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AWARD: Ein Leben zum Lesen und Forschen

Die Plattform Meet-my-life.net hat den ersten Schweizer Autobiografie-Award vergeben, um das kulturelle Erbe der Schweiz hochzuhalten. Der erste Preisträger ist ein St. Galler Arzt.
Valeria Heintges
Website www.meet-my-life.net (Bild: www.meet-my-life.net)

Website www.meet-my-life.net (Bild: www.meet-my-life.net)

Valeria Heintges

Peter Marko hat etwas zu erzählen. 1937 in Martin in der Slowakei geboren, überlebte er als Jude die Zeit der Besetzung und den Antisemitismus der Nachkriegszeit, floh 1967 in die Schweiz nach Zweisimmen, nach Romanshorn und am Ende seiner Berufszeit nach St. Gallen. Wer einmal angefangen hat, seine Biografie zu lesen, kann kaum wieder aufhören. So lebhaft ist sein Stil, so plastisch seine Sprache, so faszinierend sein Leben. Peter Marko erzählt nie mitleidheischend, nie jammernd, sondern immer distanziert, objektiv und menschenfreundlich, trotz allem.

Marko ist Preisträger des 1. Schweizer Autobiografie-Awards. Der wurde gestern vom Team der Plattform www.meet-my-life.net und dem Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (Isek) der Universität Zürich zum ersten Mal vergeben und beinhaltet auch, dass Markos Autobiografie «Die Suche und das Finden» in Buchform veröffentlicht wird.

Mut zur eigenen Lebensgeschichte

Bereits jetzt lässt sich der Text auf www.meet-my-life.net lesen. Die Plattform will Menschen zum Verfassen ihrer Lebensgeschichte ermutigen und stellt dafür ein leicht zu bedienendes Erfassungssystem zur Verfügung. Wer will, kann sich von rund 500 Fragen anleiten und inspirieren lassen, wer will, schreibt frei. Ideengeber und Mitgründer Erich Bohli ermunterte gestern auf einem Mediengespräch zum Verlassen des Fragen-Korsetts, gab aber gleichzeitig zu, dass die Fragen auch von einer «Schlitzohrigkeit» der Macher zeugten, denen sie das Auswerten der Texte erleichtern. Denn die Autobiografien sollen nicht nur erfasst und gesammelt werden, sondern auch «die Lebensgeschichten und Geschichten aus dem Leben der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stehen», wie es auf der Internetseite heisst. Schliesslich seien sie Teil des kulturellen Erbguts.

Die wissenschaftliche Forschung und Erhalt der Auto­biografien interessiert vor allem Alfred Messerli, Professor am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft und spezialisiert unter anderem auf Autobiografie-Forschung. In einem seiner Seminare sass auch Erich Bohli, der sich nach der Pensionierung den Wunsch vom Literaturwissenschaftsstudium erfüllte. Gemeinsam riefen die beiden Meet-my-life.net ins Leben, entwickelten die Idee und liessen die Webseite programmieren. Mittlerweile sind 158 Menschen dem Aufruf gefolgt, 80 der Texte sind lesbar, 37 gelten als «vollendet», werden aber immer wieder bearbeitet – weil das Leben eben weitergeht oder der Autor noch am Text feilt.

Weites Spektrum der Autobiografien

Wie weit das Spektrum der Autobiografien reicht, zeigt ein Blick auf die Kategorien, die von ­Abenteuer, Berufliche Karriere, Coming-out und Emigration über kinderreiche Familien und Kriegserfahrung bis Unternehmertum, Verdingkinder und Wissenschaft reichen und deren Autoren bisher nicht nur über ihr Leben in der Schweiz erzählen, sondern als Migranten auch von ihrer Jugend etwa in Belgien, Deutschland oder Finnland.

Mathew Kuzhippallil wurde 1954 in Peravoor im indischen Kerala geboren und kam erst mit 32 Jahren in die Schweiz. Er hat für seinen Text den dreifach vergebenen zweiten Platz des Autobiografie-Awards erreicht, ebenso wie Gisela Egli-Zemp aus Trasadingen SH und Maja Brenner aus Schaffhausen.

Gisela Egli-Zemp beweist, wie faszinierend und lebhaft auch vom scheinbar unspektakulären Leben erzählt werden kann. Ihre Sicht auf die Welt ist pragmatisch, selbstbewusst, voller Einsicht in die Realität, aber nicht pessimistisch. Maja Brenner hingegen übernimmt überzeugend die Sicht des staunenden, fragenden Kindes, das sich – enttäuscht von den Erwachsenen – eine Fantasiewelt auf- und ausbaut. Sie dankt in ihrem Vorwort auch explizit Alfred Messerli, der nicht nur über Autobiografien forscht, sondern auch das Schreiben solcher Texte lehrt.

www.meet-my-life.net

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