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AUTOPILOT: Abhängig von der Maschine

Computer steuern weitgehend die Verkehrsflugzeuge. Das schafft mehr Sicherheit, hat aber auch seinen Preis: Erhellende Erkenntnisse mit Blick auf selbstfahrende Autos.
Adrian Lobe
Cockpit: Mensch und Maschine müssen zusammenwirken. (Bild: Getty)

Cockpit: Mensch und Maschine müssen zusammenwirken. (Bild: Getty)

Adrian Lobe

In hochautomatisierten Verkehrsflugzeugen, in denen der Computer die meiste Strecke steuert und die Geschwindigkeit kontrolliert, braucht es kaum noch manuelle Flugfähigkeiten. In einer Erhebung gaben Flug­kapitäne, die eine Boeing 777s flogen, zu Protokoll, diese auf einem durchschnittlichen Flug nur sieben Minuten zu steuern. Der Pilot startet und landet, den Rest übernimmt der Autopilot. Diese Arbeitsteilung ist durchaus sinnvoll. Die Maschine wird nicht müde, macht keine Fehler und unternimmt keine riskanten ­Manöver. Der Autopilot führt das aus, wozu er programmiert wurde. Das Versprechen der Technik ist Fliegen sicherer zu machen. Das Flugzeug gehört heute zu einem der sichersten Verkehrsmittel überhaupt. Trotzdem resultieren aus der Mensch-Maschine-Interaktion Gefahren für die Luftsicherheit.

Laut einer bereits 2011 veröffentlichten Studie der US-Flug­sicherheitsbehörde FAA ist die Besatzung mit der komplizierten Technik zuweilen überfordert. Die Behörde hat 46 Flugunfälle, 734 freiwillige Berichte von Piloten und anderen Beteiligten sowie die Daten von mehr als 9000 Flügen untersucht. Das Ergebnis: Bei mehr als 60 Prozent der Abstürze und 30 Prozent der grösseren Zwischenfälle hatten die Piloten offensichtlich Probleme, das Flugzeug manuell zu steuern. Ihnen unterliefen immer wieder Fehler, etwa indem sie nicht oder zu spät erkannten, dass der Autopilot sich abgeschaltet hatte. Auch würden die korrekten Massnahmen bei einem Strömungs­abriss oder die Kontrolle der Geschwindigkeit nicht eingehalten.

Automatik schwächt manuelle Fähigkeiten

Die Piloten sind derart abhängig vom Autopiloten, dass sie grundlegende Handlungsschritte vergessen oder unterlassen. «Wir verlernen das Fliegen», sagte Rory Kay, Flugkapitän und Co-Vorsitzender des FAA-Komitees für Pilotenausbildung, gegenüber dem «Telegraph». Die Abschlussuntersuchung der Flug­sicherheitsbehörde warnte schliesslich, dass Piloten «zu viel Verantwortung an automatische Systeme abgeben».

Verlernen Piloten durch die Automatisierung das Fliegen? Der britische Ingenieur und Luftfahrtexperte Matt Ebbatson wollte die Flugfähigkeiten auf die Probe stellen. In einem Experiment («The Loss of Manual Flying Skills in Pilots of Highly Automated Airliners») liess er 66 erfahrene Luftfahrtpiloten in einem Flugsimulator ein anspruchsvolles Manöver durchführen: die Landung einer Boeing 737 mit ­defektem Triebwerk bei schlechtem Wetter. Die Probanden hatten im Durchschnitt 5800 Flugstunden absolviert – ein Wert, der auf eine gewisse Erfahrung schliessen lässt. Die automatischen Systeme wurden ausgeschaltet, die Piloten mussten ­manuell fliegen. Ebbatson verglich die Messwerte – Luft- und Reifendruck, Kursabweichung, Kontrolle der Geschwindigkeit – mit früheren Flugdaten der Piloten. Bei seiner Analyse identifizierte er eine starke Korrelation zwischen der Leistung des Piloten im Simulator und der Zeit, die er ohne automatisierte Systeme im Realbetrieb verbrachte. Auf die Zahl der Flugstunden komme es gar nicht an. Je mehr sich Piloten auf Automatik verliessen, desto stärker nähmen ihre fliegerischen Fähigkeiten ab. «Der aussergewöhnliche Rückgriff auf moderne Automatik, die Komplexität von Navigationsverfahren und anderer Belastungen im Betrieb kann das Niveau kognitiver Anstrengung reduzieren.»

Ein Befund, den auch andere Forscher teilen. Die Luftfahrt­experten Andreas Haslbeck und Ludwig Drees, die einen Anforderungskatalog für einen Trainingssimulator zum manuellen Fliegen entwickelten, konstatieren in einem Aufsatz: «Manuelle Flugfertigkeiten werden in hochautomatisierten Verkehrsflugzeugen zu selten angewandt, was zu latenten Schwächen in deren Ausführung führt.»

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