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Auf dem Weg zum gläsernen Bürger

China Wer einmal die Folge «Abgestürzt» («Nosedive») der rabenschwarzen britischen Anthologieserie «Black Mirror» gesehen hat, dem dürfte angesichts der aktuellen Entwicklungen in China hin und wieder ein eisiger Schauer über den Rücken kriechen. Darin wird eine in nicht allzu ferner Zukunft lebende Gesellschaft beschrieben, in der jede soziale Interaktion Gegenstand von Bewertungen ist. Wer besonders freundlich zu seinen Arbeitskollegen oder dem Glacéverkäufer um die Ecke ist, wird entsprechend mit einer hohen Punktzahl belohnt. Der Durchschnitt daraus ergibt schliesslich einen Social Score, der über den sozialen Status jedes Einzelnen entscheidet. Und so ­laufen die Menschen unentwegt mit ­falschem Hollywood-Lächeln durch die WeltAABB22– in ständiger Angst, jemand könnte ihren Social Score mit einer schlechten Bewertung nach unten drücken. Die gegenseitige Abhängigkeit mündet schliesslich in einer totalen Diktatur der Political Correctness.

Was gespenstisch klingt, könnte in Fernost schon bald Realität werden. In China wird seit nunmehr drei Jahren in rund einem Dutzend Regionen ein Social ­Credit System getestet, eine Art Bürgerbewertung für so gut wie alle Belange des öffentlichen Lebens. Die Absicht dahinter ist ziemlich eindeutig: Das Regime in Peking übt sich schon mal als Schöpfer des gläsernen, erziehbaren Bürgers. So wie Facebook und Google bereits heute die Interessen ihrer Nutzer antizipieren, will die chinesische Führung künftig aus den Datenspuren ihrer Bürger deren Verhalten ableiten und entsprechend nach einem Punktesystem bewerten. Big Data trifft auf Big Brother. Wer zum Beispiel häufig online Biogemüse oder Babynahrung bestellt, soll Pluspunkte erhalten; wer Pornos oder Serien guckt, muss mit Ab­zügen rechnen. Bürgern mit einer hohen Punktzahl winken als Belohnung vergünstigte Kredite, eine bessere Krankenversicherung oder Rabatte für Flug­reisen. Sackt man hingegen unter einen bestimmten Wert ab, drohen Sanktionen, etwa verminderte Chancen bei der Vergabe von Studienplätzen bis hin zum Jobverlust.

System könnte bereits 2020 zur Pflicht werden

Noch befindet sich das Social Credit System in der Testphase. Doch bereits 2020 könnte es für jeden chinesischen Staatsbürger zur Pflicht werden, sich mit seiner Sozialausweisnummer dafür registrieren zu lassen. Über die Datengrundlage zur Bürgerüberwachung verfügt der chine­sische Staat längstAABB22– sie basiert zu einem grossen Teil auf den Surfgewohnheiten der Menschen im Internet, die Firmen wie Alibaba bereitwillig mit Behörden teilen. Und damit nicht genug. In Kombi­nation mit der aufkommenden Gesichtserkennungstechnik liesse sich künftig auch das Verhalten der Bürger in der ­Öffentlichkeit erfassen und in die Bewertung aufnehmen; die Gesichtsdaten zum Abgleich sind ebenfalls bereits in staatlichem BesitzAABB22– biometrischer Pässe sei Dank. Moderne Videokameras mit Gesichtserkennungstechnik sollen in China bald flächendeckend installiert werden, im Strassenverkehr, an Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen sowie in ­Einkaufszentren. Zur dystopischen Schreckensvision aus «Black Mirror» ist es dann noch ein Katzensprung. (gr)

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