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APOKALYPSE: Ausstellung Naturhistorisches Museum Bern: Unser täglicher Weltuntergang

Jahresende: Zeit, Bilanz zu ziehen, Zeit, vorauszuschauen. Was kommt? Irgendwann der Weltuntergang? An ihm haben die Menschen jedenfalls einen besonderen Narren gefressen.
Rolf App
Wenn alles zerstört ist, wird grosse Leere herrschen. Der Weltuntergang ist wiederkehrender Albtraum der Menschheit. (Bild: Ryan J. Lane/Getty)

Wenn alles zerstört ist, wird grosse Leere herrschen. Der Weltuntergang ist wiederkehrender Albtraum der Menschheit. (Bild: Ryan J. Lane/Getty)

Rolf App

Man durchquert das Naturhistorische Museum Bern und steigt hinten eine lange Bautreppe hoch. Über Bildschirme flackern Videos aus dem Internet, sie stimmen ein in das, was den Besucher oben empfängt oder vielmehr überfällt: den Weltuntergang. In zwei Milliarden Jahren wird es so weit sein, weil dann die Sonne zu heiss geworden sein wird. Was von unserer Art dann noch übrig ist, wird dann verbrutzeln. Es sei denn, es habe in der Zwischenzeit einer jener Weltuntergänge stattgefunden, die auch in unserem aufgeklärten Zeitalter unablässig prophezeit werden. «Weltuntergang – Ende ohne Ende» ist die Ausstellung denn auch überschrieben, und sie findet reichen Stoff. Kunstinstallationen, Endzeittexte und Ausschnitte aus knapp vierzig Untergangsfilmen zeugen von der Imaginationskraft des Menschen – und manches auch von ihrem makaber-fröhlichen Humor. In den USA werden schon Bunker an Endzeitflüchtlinge verkauft, und Filmdiva und Nazi-Liebling Zarah Leander singt vor einem Saal voller schunkelnder Nazi-Offiziere: «Davon geht die Welt nicht unter», während draussen mit Hilfe ihrer Kollegen eine Welt untergeht. Ja, der Mensch ist auch ein grosser Verdrängungskünstler.

Jede Generation träumt diesen Traum

Oder er nimmt es gelassen. «Um Katastrophen braucht man sich eigentlich nicht zu sorgen, die kommen schon», meinte der Schriftsteller Thomas Bernhard, als Österreicher auch Experte für Untergang. Weshalb er klarsichtig beifügte: «Aber vielleicht muss man sie heraufbeschwören, zeitweise, weil von selbst dauert’s zu lang.» Sein Kollege Umberto Eco nannte das einen «wiederkehrenden Traum». Er wusste, dass gegen diesen Traum kein Kraut gewachsen ist. Denn: «Wie sollen wir diejenigen, die das Ende der Welt kommen sehen, davon überzeugen, dass andere, in der Vergangenheit, es auch schon so gesehen haben, und das in jeder Generation?»

Die neue Generation träumt den Traum vom Weltuntergang im Internet. Dort macht etwa ein Magazin für spirituelle Lebensberatung darauf aufmerksam, dass die Prophezeiungen des Nostradamus (siehe unten) gerade für 2018 von «ungeheurer Brisanz» seien – obwohl es zugleich dessen nachts in der Meditation empfangene Prognose-Vierzeiler als «rätselhaft» bezeichnet. Und ein anderes Magazin gibt sogar eine praktische tabellarische Übersicht über die wichtigsten Weltuntergangsprognosen der vergangenen und der kommenden Jahre. Schon am 23. September 2017 hätte ein bisher unentdeckter Planet namens Nibiru die Erde in den Untergang reissen sollen, für 2020 kündigt eine gewisse Jeane Dixon, für 2021 F. Kenton Beshore die zweite Wiederkunft Jesu an – die aber nach zwei anderen Quellen schon 2015 hätte stattfinden sollen. Für 2026 erwartet die Messiah Foundation die Kollision der Erde mit einem Kometen, für 2076 ein David Cook von der Rice University den Kampf im Vorfeld des Jüngsten Gerichts. Dieses Armageddon findet im heutigen Syrien statt.

Stephen Hawking will einen neuen Planeten suchen

Schon diese wenigen Hinweise zeigen: Die Bibel ist und bleibt die Quelle für Weltuntergangsfantasien. In ihr kommen Erfahrungen und Hoffnungen zusammen. Denn es sind, zum einen, Katastrophenerfahrungen, denen der Weltuntergang seine Vitalität verdankt. Also zum Beispiel die Geschichte einer grossen Flut, die sich in den Mythen vieler Völker findet. Oder Meteoriten, die wohl das eine oder andere der insgesamt fünf Massenaussterben der Erdgeschichte ausgelöst haben.

Doch die Bibel birgt auch Hoffnung. Es gibt Auserwählte, denen der Untergang erspart bleibt, weil sie gut waren in einer bösen Welt. Von Rettung in letzter Minute träumen auch viele Filme. Das heisst: So ganz endgültig kann sich der Mensch den Weltuntergang denn doch nicht vorstellen. Nicht einmal der Astrophysiker Stephen Hawking tut es, der den Planeten Erde durch Klimawandel, Pandemien, Asteroiden und Bevölkerungswachstum gleich vierfach bedroht sieht. Er rät uns nur, einen neuen Planeten zu suchen. Was zweifellos eine bequeme Lösung wäre.

Naturhistorisches Museum Bern: Weltuntergang – Ende ohne Ende

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