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ARBEITSWELT: Grossraumbüros sind besser als ihr Ruf

Ein Gespenst geht um – das des schrecklichen Büros, das Angestellten mit seiner Grösse und Anonymität in die Knochen fährt und sie krank macht. Moderne Grossraumbüros können aber auch viel bieten – wenn man sie richtig baut.
Susanne Holz
Hinter Glas: Eine Think-Box verspricht die Möglichkeit zur Konzentration. Einen Blick aus dem Fenster darf man trotzdem werfen. (Bild: Dominik Wunderli (Rotkreuz, 1. Februar 2018))

Hinter Glas: Eine Think-Box verspricht die Möglichkeit zur Konzentration. Einen Blick aus dem Fenster darf man trotzdem werfen. (Bild: Dominik Wunderli (Rotkreuz, 1. Februar 2018))

Susanne Holz

Grossraumbüros. Vielen Arbeitnehmern jagt allein die Vorstellung schlecht durchlüfteter Büroweiten, in denen man sich nicht auf positive Weise in seiner Arbeit verlieren kann, weil sie voll gestellt sind mit viel zu vielen Pulten, einen massiven Schrecken ein. Links ein Nachbar, der laut telefoniert, rechts einer, der die Grippe hat, gegenüber einer, der mit Blättern raschelt. Wie soll man sich da konzentrieren? 20 Minuten brauche man nach einer Störung, um wieder zu einem Gedankengang zurückzufinden, so Adrian Kaufmann, Psychologe in Zug.

Schlechte Luft, wenig Platz – man fühlt sich wie ein Huhn in der Legebatterie. Muss man das hinnehmen? Das hatte sich wohl auch eine Sachbearbeiterin im Bundesamt für Informatik gefragt, die vor Gericht klagte, dass die Arbeit im Grossraumbüro sie krank mache. Eine Ärztin hatte der Bundesangestellten bescheinigt, dass sie zu den 20 Prozent der Bevölkerung gehöre, die eine hohe Sensibilität aufweisen – dies berichtete die «Sonntagszeitung» Ende Januar. Auch, dass das Bundesverwaltungs­gericht entschieden hat, dass der Arbeitgeber der Frau hätte ermöglichen müssen, die Hälfte der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Die Richter betonten zudem, Arbeitgeber hätten die betrieb­lichen Einrichtungen so zu gestalten, dass Gesundheitsgefährdungen und Überbeanspruchungen vermieden werden.

Grossraumbüros sind im Wandel begriffen

Wer aber denkt, das Grossraumbüro sei eine Erfindung unserer stets auf Effizienz und schlanke Kosten bedachten modernen Tage, der liegt falsch. Sibylla Amstutz, Architektin und Leiterin der Forschungsgruppe Innenarchitektur an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur, weiss: «Grossraumbüros gibt es schon sehr lange. Man denke an die Uffizien in Florenz, den um 1560 bis 1580 für die Unterbringung von Ministerien und Ämtern errichteten Gebäudekomplex. Oder an die Bank of England, die 1734 ein Grossraumbüro schuf. Oder an das 1906 von Frank Lloyd Wright fertiggestellte Larkin Building in New York, ein Bürogebäude über viele Etagen und mit offenen Galerieräumen.» Amstutz betont: «Grossraumbüros sind kein neues Phänomen. Aber das Bewusstsein für den Arbeitsort hat sich geschärft.» Und: «Grossraumbüros sind im Wandel. Man versucht beständig, sie zu verbessern.»

Die Expertin macht klar, dass es nötig ist, zuerst einmal die Tätigkeiten und die Prozesse in einem Unternehmen zu analysieren, bevor man sich an den Bau eines Grossraumbüros macht. «Es ist zu vermeiden, nur über Flächeneffizienz nachzudenken – gute Grossraumbüros brauchen nicht unbedingt weniger Fläche.» Wichtig seien Rückzugsorte nebst Standardarbeitsplätzen.

