beispielhaft, sondern für jede Art guten Geschichtenerzählens. Sie hat mich sehr inspiriert. Ich erlebte eine Frauenfigur, wie ich sie ­vorher noch nie gesehen hatte. Manchmal frage ich mich, warum wir das einmal so gut hingekriegt und dann doch wieder den falschen Weg eingeschlagen haben. Wir müssen diesen Motor für Frauen am Laufen halten und Figuren schaffen, die sich real anfühlen. Es geht nicht darum, dass wir wie Männer sein wollen. Man sollte Frauen nur ehrlicher por­trätieren. Es gibt eine Reihe von Schauspielerinnen, die in einer solchen Rolle glänzen würden.

Glauben Sie, dass eine Frau auch den nächsten James Bond verkörpern könnte?

Aber ja! Frauen können alles tun. Manchmal werde ich gefragt, ob die USA wirklich einen weiblichen Präsidenten haben könnten. Mein Gott! Wir liegen in diesem Spiel so weit zurück! Im Rest der Welt ist das längst Realität. Es ist noch ein grosser gedanklicher Prozess von Nöten, um unsere Welt zu ändern.

Ein Filmzitat lautet sinn­gemäss: «Alles, was du begehrst, verbirgt sich hinter deiner Angst.» Wann haben Sie begonnen, sich Ihren eigenen Ängsten zu stellen?

Schon in sehr jungen Jahren. Ich komme aus einem Land, das mir beigebracht hat, dass nichts im Leben einfach ist. Dieses Privileg hat man, wenn man in einem Staat aufwächst, der von einem Konflikt geprägt wird. Südafrika wurde von politischen Turbulenzen beherrscht und litt unter seiner eigenen Identität. Meine frühesten Kindheitserinnerungen sind vom Wunsch bestimmt, dar­über hinauszuwachsen und meine Stärke auf der anderen Seite zu finden.

Wie kam es zur Action-Phase in Ihrer Karriere mit Filmen wie «Mad Max»?

Ich glaube, das ist gar nicht so ein Action-Ding. Vielleicht ist es ein bisschen nostalgisch von mir, dass ich gern auf diese physische Weise Geschichten erzähle. In meiner ersten Karriere war ich Ballerina, mehr als die Hälfte meines Lebens lang. So hat man mir beigebracht, Geschichten zu erzählen. Und ich liebe es nach wie vor. Es ist eine andere Art, Schauspielerei zu erleben. Ich hatte das Glück, auf tapfere ­Menschen wie George Miller (Regisseur von «Mad Max») zu treffen, die mich unterstützt haben. Ich glaube nicht, dass wir einen Film wie «Atomic Blonde» mit so ­wenig Dialog hätten machen ­können, ohne vorher die «Mad Max»-Erfahrung gesammelt zu haben. Hier habe ich die Macht des Erzählens ohne viele Worte gefühlt.

Haben Sie den lesbischen Aspekt in Ihre Figur Lorraine eingebracht?

Es war unser Autor Kurt Johnstad, der den Vorschlag machte. Lorraine ist übrigens bisexuell. Wir haben ständig hinterfragt, welche Überraschungen wir einbauen könnten. Es fällt ihr nicht leicht, jemanden auf einer intimen Basis an sich heranzulassen. Das sagt mehr über sie aus als jeder lange Dialog. Ausserdem ist diese Art der Liebe im Kino nicht sehr präsent. Wenn das Kino ein Spiegel der Gesellschaft sein soll, dann müssen wir ihr diesen Spiegel auch vorhalten.

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