BEGEGNUNGEN: Hayek: «Ich glaube sogar an Gold für Federer»

Als Freund der Dadaisten-Bewegung ist er dem Regelbruch nicht abgeneigt. «Ich zähle unsere Medaillen hier nicht», erklärt Swatch-Konzernchef Nick Hayek – und zündet sich auf der Terrasse des Omega-Pavillons direkt vor dem «Vogelnest» genüsslich eine Zigarre an.

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Nick Hayek. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Nick Hayek. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

«Mir ist es doch egal, wenn wir am Schluss nur eine Medaille haben, diese aber die Emotionalste, Schönste und Wichtigste ist», erzählt er weiter. «Was nützt es mir, wenn die Schweizer Fahne hochgeht für eine langweilig und eigentlich unverdient errungene Medaille?» Dass es mehr als ein helvetisches Edelmetall in Peking wird, hofft Hayek insgeheim dann aber doch. «Also wenn einer hier eine Medaille verdient hat, dann ist es Roger Federer», sagt der Uhrenkönig. «Ich glaube sogar an die Goldene für ihn. Denn hier geht es für ihn nicht um den Geldcheck, sondern eben um die Medaille. Das ist für ihn gerade jetzt eine besonders starke Motivation.»

Schlimm, wenn Federer am 18. August seine Weltnummer 1 abgeben muss? «Sicher nicht», sagt Hayek. «So was kann ja nicht ewig dauern. Die Frage erinnert mich an die Finanzanalysten an der Börse: Die meinen auch immer, sie müssen von einem Rekord zum anderen hüpfen. Nein, was soll das? Roger ist ein toller Spieler, der eine unglaublich gute Einstellung hat und ein wahnsinnig schönes Tennis spielt. Ein richtiger Champion für mich, denn er hat auch gezeigt, dass er wie ein Champion verlieren kann.» Herrlich: Hayeks Augen funkeln geradezu, wenn er über Federer spricht. Über 1000 Leute beschäftigt sein Konzern heute in China, letztes Jahr überholte die Swatch-Group hier den Umsatz jenen in den USA, dieses Jahr soll sogar ein «deutlicher Vorsprung» erzielt werden, das sei «diskussionslos». Konkret verrät Hayek soviel: «Nehmen wir China, Hongkong und Taiwan zusammen, übersteigen wir die Milliardengrenze im Jahresumsatz ganz bestimmt.»

1600 für Hayek im Einsatz
Mit Olympia habe diese Erfolgsgeschichte «noch nicht einmal gross» zu tun. Hayek: «Während den Spielen läuft das Geschäft eher problematisch, denn viele Business-Visas werden nicht erteilt, weil man sich auf den Sportevent konzentriert. Aber in der Zeit danach wird es dank Olympia sicher zusätzlich anziehen.» Jetzt ist Hayek zusammen mit seinem Omega-Präsident Stephen Urquhart hier Chef über weiter 1600 Leute: 1450, davon 1000 Freiwillige, stehen für Swiss Timing, zum 23. Mal der offizielle Olympia-Zeitmesser, im Einsatz, 150 weitere kommen im Pavillon dazu. «Es läuft hier wie am Schnürchen», freut sich Hayek. «Die Vorbereitungen liefen sogar noch besser als vor vier Jahren in Athen – obwohl wir hier mehr Probleme mit der Verständigung haben und die Herausforderungen wegen der chinesischen Schrift noch viel grösser sind.»

Schweiz Vorbild für China
Hayek, der seit Jahren sehr oft in China weilt und mit seinen Uhren hier über 50 Prozent Marktanteil erzielt, stellt bei der chinesischen Bevölkerung eine «extrem hohe Freundlichkeit, grosse Hilfsbereitschaft» und eine «starke Zielstrebigkeit auch» fest. «Sobald man sich verstanden hat, gehts mit viel Elan los», erklärt Hayek. Das Zeichen der Omega-Uhr werde im Land der Mitte sofort mit der Schweiz identifiziert: «Es ist mit einem Marktanteil von weit über 20 Prozent die bekannteste und beliebteste Uhr im Land.» Und was bedeutet die Schweiz der Bevölkerung? «Das sind Freunde, Vorbilder und gute Beispiele», sagt Hayek. «Vor allem auch deswegen, weil wir wie sie nie ein imperialistisches Land waren.» Na also: Es ist halt doch gut, wenn man ab und an gewisse Regeln einfach bricht?

André Häfliger, Peking