ANDRÉ REITHEBUCH: «So blöd kann ich ja nicht sein...»

Am kommenden Samstag gibt Mister Schweiz André Reithebuch sein Amt ab. Im Interview zieht der 23-jährige Glarner Bilanz und spricht offen über Erfolg, Kritik, Geld und Zukunft.

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André Reithebuch (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

André Reithebuch (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Welches ist der höchste Berg der Schweiz?
André Reithebuch: Die Dufourspitze. Aber der schönste Berg liegt im Glarnerland, es ist der Tödi.

Test bestanden. Wie fühlen Sie sich eine Woche vor dem Ablauf Ihrer Amtsperiode?
André Reithebuch: Ich fühle mich, wie im übrigen das ganze Jahr, sehr gut. Ich bin auch nicht müde, obwohl ich während des ganzen Amtsjahres keine Ferien hatte, nur einzelne Freitage.

Also auch nicht amtsmüde?
Reithebuch:
Für mich stimmt es so, wie es ist. Ein Jahr ist gerade richtig und ich gönne es meinem Nachfolger, dass er das Amt nun frisch und hoffentlich fröhlich übernehmen kann.

Welches waren Ihre zwei grössten Freuden im Amtsjahr?
Reithebuch: Die Wahl selber war wohl mein eindrücklichstes Erlebnis. Und dann eine Woche später der unvergessliche Empfang mit mehreren Tausend Gästen in meiner Heimatgemeinde Linthal.

Und welches die zwei grössten Enttäuschungen?
Reithebuch: Richtige Enttäuschungen habe ich keine erlebt, dieses Glück hatte ich. Etwas, was ich ab und zu nicht so gerne machte, waren Autogrammstunden, die sich allzu sehr in die länge zogen. Ein Freund von roten Teppichen bin ich auch nicht. Eine kleine, vereinzelte Dosis Glamour ist für mich okay, aber meine Welt ist das nicht.

Welches ist denn Ihre Welt?
Reithebuch: Es ist die Natur, vor allem sind es die Berge. Es ist eine bodenständige Welt, das Handwerk, mein angestammter Beruf als Zimmermann, mein Umfeld, meine Familie und meine Freunde. Das ist das Umfeld, in dem ich mich richtig wohl fühle.

Gibt es ein Ziel, das Sie nicht erreicht haben?
Reithebuch:
Eigentlich wollte ich die Bergwelt, konkret das Bergsteigen und die Skitouren noch besser den Menschen näher bringen und selber mehr verkörpern. Aus Zeitgründen ist mir dies leider etwas zu wenig gelungen, vielleicht hat es aber auch die Medien weniger interessiert.

Sie wurden, auf sehr persönliche Weise, auch kritisiert. Weil Sie sich dazu bekannten, nicht gerade der Hirsch im Schreiben und Lesen sind – und weil Sie nicht wussten, wann der 2. Weltkrieg stattfand. Wie gehen Sie damit um?
Reithebuch:
Am Anfang und für ganz kurze Zeit tat das schon etwas weh, in ein moralisches Tief bin ich aber deswegen nie und nimmer gefallen. Mittlerweile aber kann ich über all das aber wirklich nur noch lachen. Ich habe damit abgeschlossen. Diese Schwächen waren vor meinem Amtsjahr da, vorher hat das auch niemanden interessiert. Ich kenne meine Schwächen, genauso aber meine Stärken. Und ich weiss, dass mein engstes Umfeld, meine Familie und Freunde, hinter mir stehen. Das ist mir schlussendlich das Wichtigste.

Ihre Klientel haben Ihre Schwächen offenbar nicht gestört. Mit einem Jahresumsatz von rund 500 000 Franken sind sie der erfolgreichste Mister Schweiz aller Zeiten. Wie erklären Sie sich das?
Reithebuch: Alle Leute mit gesundem Menschenverstand haben eben bemerkt, dass ich so blöd ja nicht sein kann. Ganz offensichtlich habe ich richtigerweise voll und ganz auf das gesetzt. Genauso mache ich das auch in Zukunft. Kommt dazu, dass Renzo Blumenthal, der bodenständige Bündner Bauer, den von mir jetzt geschlagenen Umsatzrekord aufgestellt hat – und sinnigerweise nach ihm drei Studenten im Amt waren. Das heisst eben, dass das Authentische, das Bodenständige sehr gut ankommt in der Schweiz.