Auch die Akustik sei wichtig, um sich wohl zu fühlen. Sei ein Raum zu ruhig, falle jedes kleine Geräusch störend auf. Ein stetes Grundrauschen lenke weniger von der Arbeit ab, als einzelne Stimmen es täten. «Weshalb Regeln wie die, nicht zu laut zu sprechen, förderlich sind.» Amstutz verweist auf Deckenelemente, die den Schall absorbieren, und auf Trennwände. «Alles in allem gibt es heute einige gut umgesetzte Grossraumbüros. Bei der Planung geht es darum, Bereiche für verschiedene Tätigkeiten und Lautstärken zu schaffen.» Sibylla Amstutz erinnert an die positiven Seiten grossräumigen Arbeitens: «Der soziale Austausch ist grösser. Informelle Begegnungen sind schneller möglich.»

Einer, der das flexible Arbeiten in einer Bürolandschaft mit einem differenziellen Angebot verschiedener Zonen und Arbeitsmöglichkeiten gar nicht mehr missen möchte, ist Hartmut Schulze, Arbeits- und Organisationspsycho­loge an der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten (siehe Box). Als Psychologe weiss Schulze, wie wichtig es für den Arbeitnehmer ist, an seinem Arbeitsplatz den Kontakt zur Umwelt kontrollieren zu können. Dies bedinge aber keinen festen Einzelplatz. Hartmut Schulze erzählt von seinen Erfahrungen: «Wir haben an unserer Hochschule auch ein reines Flexible Office ohne eigene Arbeitsplätze. Man entwickelt Kompetenzen, um stets den richtigen Platz zu finden. Und anfangs wollten alle noch einen Caddy haben, um ihre persönlichen Sachen zügeln zu können, doch nach zwei Jahren war der Bedarf daran nur noch halb so gross. Inzwischen möchte nur noch ein Fünftel der Angestellten einen Caddy.» Was geblieben ist: «Jeder hat eine feste Regalfläche.» Und man habe aus den Anfängen gelernt, dass es ausreichend Möglichkeiten für vertrauliche Meetings geben müsse.

Von der Think-Box bis zur Kinderkrippe

Solche Möglichkeiten bietet die Roche Diagnostics International AG in Rotkreuz ZG ihren Angestellten zuhauf. Seit Jahren wird bei Roche in Rotkreuz gebaut, vom Büroturm über das Restaurant bis zu den Produktionsgebäuden. Der Standort beherbergt einen eigenen IT-Shop, ein Medical Center, eine chemische Reinigung, Kinderkrippe und Kindergarten. Und überall auf dem Campus gibt es WLAN, damit man auch draussen konferieren und arbeiten kann. Ein Esssaal lässt sich zur Town Hall umwandeln, in der man die Mitarbeitenden zu Informationszwecken versammeln kann.

Homeoffice, Teilzeit, flexible Ar-beitszeiten – kein Problem. Roche in Rotkreuz ist sicher ein Paradebeispiel für modernes flexibles Arbeiten. Im «Alternative Workspace» gibt es keine fixen Plätze mehr, dafür Ruhezonen mit verschiedensten Sitzmöbeln, Kommunikationstreppen, Think-Boxes. Die Luftbefeuchtung ist sichtbar. «Der Komfort muss stimmen, damit die Mitarbeitenden möglichst produktiv und innovativ sind», sagt Pascal Meyer, Head of Engineering & Projects. Ein Rundgang hier zeigt: Gutes Arbeiten hat seinen Preis.

Schöne neue Arbeitswelten: Bei Roche in Rotkreuz gibt es einen multifunktionalen Esssaal (oben), niedliche Smileys, die die Ruhezonen markieren (Mitte), und auch die Möglichkeit zur Arbeit unter Bäumen. (Bilder: Dominik Wunderli (Rotkreuz, 1. Februar 2018))

Schöne neue Arbeitswelten: Bei Roche in Rotkreuz gibt es einen multifunktionalen Esssaal (oben), niedliche Smileys, die die Ruhezonen markieren (Mitte), und auch die Möglichkeit zur Arbeit unter Bäumen. (Bilder: Dominik Wunderli (Rotkreuz, 1. Februar 2018))

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