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Als ich zwanzig war

Fernsehlegende Bernard Thurnheer blickt auf seine Jugend die Gegebenheiten damals zurück.
Bernard Thurnheer
Bernard Thurnheer, Fernsehlegende. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Bernard Thurnheer, Fernsehlegende. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Als ich zwanzig war, war es so kalt, dass der Bodensee gefroren war.

Als ich zwanzig war, beschloss ich, Jura zu studieren, weil ich gegen jedes andere Studium meine Vorbehalte hatte.

Als ich zwanzig war, durfte ich zum ersten Mal abstimmen. ­ Ich meldete mich auch sogleich als Stimmenzähler und musste bei den Nationalratswahlen die panaschierten und kumulierten Stimmen mit Strichlein auf grosse Namensbögen übertragen. Ich fragte mich, ob es hierbei nicht zu unabsichtlichen, aber zahlreichen Fehlern kommen könnte. Stimmen durften, als ich zwanzig war, nur die Männer.

Als ich zwanzig war, gab es an der Universität so viele Studenten, dass einige Jus-Vorlesungen in die Aula verlegt werden mussten, wo die Professoren mit der Mikrofonanlage meistens grosse Probleme bekundeten. Zuvorderst in der Mitte sass der Klassenprimus, der oft aufstreckte und den Professoren auch widersprach, was sehr aussergewöhnlich war. Er wurde später ein landesweit bekannter Anwalt von Rockern, Huren und anderen Prominenten.

Als ich zwanzig war, wurde am Radio einmal in der Woche eine Stunde Popmusik gesendet, montags zwischen 18 und 19 Uhr.

Als ich zwanzig war, unterschied man die Familien in solche mit und in solche ohne Fernsehapparat.

Als ich zwanzig war, waren die Autobahnen in der Schweiz alle erst in Planung.

Als ich zwanzig war, fuhr ich jeden Tag mit meinem Mini-Morris von Winterthur an die Universität nach Zürich, wo ich in der Umgebung immer einen freien Parkplatz fand.

Als ich zwanzig war, waren meine Eltern 20 Jahre jünger als ich es jetzt bin.

Als ich zwanzig war, kaufte ich fleissig Schallplatten und zwar Singles mit einer A- und einer B-Seite.

Als ich zwanzig war, wäre ich gerne des öfteren nach London gereist. Das war aber unmöglich, denn ein Flugticket kostete ein halbes Vermögen.

Als ich zwanzig war, sass ich bei den Spielen des FC Winterthur immer hinter dem Tor der gegnerischen Mannschaft, aber noch vor der Zuschauerbarriere. Werbebanden waren erst sehr spärlich vorhanden. In der Pause wechselte ich hinter das andere Tor.

Als ich zwanzig war, erschütterten die Jugendunruhen Zürich. Dies kümmerte mich nicht gross, wie so manche meiner Studienkollegen auch nicht. Manche von ihnen haben sich allerdings später zu Revoluzzern emporstilisiert.

Als ich zwanzig war, war es sehr umständlich, ein Visum für eine Reise in ein osteuropäisches Land zu erhalten. In die USA einreisen konnte man dagegen einfach so. Die USA waren der Inbegriff von Freiheit.

Als ich zwanzig war, hatte ich noch keine Freundin, das war damals ganz normal. Wie wohl eine Geschichte unter dem Titel «Als ich zwanzig war» in zwanzig Jahren, von Vierzigjährigen geschrieben, aussehen wird?

Als ich zwanzig war, wusste ich noch nicht, dass ich mich dereinst von einer Geschichte mit dem Titel «Als ich zwanzig war» von Franz Hohler würde inspirieren lassen.

Als ich zwanzig war, wusste ich noch nichts von Urheberrechten. Das waren noch Zeiten!

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