Und was machen Sie mit all dem Geld?
Reithebuch (schmunzelt): Nun, in bar bleiben mir nach Abzug aller Steuern, Abgaben an die Organisation und Naturalwerte wie etwa Auto und Motorrad vielleicht rund 150'000 Franken. Dieses Geld lege ich für meinen Traum, ein eigenes Haus in Linthal, zur Seite.

Hand aufs Herz: Würden Sie alle unsere sieben Bundesräte auf einem Bild erkennen?
Reithebuch (lacht):
Vor allem die beiden Frauen. Im Ernst: Ja, das würde ich. Zumal ich Eveline Widmer-Schlumpf, Moritz Leuenberger und Ueli Maurer persönlich kennenlernen durfte.

Weil zwei Kandidaten der diesjährigen Wahl bei einem Bildtest im Fernsehen Bundesrat Didier Burkhalter nicht erkannten, wurde der Ruf nach einem «Idiotentest» für Amtsbewerber laut. Wie stehen Sie dazu?
Reithebuch:
Das generell zu fordern, finde ich schwachsinnig. Es geht ja darum, einen gesellschaftlichen Querschnitt der Schweizer Männer zum Zuge lassen zu kommen. Alle sollen die Möglichkeit erhalten, das Amt auszuüben. Was ich begrüssen würde, ist etwa ein eintägiger Schnellkurs in Allgemeinbildung während der Kandidaten-Vorbereitungszeit. Davon würden alle profitieren.

Während Ihres Amtsjahres ging eine Beziehung in die Brüche. Warum?
Reithebuch: Ja, diese Beziehung ging in der Tat nach drei Monaten zu Ende. Obwohl ich in diesen Zeit, sagen wir mal Probezeit der Beziehung, im Amt war, hat das mit dem gar nichts zu tun. Wir merkten einfach, dass es nicht stimmte, was bei tausend anderen jungen Paaren ja auch immer wieder vorkommt und somit nichts Aussergewöhnliches ist.

Bahnt sich eine neue Beziehung an?
Reithebuch: Nein, ich bin ganz offiziell glücklicher Single. Ich bin nicht auf der Suche, gleichzeitig aber nicht abgeneigt gegen eine neue Beziehung. Wer weiss, in fünf Jahren vielleicht, wenn ich mein eigenes Heim habe, wäre es ein schönes Ziel, mit der Familienplanung zu beginnen. Zwei Kinder zu haben, das wäre sehr schön.

Wie muss denn Ihre Traumfrau beschaffen sein?
Reithebuch: Die genauen Vorstellungen, die ich habe, behalte ich jetzt mal für mich. Es muss einfach von Anfang an stimmen. Sicher sollte sie sportlich, humorvoll und wie ich auch etwas bodenständig sein.

Würden Sie nochmals zur Wahl antreten? Und: Was würden Sie rückblickend gesehen anders machen?
Reithebuch: Ja, aber es sollte wieder mit dem gleichen Unwissen, das ich hatte, beginnen. Ich müsste wieder mit null Vorwissen ins kalte Wasser geworfen werden. Anders würde ich gar nichts machen, denn zu all dem, was ich gemacht habe, stehe ich voll und ganz.

Welche Pläne haben Sie nun?
Reithebuch: Sicher bis Ende Jahr habe ich sehr viele weitere Verpflichtungen als Ex-Mister. Dann werde ich meine Tätigkeit als Zimmermann wieder aufnehmen. In meinem Betreib Friedli-Holz in Linthal. Daneben baue ich mein eigenes Design auf. Das sind meine Glarner Alpenbetten, alles eigenhändig hergestellte Holzbetten. Erlaubt es die Zeit, möchte ich irgendwann auch noch meine Prüfungen als Zimmermann-Vorarbeiten ablegen.

Wie steht es mit Modeln oder Moderationen, singen oder schauspielern?
Reithebuch (lacht): Nein, das ist alles nicht mein Ding. Ich bin Zimmermann.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis in der Zentralschweiz?
Reithebuch:
Es war jedes Mal sehr schön im Herzen der Schweiz. Die Gegend ist einfach fantastisch! Und vor allem sind mir stets die vielen offenen, überaus freundlichen und humorvollen Menschen hier aufgefallen.

Welche drei Ratschläge geben Sie Ihrem Nachfolger?
Reithebuch:
Es möge ganz sich selber bleiben, es nehmen wie es kommt. Und er soll sich doch einen guten Wecker sowie eine schnelle Zahnbürste zulegen.

André Häfliger