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AUSTRALIEN: Auf dem Uluru hat es sich ausgeklettert

Der weltbekannte Uluru soll nicht mehr von Touristen bestiegen werden dürfen. Der Entscheid der Parkverwaltung ist nicht zuletzt auch ein symbolischer.
Urs Wälterlin, Canberra
Ab 2019 ist Schluss: Dann dürfen Touristen nicht mehr auf den Uluru in Zentralaustralien steigen. (Bild: Getty/Inga Rasmussen (25. Februar 2014))

Ab 2019 ist Schluss: Dann dürfen Touristen nicht mehr auf den Uluru in Zentralaustralien steigen. (Bild: Getty/Inga Rasmussen (25. Februar 2014))

Urs Wälterlin, Canberra

«Der Uluru ist kein Disneyland.» Das sagte Sammy Wilson, einer der traditionellen Besitzer des Monolithen in Zentralaustralien, am Dienstag. Danach beschloss die Verwaltung des Uluru-Kata-Tjuta-Nationalparks, das Besteigen des 348 Meter hohen Berges ab 2019 zu verbieten.

Seit Zehntausenden von Jahren leben die Anangu-Aborigines im Schatten des Uluru oder ­Ayers Rock, wie ihn die weissen Entdecker genannt hatten. Für die Ureinwohner ist der Berg heilig. Nur speziell initiierte Männer des Stammes dürfen hochklettern – und auch das nur zu ganz besonderen Gelegenheiten. Viele Formationen am Felsen sind strikt tabu. Höhlen etwa, in die Frauen zum Gebären gingen, Jungen zur Beschneidung. Die Orte dürfen auch von Touristen nicht fotografiert werden.

«Nach vielen Diskussionen haben wir entschieden, dass es Zeit ist», so Wilson. Seit den 80er-Jahren bitten die Ureinwohner Touristen, den Berg aus Respekt vor ihren Traditionen, aber auch aus Gründen der Sicherheit nicht zu beklettern. Grosse Schilder am Fuss des Uluru mahnen zum Verzicht. Lange hatten Besucher des australischen Inlandes für den Wunsch aber wenig Verständnis gezeigt: Bis in die 90er-Jahre kletterte die Mehrheit der Touristen hoch. Seither haben sich Bewusstsein und Respekt für die Wünsche der Ureinwohner aber durchgesetzt, in den meisten Fällen zumindest. «Europäer respektieren in der Regel, dass wir die Besteigung nicht wünschen», sagte ein indigener Parkranger. Die meisten Kletterer heute seien Asiaten. Oder weisse Australier, die es als «ihr Geburtsrecht sehen», auf den Berg zu steigen.

16 Prozent aller Touristen klettern hoch

Ausschlaggebend für den Entscheid dürfte gewesen sein, dass sich die im Aufsichtsrat stark ­vertretene Tourismusindustrie endlich einverstanden zeigte. Reiseveranstalter und Tourismusbehörden hatten über Jahre behauptet, Zentralaustralien würde an Attraktivität verlieren, wenn der Aufstieg nicht mehr möglich ist. Umfragen zeigen, dass heute nur noch 16,2 Prozent der Besucher den Berg erklettern – 1990 waren es noch 74 Prozent. Die meisten Touristen wandern heute um den Uluru, ein ­einfacher Spaziergang von zehn Kilometern Länge.

Der Entscheid hat grosse symbolische Bedeutung. Laut Sammy Wilson, dem Vorsitzenden des Aufsichtsgremiums, hätten sich die Ureinwohner «über Jahre gefühlt, wie wenn uns eine Pistole an den Kopf gehalten würde». So gross sei der Druck ge­wesen, den Aufstieg weiter zu erlauben. «Die Regierung muss ­genauso respektieren, was wir über unsere Kultur sagen, wie sie von uns erwartet, dass wir ihre Gesetze befolgen», sagte er.

In den letzten Jahren hatten Aufseher den Aufstieg immer häufiger mit dem Hinweis auf zu hohe Tagestemperaturen schliessen müssen. Im Sommer kann das Thermometer in Zentralaustralien über 48 Grad klettern. Seit den 50er-Jahren sind mindestens 36 Menschen während oder nach der Klettertour gestorben – vor allem als Folge von Unfällen sowie Herz- und Kreislaufproblemen.

Ureinwohner besitzen Uluru wieder seit 1985

Wie viele Regionen Australiens waren auch weite Teile des isolierten Inlands nach der Besie­delung des Kontinents 1788 von den weissen Neuankömmlingen übernommen worden und viele Urbewohner entweder zwangsvertrieben, umgesiedelt oder ermordet worden.

1985 ging das Gebiet, in dem der Uluru und das nahe gelegene Gebirge der ebenso berühmten Kata Tjuta stehen, offiziell an die Anangu zurück. Diese verpachteten den neu geschaffenen Park sofort an die Regierung, zur gemeinsamen Verwaltung. Seit dieser Zeit gab es Kritik, die Ureinwohner hätten im Aufsichtsrat zu wenig zu sagen.

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