AUCKLAND: Kim Dotcom droht die Auslieferung – und «lebenslänglich»

Der deutsch-neuseeländische Internet-Unternehmer Kim Dotcom darf laut einem gestrigen Gerichtsurteil den US-Behörden ausgeliefert werden. Ihm droht lebenslange Haft.

Urs Wälterlin, Canberra
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Der Internet-Unternehmer Kim Dotcom wird den US-Behörden ausgeliefert. (Bild: EPA/David Rowland)

Der Internet-Unternehmer Kim Dotcom wird den US-Behörden ausgeliefert. (Bild: EPA/David Rowland)

Urs Wälterlin, Canberra

Wie Kim Dotcoms Anwalt gestern mitteilte, werde der gebürtige Deutsche den Entscheid an die nächste Instanz weiterziehen. Dotcom wird von den Vereinigten Staaten vorgeworfen, er habe über die inzwischen stillgelegte Internet-Plattform den illegalen Tausch von urheberrechtlich geschütztem Material ermöglicht. Die amerikanischen Behörden meinen, Kim Dotcom sowie seine ehemaligen Mitarbeiter Mathias Ortmann, Bram van der Kolk und Finn Batato seien Mitglieder einer weltweiten kriminellen Organisation und hätten den Besitzern von Urheberrechten – etwa Filmstudios und Software-Entwicklern – Schäden von insgesamt mehr als 500 Millionen amerikanischen Dollar verursacht. Wird der 43-Jährige an die Vereinigten Staaten ausgeliefert, droht ihm laut Rechtsexperten lebenslange Haft. Das Urteil kommt mehr als fünf Jahre nachdem Sondereinheiten der neuseeländischen Polizei das luxuriöse Anwesen des früheren Hackers und Internet-Millionärs bei Auckland gestürmt und die Beschuldigten für kurze Zeit festgenommen hatten.

Das Gericht befand, es gebe genügend potenzielles Beweismaterial, um eine Auslieferung zu rechtfertigen. Eine Verhandlung am neuseeländischen Obergericht dürfte laut Berichten frühestens Ende dieses Jahres stattfinden, eher 2018.

Kein Rolls-Royce mehr zur Verfügung

Nach der Schliessung von Megaupload durch die Behörden und der Einfrierung eines grossen Teils des Vermögens Dotcoms musste der flamboyante Geschäftsmann in den vergangenen Jahren deutlich kürzertreten. Statt von Leibwächtern begleitet im Rolls-Royce (Nummernschild: «God») zum Einkaufen zu fahren, lebt er heute mit einer jungen Studentin in einem Apartment am Hafen von Auckland.

Kim Dotcom streitet ab, mit seiner Plattform nicht nur die Piraterie von geschütztem Material gefördert, sondern sich aktiv daran bereichert zu haben. «Totaler Käse, wir sind nur ein Testfall», so Dotcom 2013 in einem Exklusivinterview mit der deutschen Wirtschaftszeitung «Handelsblatt» zum ersten Jahrestag der Razzia seines Anwesens. Seine Plattform sei, wie jede andere auch, «natürlich auch für den illegalen Verkehr von Daten genutzt worden». Habe er davon erfahren, sei das Material «sofort entfernt worden», so wie es das Gesetz vorschreibe. Auf keinen Fall sei Megaupload selbst an illegalem Transfer beteiligt gewesen.

«Teilen des Wissens ist Macht»

«Das Internet hat der Menschheit einen unglaublichen Dienst erwiesen. Das Teilen des Wissens ist seine Macht», so Dotcom damals. Er wolle mit dem Internet zwar «Geld machen, viel Geld». Er zeigte sich aber genauso besorgt, dass es frei bleibe, «frei von der Kontrolle durch den Staat, jeden Staat, frei von den wirtschaftlichen Interessen von ein paar Milliardären».