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ALTER: Einsamkeit durchbrechen – Hilfe bieten

In 30 Jahren gibt es in der Schweiz 80 Prozent mehr über 65-Jährige als heute. Luzern reagiert und startet im Herbst einen Pilotversuch für alternatives Wohnen im Alter.
Wohnformen im Alter - Privatwohnung: Laut der Age-Stiftung leben 80 Prozent der über 80-Jährigen in einer Privatwohnung. (Bild: Keystone / Martin Ruetschi (Archiv))

Wohnformen im Alter - Privatwohnung: Laut der Age-Stiftung leben 80 Prozent der über 80-Jährigen in einer Privatwohnung. (Bild: Keystone / Martin Ruetschi (Archiv))

Christian Hodel

Unsere Gesellschaft altert in immer kürzerer Zeit: Schon in 30 Jahren werden in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik 2,7 Millionen über 65-Jährige wohnen 80 Prozent mehr als 2014, als es noch 1,5 Millionen waren. In keiner Altersgruppe wird die Zunahme so markant geschätzt wie bei Personen über dem Pensionsalter.

Bei der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL) stellt man sich seit geraumer Zeit Fragen, was dieser Alterungsprozess für die Gesellschaft und das Wohnen im Alter bedeutet. Denn: Laut Angaben der Age-Stiftung Wohnen und Älterwerden leben rund 80 Prozent der über 80-Jährigen in privaten Wohnungen. Nur gerade 18 Prozent nutzen Institutionen wie Alters- oder Pflegeheime. Auch darum sind Alternativen fürs Wohnen im Alter gefragt.

Nachbarschaftshilfe ist zentral

Noch diesen Herbst startet deshalb in der Stadt Luzern das Pilotprojekt der ABL namens «Vicino Luzern». Details sind noch nicht bekannt, das Ziel jedoch ist klar: Ältere Menschen sollen in ihrem Wohnumfeld möglichst selbstständig leben können. Wohnen mit Dienstleistungen, nennt es René Fuhrimann von der ABL, der zusammen mit Tamara Renner, Geschäftsleiterin der Spitex Stadt Luzern, das Projekt im Neustadtquartier bzw. an der Voltastrasse leitet. Beim Projekt stehe die Nachbarschaftshilfe im Zentrum, und alle wichtigen Player in der Altersversorgung seien mit an Bord. Die Spitex der Stadt Luzern als Projektpartnerin der ABL wird etwa einen Stützpunkt mit rund 20 Mitarbeitern im Quartier aufbauen.

Infos von einer gebündelten Stelle

Herzstück von «Vicino Luzern» wird eine Kontaktstelle für das Quartier sein, wo Fuhrimann alle Anfragen der Bewohner koordiniert. «Es ist ein Treffpunkt, wo sich die Bewohner austauschen, vernetzen und Informationen holen können.» Jeder Mieter könne individuell Dienstleistungen beziehen, wie diese jedoch abgegolten werden, ist noch unklar. Die Leistungen werden von Fuhrimann, den Nachbarn oder Externen angeboten. Wer etwa einen Fahrdienst zum Arzt benötigt, meldet sich bei Fuhrimann. Und wer will, kann sich in regelmässigen Abständen den Briefkasten oder die Storen kontrollieren lassen, sodass auch erkannt wird, wenn dem Bewohner etwas zugestossen ist. Tamara Renner von der Spitex sagt dazu: «Die Vereinsamung und die Anonymität sind gerade in urbanen Gebieten bei älteren Menschen ein grosses Problem.»

Neue Siedlung für 170 Millionen

Der Pilotversuch soll bis 2017 dauern. Er wird bewusst in der Neustadt durchgeführt, wo die Siedlung Himmelrich 3 für 170 Millionen Franken erneuert wird. Generationengemischtes Wohnen soll hier möglich werden. Die 235 bestehenden Wohnungen und Gewerberäume der ABL werden abgerissen und in zwei Etappen bis 2021 mit 250 neuen Wohnungen ersetzt alle alters- und behindertengerecht konzipiert. «Wir müssen aber nicht nur altersgerechte Wohnungen schaffen, sondern auch Angebote, damit die Bewohnerinnen und Bewohner so lange wie möglich in den Wohnungen bleiben können», sagt Ruedi Meier, ehemaliger Stadtluzerner Sozialdirektor und Präsident der ABL. Dazu brauche es unter anderem eine funktionierende und professionelle Nachbarschaftshilfe. Bisher gebe es in der Schweiz zwar Angebote wie betreutes Wohnen, Alters- oder Pflegeheime, aber ein ganzes Quartier, in dem jeder Bewohner Dienstleistungen unter professioneller Hilfe individuell für sich zusammenstellen kann, gebe es noch nicht.

