BEGEGNUNGEN: Julen: «Olympia kreiert Helden»

Franz Julen ist Chef und CEO der Sportartikelfirma Intersport. Er sagt, was Olympia in der Sportwirtschaft auslöst und was der Grossevent für ihn bedeutet.

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«Kompliment für dieses tollen Olympiaauftritt hier!» Auch Franz Julen sah den Andrang beim Schweizer Gästehaus in Peking. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

«Kompliment für dieses tollen Olympiaauftritt hier!» Auch Franz Julen sah den Andrang beim Schweizer Gästehaus in Peking. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Sein Vater Martin siegte 1955 im Lauberhorn-Slalom, sein Bruder Max wurde in Sarajevo Riesenslalom-Olympiasieger. Das war am 14. Februar 1984. Damals war Franz Julen der Servicemann und Manager seines Bruders, der heute Hotelier in Zermatt ist. «Deshalb hat Olympia für mich bis heute eine besondere Bedeutung, vor allem auch emotional», sagt der am 6. September 50-jährige, in Cham wohnhafte Walliser Franz Julen, seit zehn Jahren CEO des Sportartikel-Giganten Intersport. «Denn ich wäre nie das geworden, was ich heute bin, ohne Olympia. Klar habe ich meinen Weg selber gemacht, aber der Olympiasieg von Max war wie ein Türöffner, ein Startschuss für mich.» Zudem wisse Julen ganz genau, was alles hinter einer Goldmedaille stecke, welche «Anstrengungen, Verzichte und Opfer» man auf sich nehmen müsse. Am Schluss aber überwiege immer die «Freude und der Stolz» an der erbrachten Leistung.

Umsatz dank Euro08 nochmals gesteigert
Freude herrscht eben – soviel steckt hinter so wenigen Buchstaben. Wie gross ist die Freude an Olympia für Julen als Geschäftsmann? «Der Grossevent hat in unserer Branche eine nachhaltige, aber langfristigere Auswirkung als etwa eine WM oder EM im Fussball», erzählt Julen im belebten Pekinger Künstlerviertel «798 Art Zone», wo Nike in einer ehemaligen Fabrikhalle ein eindrückliche Ausstellung der Firmengeschichte zeigt. «In solchen Jahren erzielen wir zwischen 15 und 30 Prozent mehr Fussballumsatz. Und zwar direkt kurzfristig und täglich.» Im laufenden Jahr sei der Fussball-Umsatz der Gruppe gegenüber dem WM-Jahr 2006 nochmals um 20 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken gestiegen. Die 5000 Intersport-Händler auf der ganzen Welt hätten rund um die Euro 08 eine Million Europass-Bälle und 5 Millionen Fussballschuhe verkauft, so Julen.

«Helden, Stars werden geboren»

«Aber an Olympia gibt es ja keine Schwimm- oder Leichtathletik-Dresses, die in den Verkauf kommen», erklärt Julen, der schon sechs Mal beim Fest der fünf Ringe dabei war. «Aber Olympia kreiert Helden, Stars werden geboren. Es gibt aber auch Niederlagen, Dramen, viele Emotionen halt. Und das animiert die Leute, Sport nicht nur lange am Fernsehen zu konsumieren, sondern ihn auch selber zu betreiben. Deshalb ist bei Olympia die wirtschaftliche Auswirkung längerfristig angesiedelt.» Mit 14 Milliarden Franken Einzelhandelsumsatz in 35 Ländern ist Intersport klarer Weltmarkleader.

Ein Dinner mit Carl Lewis
120 Leute beschäftigt Intersport in China. Sie wählen die Eigenmarken-Produzenten aus, überwachen Qualität und Lieferungen. Die Firma erzielt mit elf Eigenmarken einen Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Franken. Klar also, dass Franz Julen hier den Besuch von Sportanlässen auch mit vielen Geschäftsterminen verbindet. Und natürlich viele bekannte Gesichter trifft. So den Schweizer Ex-IOC-Generalsekretär François Carrard und bei einem Nike-Nachtessen sass er neben Leichtathletik-Denkmal Carl Lewis. «Er ist wirklich ein genialer Typ. Intelligent, lustig und ohne Starallüren», sagt Julen, der von Peking weiter nach Tokyo und Kobe reist. Auf Einladung des CEO von Asics, Matoya Oyama, wird ihm die «heilige Stätte», das Forschungs- und Entwicklungszentrum gezeigt. «Dort wurden auch die Olympia-Goldschuhe von Viktor Röthlin kreiert», hofft der Zermatter, der im Verlauf des nächsten Jahres in China und Korea die ersten Intersport-Geschäfte eröffnen will.

André Häfliger, Peking