BEGEGNUNGEN: Botschafter Martinelli: «Eine Chance für China»

Man sieht es an seinem freundlichen, breiten Lächeln: Dante Martinelli aus Lugano, seit knapp vier Jahren Schweizer Botschafter in China, kann den Start der Olympischen Sommerspiele vor Freude kaum erwarten.

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Dante Martinelli, Schweizer Botschafter in China, in seinem Büro in Peking. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Dante Martinelli, Schweizer Botschafter in China, in seinem Büro in Peking. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Dieser findet am kommenden Freitag, den 8.8.08 um 8 Uhr abends (14 Uhr Schweizer Zeit), in Peking statt.

«Olympia ist für uns eine glänzende Gelegenheit, der Schweiz ein helles Licht, eine markante Präsenz bei den chinesischen Menschen zu geben», freut sich Dante Martinelli, der schon auf der ganzen Welt tätig war. Zuerst in Bern im Büro für Integration, dann in den Botschaften von Paris und Washington. Dann war er während dreieinhalb Jahren der diplomatische Berater seines Tessiner Mitbürgers, Bundesrat Flavio Cotti, den er zuvor übrigens gar nicht persönlich kannte. Vor Peking, als er im November 2004 dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Peking die Beglaubigungsurkunden übergab, war Martinelli Schweizer Botschafter in Rom und begleitete anschliessend in Brüssel als Schweizer Botschafter bei der EU in Brüssel alle Bilateralen-II-Verhandlungen.

Die Botschaft des Botschafters
Wie will der Botschafter die «Botschaft Schweiz» an Olympia rüberbringen? «Wir haben da vor allem ein Mittel, das grösste Schweizer Gästehaus, das es je an Olympia gab», erklärte uns Martinelli gestern auf der am 6. August 1974 vom damaligen Bundesrat Pierre Graber eröffneten Botschaft. «Dort präsentieren wir unser Land – und speziell Luzern und die Zentralschweiz – äusserst attraktiv, vielseitig und mit einem ausgefüllten Programm. Das Haus steht allen Gästen offen und liegt im eigentlichen Boom- und Trend-Quartier der Hauptstadt.» Darauf darf Botschafter Martinelli stolz sein: Er hat massgeblich dazu beigetragen, dass dieser attraktive Standort zustande gekommen ist. Am meisten im Schweizer Haus gefällt ihm die Atmosphäre: «Es ist zu einer charaktervollen, grossflächigen, echten Begegnungsstätte geworden.»

Was bewirkt Olympia?
Wird Olympia in Peking etwas bewirken im Land der Mitte? «Sicher», sagt Botschafter Martinelli, der hier mit seiner Ehefrau Marie-Paule lebt und in Europa drei erwachsene Kinder hat. «Die Stadt hat eine unglaubliche Bautätigkeit entwickelt in den letzten Jahren, auch in der Umgebung. Bauten, Strassen, Bahnen, Infrastrukturen – das sind alles bleibende Werte, die entstanden sind. Zudem hat China die einmalige Chance, sich während den Spielen der Weltöffentlichkeit zu zeigen – und das wird das Land hervorragend machen!»

Findet es Martinelli, der Nach-Nachfolger des Luzerner China-Botschafters Uli Sigg, gut, dass Bundespräsident Pascal Couchepin wie Bush, Putin, Sarkozy, Schröder&Co. zur Eröffnungsfeier kommt? «Es ist selbstverständlich», sagt er. «Unser Bundespräsident ist persönlicher Gast des Internationalen Olympischen Komitees, weil dieses ja seinen Sitz in Lausanne hat. Alle anderen Staatsoberhäupter sind Gäste ihrer Nationalen Olympia-Komitees.»

Fünf Medaillen im Plan
Für persönliche Sporttätigkeit blieb dem Botschafter in den letzten Jahren wenig Zeit. «Skifahren, Golfen, Wandern, Tennis und Velofahren, das sind eigentlich meine Sportarten», erzählte er. «Tennis, Fussball und Leichtathletik verfolge ich auch sehr gerne am Fernsehen.» Und mit wie viele helvetischen Medaillen rechnet denn der Chef von 65 Botschaftsmitarbeitern (je zur Hälfte aus der Schweiz und China)? Mit fünf Edelmatallen, gleich viele wie die Swiss Olympic auch voraussagt. Martinelli: «Gold für Fabian Cancellara im Zeitfahren und Viktor Röthlin im Marathon, das wäre ein Traum. Roger Federer, unsere Schützen und Mountainbiker sind weitere heisse Anwärter.»

André Häfliger, Peking