Projekt kostet 1 Million Franken

Das Projekt habe Pilotcharakter, sagt Martin Merki, Sozialdirektor der Stadt Luzern. «Solche Wohnformen haben Zukunft, weil ältere Menschen heute länger zu Hause bleiben wollen.» Mit dem Projekt, das rund 1 Million Franken kostet und das die Stadt über drei Jahre mit je 50 000 Franken pro Jahr mitfinanziert, werden laut Merki Erfahrungen gesammelt, die für die Weiterentwicklung in anderen Quartieren wichtig sind. «So werden beispielsweise im Wäsmeli-Träff oder im Neuhushof in Littau ähnliche Vorhaben entwickelt.»

Am Projekt beteiligen sich unter anderem auch die Albert Koechlin Stiftung, die Age-Stiftung und die Pro Senectute. Judith Bucher, Medienverantwortliche von Pro Senectute Schweiz: «Das Projekt ‹Vicino Luzern› hat aus unserer Sicht einen spannenden Ansatz.» In den vergangenen Jahren sind laut Bucher unzählige Angebote im Bereich Wohnen mit Dienstleistungen geschaffen worden. So gebe es etwa Wohngemeinschaften, in denen ältere Menschen zusammenwohnen und je nach Bedürfnis externe Hilfe in Anspruch nehmen. Ein weiteres Beispiel: Im Tessin leben Sozialarbeiter im gleichen Gebäude wie Senioren und kümmern sich bei Bedarf um diese.

Die Alternativen zu einem Alters- oder Pflegeheim seien gewachsen, sagt auch Antonia Jann, Geschäftsführerin der Age-Stiftung. In Luzern werde nun mit «Vicino Luzern» versucht, den heutigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Denn: «Wir sind darauf angewiesen, dass wir künftig das private Wohnen altersgerecht gestalten können.» Und dies nicht nur, weil es ein Bedürfnis der Bevölkerung sei, die immer älter werde, sondern weil das institutionelle Wohnen in Alters- und Pflegeheimen die Gemeinden und die Städte immer mehr auch vor Kapazitätsprobleme stelle. In der Schweiz sei man daran, das Wohnen im privaten Umfeld altersgerecht weiterzuentwickeln. «Bis jetzt sind die Strukturen aber noch immer stark auf institutionelles Wohnen ausgerichtet.» So auch die Leistungen für Senioren, für welche die Behörden finanziell aufkommen.

Wohnformen im Alter - Alters-WG: Der Trend führt zu neuen Wohnformen für Senioren hin – etwa Wohngemeinschaften. (Bild: Getty (Archiv))

Wohnformen im Alter - Alters-WG: Der Trend führt zu neuen Wohnformen für Senioren hin – etwa Wohngemeinschaften. (Bild: Getty (Archiv))

Wohnformen im Alter - Betreutes Wohnen: Menschen, die nicht stark pflegebedürftig sind, ziehen betreutes Wohnen dem Altersheim vor. (Bild: Keystone (Archiv))

Wohnformen im Alter - Betreutes Wohnen: Menschen, die nicht stark pflegebedürftig sind, ziehen betreutes Wohnen dem Altersheim vor. (Bild: Keystone (Archiv))

Wohnformen im Alter - Altersheim: Pensionäre entscheiden sich oft erst im sehr hohen Alter für den Umzug in ein Altersheim. (Bild: Keystone)

Wohnformen im Alter - Altersheim: Pensionäre entscheiden sich oft erst im sehr hohen Alter für den Umzug in ein Altersheim. (Bild: Keystone)

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