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APPENZELL AUSSERRHODEN: Ausserrhoder Baby-Quäler erhält fünf Jahre unbedingt

Zu fünf Jahren unbedingter Freiheitsstrafe hat das Ausserrhoder Kantonsgericht am Montag einen 31-jährigen Mann verurteilt. Er hatte in Urnäsch 2015 den einjährigen Sohn seiner Partnerin zwei Monate lang brutal gequält und misshandelt.
Ein Nuggi liegt auf dem Boden eines Spielzimmers. (Symbolbild: Keystone)

Ein Nuggi liegt auf dem Boden eines Spielzimmers. (Symbolbild: Keystone)

Margrith Widmer

Damit ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwältin hinaus. Sie hatte 52 Monate Freiheitsstrafe beantragt. Dagegen verzichtete das Gericht auf eine stationäre Massnahme. Es bestehe wenig Aussicht auf einen Therapie-Erfolg, da die Motivation des Täters, sich darauf einzulassen, fehle, sagte der Gerichtspräsident in der Urteilsbegründung. Auch auf eine Verwahrung wurde verzichtet; die Rückfallgefahr sei nicht allzu hoch; Verwahrung wäre nicht verhältnismässig. Der Mann habe als Kind Ähnliches erlebt.

Das Gericht erachtete das Verschulden der Täters als schwer; er habe das wehrlose Kind in unmittelbare Lebensgefahr gebracht. Dagegen sei der Mann nur leicht vermindert schuldfähig.

Angeklagt war der Mann wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Verabreichung gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder, mehrfacher Freiheitsberaubung und Nötigung, eventuell Drohung, mehrfacher Tätlichkeiten gegenüber seiner Partnerin, Tierquälerei und mehrfachem Besitz, Konsum und Abgabe von Betäubungsmitteln.

52 Monate beantragt

Der Mann befindet sich zur Zeit im vorzeitigen Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Solothurn. Er hatte mehrmals versucht, den damals 12 bis 14 Monate alten Buben lebensgefährlich zu verletzen beziehungsweise dessen Körper oder ein wichtiges Organ unbrauchbar oder bleibend gebrechlich zu machen, wie die Staatsanwältin ausführte. Sie beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 52 Monaten, eine stationäre Massnahme und – sofern von einem untherapierbaren Angeklagten auszugehen sei – alternativ zur stationären Massnahme eine Verwahrung. Die Staatsanwältin sprach von einer schweren psychischen Störung.

Der Mann hatte das Kleinkind unter anderem brutal geschüttelt und es geohrfeigt, sodass es aus Mund und Nase blutete und Hämatome erlitt; er schlug den Kleinen und verbrühte ihm in der Badewanne den Fuss mit heissem Wasser. Er fütterte ihm heisses Essen; das Kind erlitt Verbrennungen; er trat das Kind, biss es, zog es an den Ohren, fuhr ihn mit einem Modell-Benzinauto um und schlug es zu Boden, sodass es Quetschungen und Schürfungen erlitt. Zudem flösste er ihm Bier ein.

Partnerin eingesperrt

Seine Partnerin sperrte der Mann laut Anklage unter anderem stundenlang in der Küche ein, drohte, die Frau bei der KESB anzuschwärzen, drohte ihr, sie krankenhausreif zu schlagen und grenzte sie systematisch von ihrem sozialen Umfeld ab. Mehrmals ohrfeigte er sie so stark, dass sie zu Boden stürzte. Den Hund misshandelte und quälte er und schlug ihn gegen die Wand.

In der Befragung gestand der Mann einige der vorgeworfenen Taten; er bestritt indes die meisten Misshandlungen. Er habe immer aufgehört, sobald das Kind geblutet habe. An manche Taten konnte er sich nicht erinnern, wie er sagte; manches will er nicht mit Absicht getan haben. Der Mann ohne Schulabschluss sagte aus, er sei arbeitslos und von der Situation überfordert gewesen. Die Frau habe er nach einem Streit maximal zehn Minuten in der Küche eingesperrt. Die Drohungen bestritt er. Mehrmals beteuerte er, er bereue seine Handlungen: «Es hat einfach nicht funktioniert.» Gegen eine therapeutische Massnahme sträubte er sich.

«Kind hat das Vertrauen verloren»

Die Vertreterin des Opfers forderte einen Schuldspruch im Sinn der Anklage. Die Partnerin des Manns sei eine einfache junge Frau; sie sei nicht in der Lage gewesen, sich gegen ihn zu wehren. Der Bub lebe heute in einer Pflegefamilie; noch sei ungewiss, wie sich die Misshandlungen auswirken würden. Er sei ängstlich und habe das Vertrauen verloren.

Der Verteidiger forderte maximal 32 Monate Freiheitsstrafe; auf eine Massnahme sei zu verzichten. Eine Verwahrung liege ohnehin nicht drin, da die Taten im entsprechenden Strafenkatalog nicht aufgeführt seien. Die Zivilforderungen sollten auf den Zivilweg verwiesen werden. Er plädierte auf Freispruch von mehrfacher schwerer Körperverletzung. Es seien lediglich einfache Körperverletzung und Tätlichkeiten erfüllt. Es habe keine Lebensbedrohung bestanden.

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