BEGEGNUNGEN: Morgens um 4 Uhr erstmals solar in die Luft

Noch ist Bertrand Piccard nicht mit seinem allein von der Sonne angetriebenen «Solarimpulse»-Flugzeug nach Peking geflogen. Aber der Traum soll bald Wirklichkeit werden.

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Gutgalaunt in Peking: Die «Solarimpulse»-Initianten Bertrand Piccard (links) und André Borschberg. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gutgalaunt in Peking: Die «Solarimpulse»-Initianten Bertrand Piccard (links) und André Borschberg. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

«Im kommenden Frühling ist es so weit», erzählte der Mann, der vor neun Jahren als erster Mensch die Welt mit einem Ballon umflog und das jetzt auch mit seinem Solarfluggerät machen will. «An welchem Tag genau wir zum ersten Mal ins 'Solarimpulse' steigen werden, um zu fliegen, weiss ich noch nicht. Aber es wird an einem Morgen um 4 Uhr auf dem Militärflugplatz in Dübendorf sein», verriet Piccard erstmals. Ui, mitten in der Nacht? «Ja», schmunzelte er. «Denn dann hat es am wenigsten Luftbewegungen und vor allem keine Thermik.»

Arzt, Psychiater und Aeronaut Piccard ist als Omega-Botschafter mit seinem CEO, Profipilot, Manger und Ingenieur André Borschberg ins Land der Mitte gekommen. Im Omega-Pavillon gleich vor dem «Vogelnest»-Stadion hängt ein Modell des HB-SIA-Prototyps mit original 1500 Kilo Gewicht und 61 Metern Flügelspannweite (gleich viel wie ein Airbus A340) hoch über den ausgestellten Uhren und historischen Zweitmessgeräten. «Wir sind nach China gekommen, um unser Projekt den vielen tausend Besuchern hier bei Omega zu präsentieren und Werbung zu machen für umweltfreundliche Technologien», erzählte Piccard.

Aufwachen und sparen
Angesichts des Smog-Problems hier ist das ja auch dringend angesagt. Was tun? Mit dem Kauf von in China günstig produzierten Gütern exportiere man gleichsam in der westlichen Welt Umweltverschmutzung, so Piccard. Deshalb sei es «auch an uns, aufzuwachen und auf der ganzen Linie energiesparend» zu leben. «Zudem müssen wir der Umwelt zuliebe bereit sein, für Güter, die wir aus China importieren, mehr zu bezahlen», ergänzte Borschberg. «Umweltfreundliche Produktion kostet mehr, schafft aber auch sehr viele zusätzliche Arbeitsplätze.» Die Umweltkosten müssen im Preis inbegriffen sein, das müsse gesetzlich vorgeschrieben werden, fordert Piccard.

Ab ins Kloster?
Omega-Präsident Stephen Urquhart ist von der Arbeit der beiden Schweizer Pioniere «voll und ganz» überzeugt. «Wir engagieren uns bei 'Solarimpulse' sowohl technologisch als auch finanziell», erklärte er. «Weil wir die visionäre Überzeugung der Initianten teilen, dass dieses Projekt wesentlich zur wissenschaftlichen und ökologischen Entwicklung von alternativen, nachhaltigen Energieformen beitragen wird.» Welche Sportarten treiben Flugpioniere denn selber? «Skifahren, Tauchen, Schwimmen und Fallschirmspringen», erklärte der 50-jährige Piccard. «Ich jogge, mache gerne Skitouren und ein wenig Joga», sagte der fünf Jahre ältere Borschberg. Neben dem Sport treibt es die beiden hier übrigens noch raus aus Peking: «Wir wollen hier noch etwas in die Berge und dort auch ein Kloster besuchen.»

André Häfliger, Peking