BECKENRIED: Sporttalente und verpasste WM-Chancen

Es war ein fröhliches Treffen am Mittwoch im Hotel Sternen in Beckenried: 25 ehemalige Funktionäre und Ski-Stars des Zentralschweizerischen Ski-Verbandes ZSSV kamen zusammen, um in Erinnerungen zu schwelgen.

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Gastgeber Fredy Vogel (Mitte) mit den ehemaligen Ski-Stars Annemarie Hess-Waser (WM-Slalom-Bronze 1958, fünffache Schweizer Meisterin) und Adolf Mathis (sechsfacher Schweizer Slalommeister) am ZSSV-Skitreffen im Hotel Sternen in Beckenried. (Bilder André Häfliger/Neue LZ)

Gastgeber Fredy Vogel (Mitte) mit den ehemaligen Ski-Stars Annemarie Hess-Waser (WM-Slalom-Bronze 1958, fünffache Schweizer Meisterin) und Adolf Mathis (sechsfacher Schweizer Slalommeister) am ZSSV-Skitreffen im Hotel Sternen in Beckenried. (Bilder André Häfliger/Neue LZ)

Der ehemalige ZSSV-Präsident, Krienser Ex-Einwohnerrat und Luzerner Ex-Grossrat Fredy Vogel organisiert die lockere Begegnung in regelmässigen Jahresabständen. Auch die aktuelle Situation der Skination Schweiz war natürlich ein Thema. Und: Wie werden eigentlich Sporttalente entdeckt? Wie werden sie am besten gefördert?

«Zuerst braucht dazu vor allem Leute, welche die Talente für den Sport begeistern können», ist Fredy Vogel überzeugt – und nennt drei «typische Zentralschweizer Beispiele»: Dominik Buholzer aus Horw, Toni Christen aus Stans und Franz Zurfluh aus Alpnach. «Sie sind auch Vorbilder, vor allem, weil sie ein gutes Talentgespür haben und ihren vollen Einsatz ehrenamtlich ausüben. Mit dieser Freiwilligkeit, die zu unseren Zeiten noch eine Selbstverständlichkeit war, hat man heute in den Verbänden mehr und mehr Mühe. Das ist schade!» Was ist das Geheimnis von Franz Zurfluh beim Entdecken von Talenten? «Ganz am Anfang sieht man das schnell einmal beim Testen der Kondition», erklärte der Obwaldner. «Dann geht es vor allem darum, das Interesse der jungen Sporttalente zu wecken und ihre Technik zügig zu steigern.»

EX-ZSSV-Vizepräsident Hans-Ruedi Züricher (l.) mit dem Obwaldner Nachwuchsförderer Franz Zurfluh.

Hilfe der Eltern
Nicht zu unterschätzen sei indes auch der finanzielle Aspekt. «Wenn da die Eltern am Anfang nicht tatkräftig mithelfen, geht es nicht», fügte Zurfluh an und nannte als «vorbildliches Beispiel» die Alpnacher Skirennfahrerin Priska Nufer, die jetzt den Sprung ins Schweizer B-Kader geschafft hat. «Wichtig ist, dass man die Talente nicht in ein festes Schema zu drücken versucht», erklärte Annemarie Hess-Waser, fünffache Schweizer Slalom-Meisterin und Gewinnerin der WM-Bronzemedaille 1958. «Man braucht seine Freiheiten, um sich richtig entfalten zu können. Aber auch ganz wenige Vertrauensleute im Umfeld, auf die man konsequent hört. Meine Nichte Erika Hess etwa hat das, was ich ihr gesagt habe, immer sofort umgesetzt – und zwar alles!» Was sie dem Spitzensport heute ankreidet: «Es geht leider zu oft immer nur ums Geld.»

EX-ZSSV-Vizepräsident und Ex-Caraventa-Verkaufsleiter Toni Hiestand (l.) im Gespräch mit Hans Niederberger, ehemaliger Technischer Leiter im ZSSV und Ex-Gemeinderat von Dallenwil.

«Wenige Russis?»
Hans-Heinrich Gasser findet es bei der Talentförderung wichtig, dass «zu Beginn einer Karriere sich bald einmal die Guten» zusammen schliessen. «Das führt automatisch zu einer gewissen gesunden Konkurrenz-Situation. Jeder will der Bessere sein», fügte der ehemalige Obwaldner Regierungsrat an. Als Glücksfall bezeichnete er dabei das eben eröffnete Olympia-Zentrum in Engelberg. «Es braucht eine Schule, die Rücksicht auf die Bedürfnisse im Spitzensport nimmt. Schliesslich ist es eminent wichtig, dass Talente auch ihre berufliche Ausbildung erhalten. Man muss auch in frühen Jahren an die Zeit nach dem Sport denken, denn Bernhard Russis gibt es nicht allzu viele?» Von einer verpassten Chance im Umfeld der Ski-WM 2011 erzählte der ehemalige ZSSV-Vizepräsident Hans-Ruedi Zürcher: «Wir wollten in Garmisch ein Schweizer WM-Haus erstellen, doch der Zentralschweizer Tourismus lehnte leider ab. Jetzt macht es halt St. Moritz.»

André Häfliger

Obwaldens Alt-Regierungsrat Hans-Heinrich Gasser (l.) mit Ex-ZSSV- Finanzchef Alfred Näpflin.