ANDRÉ REITHEBUCH: «Zu einem Viertel bin ich ein Urner»

André Reithebuch ist neuer Mister Schweiz. Wie denkt der 22-jährige Glarner Zimmermann? Was will er unserem Land geben und wie sieht seine Zukunft jetzt aus?

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Der neue Mister Schweiz André Reithebuch am Sonntagmorgen beim Frühstück auf dem Badefloss des Grand Hotel Eden in Lugano. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Der neue Mister Schweiz André Reithebuch am Sonntagmorgen beim Frühstück auf dem Badefloss des Grand Hotel Eden in Lugano. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Wie lange haben Sie in der Nacht Ihres Triumphes geschlafen?

André Reithebuch: Nur knapp zwei Stunden. Gegen vier Uhr morgens bin ich in einer sehr schönen Suite hier im Grand Hotel Eden endlich ins Bett gekommen, konnte aber nach der grossen Aufregung und den vielen Emotionen eine Stunde nicht einschlafen. Morgens um 7 Uhr war dann der erste Termin.

Haben Sie etwas geträumt?

Reithebuch: Nein, das nicht, obwohl ich eigentlich ab und zu noch träume. Während der ganzen, langen Vorbereitungswochen habe ich aber auch nie geträumt – das erachte ich jetzt im Nachhinein als ein gutes Zeichen. Ich brauche 7 bis 8 Stunden tiefen Schlaf.

Was ist das Erste, das Sie als neuer Mister Schweiz in unserem Land bewirken wollen?

Reithebuch: Als bodenständiger Mensch möchte ich neben viel Freude vor allem Werte wie Beständigkeit, Sicherheit und Ruhe in vor allem wirtschaftlich nicht einfachen Zeiten verbreiten. Souverän und zuversichtlich dort wirken, wo man stark ist – das ist meine Botschaft.

Und wie lautet nun Ihre Gesamtbotschaft als Amtsinhaber?

Reithenbuch: Ich will vor allem meine grosse Dankbarkeit zeigen. Vor allem all den Menschen, die hinter mir stehen und mir diesen Sieg, auf den ich wirklich sehr stolz bin, ermöglicht haben. Freude und Anerkennung soll man doch auch zeigen und ausstrahlen. In diesem Sinn bin ich auch immer erzogen worden. Ein Dank, ein Lächeln, ein nettes Wort, das bereichert doch den Alltag.

Reithebuch – woher stammt dieser Familienname eigentlich?

Reithebuch: Aus Deutschland, mein Ur-Ur-Grossvater ist aus unserem nördlichen Nachbarland in die Schweiz eingewandert.

Vor der Wahl wiesen Sie sich stets als Single aus. Dem ist aber nicht so?

Reithebuch: Da wir erst seit knapp drei Wochen ein Paar sind und vor und nach der Wahl plötzlich alles wie über uns brach, wussten wir gar nicht, wie wir uns verhalten wollen. Und auch jetzt wissen wir erst, dass wir unsere junge Liebe alles andere als in der Öffentlichkeit austragen wollen. Ich kann einfach sagen, dass meine Freundin Sarah heisst und zwei Jahre älter ist als ich. Mehr wollen wir, zumindest im Moment, aber noch nicht sagen.

Welche Reaktion Ihrer Familie hat sie am meisten Bewegt nach der Wahl?

Reithebuch: Die Freudentränen meiner Mutter Silvia. Als ich das rund eine halbe Stunde nach der Wahl sah, realisierte ich erst, dass etwas anders geworden ist, dass ich Mister Schweiz bin. Da schlug mein Herz noch fester, es war eine zusätzliche Emotion.

Wie sieht das jetzt mit Ihrem erlernten Beruf als Zimmermann aus?

Reithebuch: Nun, mein grosszügiger Arbeitgeber, für den ich jetzt vier Jahre tätig bin, hat auch während der Vorbereitung viel, viel Verständnis gezeigt – und war übrigens an der Wahl auch dabei. Wir haben uns vorgängig abgesprochen, sodass es für ihn nicht ganz überraschend kommt, dass ich jetzt ein Jahr ausfallen werde.

Werden Sie in Ihren Beruf zurückkehren – oder streben Sie eine Karriere im Show-Biz an?

Reithebuch: Das wird sich erst noch zeigen. Da ich meine neue Welt noch zu wenig kenne, weiss es noch nicht. Ziemlich sicher aber werde ich nach dem Amtsjahr die Weiterbildungs-Prüfungen als Vorarbeiter nachholen.

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Reithebuch: Natürlich! Aber leider bisher nur von ihren Namen und ihren tollen Leistungen als unvergessliche Skirennfahrerin und Fussballer her.

Welche drei Prominenten möchten Sie in Ihrem Amtsjahr unbedingt einmal treffen?

Reithebuch: Das lasse ich voll und ganz auf mich zukommen. Ich freue mich auf viele interessante Menschen, auch wenn sie nicht prominent sind. Aber auch etwa an Regierungsmitglieder – oder wer weiss, auf Roger Federer.

Welches ist Ihr Rezept gegen Stress?

Reithebuch: Mir hilft nur Sport. Wenn ich mich gestresst fühle, gehe ich im Wald ganz nah meiner Wohnung in Linthal rennen. Oder am Wochenende Bergsteigen und Motorradfahren – jetzt dann auf der Harley, einer meiner Hauptpreise.

Und welches sind Ihre drei Standards der Körperpflege?

Reithebuch: Sicher gehört dazu die Hautpflege mit ganz herkömmlichen Crèmes, vor allem im Gesicht. Dann achte ich aber auch immer auf sauber geschnittene Finger- und Fussnägel. Und einen Dreitagesbart werde ich jetzt bestimmt auch weniger tragen.

Was verbindet Sie mit der Zentralschweiz?

Reithebuch: Verwandtschaftlich bin ich zu einem Viertel Urner, denn der Vater meiner Mutter stammt aus diesem Kanton. Zudem habe ich eine Kollegin in Luzern, wo ich als Kind natürlich auch das Verkehrshaus der Schweiz besucht habe. Ich finde die ganze Region mit ihren vielen netten Menschen sehr schön und äusserst attraktiv.

Andre Häfliger, Lugano