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ANDREAS BURGENER, DIREKTOR AUTO SCHWEIZ: «Ich bin konsequent gegen Road-Pricing»

Am Genfer Autosalon* steht erneut die Ökologie im Blickfeld. Der Branchenvertreter erklärt, warum trotzdem immer mehr PS-starke Autos über Schweizer Strassen rollen.
Auto-Schweiz-Direktor Andreas Burgener (49) vertritt in Genf die Schweizer Autoimporteure. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Auto-Schweiz-Direktor Andreas Burgener (49) vertritt in Genf die Schweizer Autoimporteure. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Andreas Burgener, was für ein Auto haben Sie zuletzt gekauft?

Andreas Burgener**: Es ist ein dunkelblauer Kombi-Diesel-Mitteklassewagen der umweltfreundlichsten Effizienzkategorie A. Die Marke will ich nicht verraten.

Also spielten ökologische Kriterien wie Verbrauch oder CO2-Ausstoss für Sie eine Rolle?

Burgener: Selbstverständlich, genauso wie etwa das Platzangebot. Viele Kriterien spielen wohl bei jedem Autokauf eine Rolle. Das Automobil ist einerseits eine funktionale Transporteinheit, die andererseits aber auch Emotionen weckt. Wir von Auto Schweiz sind exponiert. Wir führen die Diskussion um die Motorisierung des Individualverkehrs und die ökologischen Aspekte und werben sogar für umweltfreundliche Autos.

Wie wichtig sind Ökokriterien bei Schweizer Autokäufern wirklich?

Burgener: Rund ein Drittel der neu in Verkehr gesetzten Fahrzeuge befinden sich in der Effizienzkategorie A, sind also hoch effiziente Fahrzeuge. Das heisst: Kunde und Hersteller sind sensibilisiert. Rund 1700 Modellvarianten in den beiden Kategorien A und B werden heute angeboten.

Trotzdem erfreuen sich PS-Kanonen und Grossfahrzeuge einer ungebrochen hohen Nachfrage.

Burgener: Tatsächlich werden in der Schweiz anteilsmässig mehr leistungsstarke Fahrzeuge verkauft als in den umliegenden Ländern. Das liegt an der Topografie, vor allem aber an der hierzulande vorhandenen Kaufkraft. Man muss aber bedenken: Bei den Premium-Modellen kommen die technischen Neuerungen immer zuerst zum Tragen. Im Moment sind dies vor allem weitere Effizienzsteigerungen.

Wie gross ist der Anteil umweltfreundlicher Fahrzeuge im gesamten Schweizer Autobestand?

Burgener: Die Anzahl der Autos mit Antrieben wie Hybrid, Gas oder Biotreibstoff hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Im Gesamtbestand macht das aber immer noch nur eine einstellige Prozentzahl aus. Das Problem: In der Schweiz sind 1,3 Millionen Fahrzeuge in Verkehr, die älter als zehn Jahre sind. Die Frage ist, ob man den Erneuerungsprozess beschleunigen will oder kann. Diese Frage indes muss die Politik beantworten. Tatsache ist auch, dass im September 2009 die neue, weiter verschärfte Euro-5-Abgasnorm kommen wird. Es wird also auch in Sachen Umwelt ständig etwas getan.

Warum aber lassen Giganten wie Mercedes oder BMW immer noch Toyota in Sachen Umwelt, etwa Hybridtechnik, den Vortritt? Können es die Europäer nicht besser als die Japaner? Oder wollen sie gar nicht?

Burgener: Das sehe ich differenzierter. Die Grenzwerte sind vorgeschrieben, und die Anstrengungen sind bei allen Herstellern massiv. Dabei verfolgen nicht alle den gleichen Weg zum Ziel. Die einen verbessern den Benzinmotor, die anderen ihren Diesel, andere wieder kombinieren die beiden Aggregate. Aber alle tun sie etwas. Das gehört heute einfach dazu.

Trotzdem kommt wieder Kritik auf - etwa an offenbar mangelhaften Diesel-Partikelfiltern. Was sagen Sie dazu?

Burgener: Der Partikelfilter ist in seiner Form nicht mangelhaft. Im Gegenteil, die Russpartikel werden im Abgasstrom eliminiert. Das trotzdem entstehende Stickstoffdioxid stellt ein bekanntes Problem dar. Im Nutzfahrzeugbereich wurde diese Herausforderung gelöst: Mit dem Einspritzen von Harnstoff kann dieses Oxid reduziert werden. Die Technik ist also bekannt und wird nun mit Hochdruck im Automobilbereich adaptiert.

Was sind die neusten Umwelttechnologien, und wann kommen sie auf die Strasse?

Burgener: Es gibt weitere Effizienzsteigerungen. Beim Benzinmotor wird dies etwa mit der Direkteinspritzung erreicht, die jetzt richtig funktioniert. Beim Dieselmotor werden zusätzlich Stickoxide vermindert, bei der Hybridtechnik die Speicherprobleme gelöst.

Was halten Sie von Eintrittsgebühren in grosse Städte wie zum Beispiel London oder Mailand bei uns?

Burgener: Ich bin konsequent dagegen. Wenn man die hohen Preise in unseren Stadt-Parkhäusern anschaut, kann man mit Fug und Recht sagen, dass es in der Schweiz bereits so ein Road-Pricing gibt, oder sagen wir mal eine Lenkungsabgabe ?

Was kostet 1 Liter Benzin in fünf Jahren?

Burgener: Zum Glück hat Bundesrat Leuenberger - wahrscheinlich zähneknirschend - eingesehen, dass der Klimarappen funktioniert, um die gesetzten Kioto-Ziele zu erreichen. Die CO2-Abgabe ist so vorläufig vom Tisch. Andererseits sind die Erdöl-Ressourcen begrenzt, und die Nachfrage ist gross. Der Preis wird also weiter steigen, wie hoch, kann ich nicht sagen.

Welche Wachstumsrate erwarten Sie für die Schweizer Autobranche 2008?

Burgener: Ein Plus von 1 Prozent wäre schön. Auch wenn die Verkäufe im Januar zulegten - das Vorjahreswachstum von 5,7 Prozent werden wir 2008 auf keinen Fall erreichen.

Hinweis: *Der 78. Genfer Autosalon dauert vom 6. bis 16. März und ist an Wochentagen von 10 bis 20 Uhr, am Wochenende von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Infos: www.salon-auto.ch

** Andreas Burgener (49) ist Direktor von Auto Schweiz, dem Verband der Automobilimporteure.

Interview von André Häfliger

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