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AESCH: Sie ernten süssen Lohn für harte Arbeit

Erntezeit: Die blauen Heidelbeeren sind beliebt wie nie zuvor – und erst noch gesund. Zudem hat das Pflücken therapeutische Wirkung.
Rahel Schnüriger (text) und Pius Amrein (bilder) Rahel.schnueriger@zentralschweizamsonntag.ch
Erholsamer Knochenjob: Seit bald 20 Jahren pflückt Ludwika Amrein Heidelbeeren für die Familie Koch. Das Netz dient als Schutz vor den Vögeln. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Erholsamer Knochenjob: Seit bald 20 Jahren pflückt Ludwika Amrein Heidelbeeren für die Familie Koch. Das Netz dient als Schutz vor den Vögeln. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Alles begann mit einem Traum. Heidy und Peter Koch waren knapp dreissig Jahre alt, hatten drei kleine Kinder und vor kurzem den Hof in Aesch von Peters Eltern übernommen. Milchwirtschaft war mit dem kleinen Betrieb keine Option mehr, also probierten es die beiden mit Erdbeeren und Himbeeren.

Eines Nachts allerdings träumte Peter Koch davon, Heidelbeeren anzupflanzen. Als er am nächsten Morgen aufwachte, war die Entscheidung für ihn rasch gefällt. Bestärkt wurde er durch ein Gespräch mit seinem Abnehmer wenige Wochen später, der davon erzählte, dass Coop noch einen Heidelbeerenanbauer suche. «Es musste wohl so sein», sagt der 51-jährige Peter Koch heute mit einem Lächeln auf den Stockzähnen und ergänzt: «Da waren wir natürlich noch Spinncheibe.»

Schwierigkeiten beim Anbau

Denn so idyllisch wie es heute aussieht – wenn ein halbes Dutzend Hausfrauen vor der Kulisse des glitzernden Hallwilersees Beeren pflückt – ist der Heidelbeerenanbau nicht immer. Er gilt wegen des nötigen sauren Bodens sogar als sehr schwierig. Koch muss das Wasser jeweils entkalken und verteilt jedes Jahr etwa 150 Kubik Holzschnitzel auf dem Boden. Das reguliert den pH-Wert, den wichtigsten Qualitätsgaranten.

Im Gegensatz zu den anderen Beeren geniesst die Heidelbeere auch keinen Zollschutz. Als dieser nämlich ausgehandelt wurde, gab es in der Schweiz noch gar keinen Heidelbeeranbau.

Der grösste Feind ist derzeit aber ein ganz kleiner: Die Kirschessigfliege, gerade mal drei Millimeter gross und laut Peter Koch ein «fieses Viechli». Sie ist in der Lage, in eine gesunde Beere ein Ei zu legen, was zwölf Stunden später zu einem Wurm führt. Sie wieder loszuwerden, ist nicht so einfach, denn ein einziges Weibchen im Sommer hat Ende Jahr 1,5 Millionen Nachkommen. In Italien und Frankreich haben einige Bauern wegen der Kirschessigfliege sogar aufgehört, Beeren anzubauen. Peter Koch hat einige Fallen mit lockender Flüssigkeit aufgestellt, um die Ankunft der Fliege frühzeitig zu bemerken.

Gehört zu den beliebtesten Beeren

Trotz aller Hürden hat die Heidelbeere die Brombeere und Johannisbeere inzwischen überholt und ist heute auf der Beliebtheitsskala der Beeren bereits an dritter Stelle. An vorderster Front liegt zwar nach wie vor die «Königin» Erdbeere, dicht gefolgt von der Himbeere. Doch die Anbaufläche von Heidelbeeren in der Schweiz hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und mit dem kleinen Krönchen auf der dunkelblau schimmernden Frucht könnte die Heidelbeere durchaus als «Prinzessin» der Beeren durchgehen. Für Peter Koch ist sie das schon längst: «Es war die beste Entscheidung, die wir haben fällen können», sagt er zum Entscheid, Heidelbeeren anzubauen. «Ich könnte die doppelte Fläche anbauen und hätte immer noch zu wenig für die Händler.» Es ist ein verrücktes Geschäft mit den Beeren: Während der Saison führt Peter Koch als Präsident der Luzerner Beerenproduzenten drei Mal pro Woche eine Telefonkonferenz mit Händler- und Produzentenvertretern, um über die verfügbaren Mengen zu diskutieren.

Gut für Blut und Magen

Die Heidelbeere gehört mit ihren vielen Vitaminen zu den gesündesten Beeren überhaupt: Sie soll unter anderem blutreinigend und gut für den Magen sein. Gesund ist sie nicht zuletzt auch für die Hausfrauen, die sich dem Beerenpflücken verschrieben haben: «Wir hören die Vögel zwitschern und sehen den Sonnenaufgang, wenn andere noch schlafen», sagt Ludwika Amrein (61) aus Meisterschwanden, die seit bald 20 Jahren für die Familie Koch tätig ist. Die Hausfrauen arbeiten zur Erntezeit von morgens um 6 Uhr bis mittags, und das von Sonntag bis Freitag. Was heute abgenommen wird, ist morgen im Laden zum Verkauf. Pro Tag ernten die Frauen bis zu 200 Kilogramm. Trotzdem findet die 51-jährige Monika Joye: «Die Ernte ist die schönste Zeit im Jahr.» Hier könne sie komplett loslassen. «Und ich habe erst noch alles gratis: Solarium, Fitness und Natur», so die Menzikerin. Dass die Ernte die schönste Zeit im Jahr ist, findet auch Peter Koch. Der Grund geht für ihn allerdings noch weiter: «Sie ist der Lohn für die Arbeit im ganzen Jahr. Wenn die Beeren schön sind, weiss ich, ich habs richtig gemacht.»

Um das zu kontrollieren, läuft Koch zwischen den Stöcken hindurch, probiert die jungen Sauren der 17-jährigen, mannshohen Spätsorte, die reifen Süssen der kleineren Frühsorte, die Milden, die Fruchtigen. Jede Sorte ist etwas anders, sagt er. «Seine» Sorten erkennt er im Schlaf. Während er auf dem Feld hilft, kümmert sich seine Frau Heidy hauptsächlich um das Wägen und Einpacken. Wenn die täglichen Pflichten erledigt sind, arbeiten sie gerne noch etwas Hand in Hand. Sie erzählt: «Abends gehen wir oft noch mal in die Kulturen, um gemeinsam herunterzufahren.» Dann sprechen sie über den Tag, das Geschäft, Familiäres – oder Träume.

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