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BERGE: Und immer wieder ruft die Alp

Jeweils im Januar treffen sich Älplerinnen und Älpler aus der ganzen Schweiz, um Erfahrungen auszutauschen und eine Stelle für den Sommer zu finden. Die Nachfrage auf die rund 8000 Alpbetriebe ist gross.
Brigitte Schmid-Gugler
Idyllisch, aber auch streng und anspruchsvoll: Älpler- und Älplerin-Sein will gelernt sein. Die Verantwortung für Tiere und den Betrieb ist gross. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Idyllisch, aber auch streng und anspruchsvoll: Älpler- und Älplerin-Sein will gelernt sein. Die Verantwortung für Tiere und den Betrieb ist gross. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Brigitte Schmid-Gugler

Die Fahrzeuge sind bis hinüber zum Parkplatz bei der hintersten Scheune abgestellt. Nummernschilder aus der ganzen Deutschschweiz sowie aus Deutschland und Österreich sind auszumachen. Gemeinsam mit mir betritt eine vierköpfige Familie den Saal im Plantahof in Landquart. Die Tochter Sanona ist elf, sie trägt eine Werktagstracht; ihr jüngerer Bruder Laurant hat einen halblangen blonden Wuschelkopf. Die Eltern Claudia und Alfons kommen zum ersten Mal ans Älplerinnen- und Älplertreffen. «Vielleicht ergibt sich etwas für den kommenden Sommer», sagt Claudia zum Motiv ihrer Teilnahme. Unerfahren sind beide nicht. Sie ist auf einem Bauernhof in Wädenswil gemeinsam mit drei Geschwistern aufgewachsen. «Bis ich Alfons kennenlernte, der auch Bauer gelernt hatte, wollte ich gar nichts mehr wissen von der Landwirtschaft. Doch während der ersten Schwangerschaft hörte ich plötzlich diesen Milchruf», erzählt sie lachend. Das Paar bewirtschaftete einige Jahre einen Betrieb auf der Balisalp bei Hasliberg. Hüteten sommers das Vieh von vier Bauern. Dann kam das Fernweh, und dazu ein Segelboot. Die radikale Aussteigerfamilie lebt seither als Auslandschweizer den Winter über auf dem Boot; die Kinder lernen ohne Schulunterricht, was es über das Leben zu lernen gibt.

Angebot und Nachfrage sind nicht im Gleichgewicht

Alfons und Claudia schnappen sich eines der roten Ansteckschildchen, die neben einem Kistchen mit grünen Schildchen liegen. Rot heisst: man ist auf der Suche nach einer Stelle. Wer ein grünes trägt, hat eine solche anzubieten. Ein Rundblick durch den Saal bestätigt: Es hat weit mehr rote als grüne Schildchen an Pullovern, Sennenchutteli und Jackenrevers. Viele tragen auch gar keins. Neben den Schildchen liegen – zum Mitnehmen oder im günstigen Fall gleich zum Unterzeichnen – «Anstellungsverträge für Hirten» mit einem Anhang zur «Anleitung der Lohnabrechnung». Ob denn tatsächlich Verträge abgeschlossen würden an diesem Treffen, will ich von Sarna wissen. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied der IG-Alp und Mitorganisatorin des jährlichen Treffens im Plantahof. Die überregionale Interessengemeinschaft besteht aus aktiven und ehemaligen Älpler und Älplerinnen. Sie setzt sich gemäss Statuten dafür ein, «dass Freude und Achtung am traditionellen Handwerk und an der Natur auch in der Gesellschaft lebendig bleiben».

Ein dichtes Netzwerk von Helfenden und Beratenden

Bei der Frage nach den Vertragsabschlüssen gibt sich Sarna eher skeptisch. Die meisten Älpler, die für den Sommer Angestellte suchten, würden erfahrene Leute nehmen, mit denen sie bereits zusammengearbeitet haben. «Ausserdem läuft die Stellenvermittlung längst übers Internet.» Viele Sommer ging sie selbst mit Eltern und Geschwistern z’Alp; nun selber Mutter von drei Kindern, ist sie in ihrem Beruf als Primarlehrerin in Cazis tätig.

Die IG Alp betreibe seit 17 Jahren den Sommer über zusätzlich das Alpofon, eine Hotline von und für Älplerinnen und Älpler. Im vergangenen Sommer haben gemäss Statistik rund 85 Alpbetriebe (von schweizweit zirka 6800 Sömmerungsbetrieben und zirka 1400 Alpsennereien mit insgesamt ungefähr 15000 Beschäftigten) die Hotline benützt und nach Ersatzpersonal gefragt. Dies könne bei Unfall, Überforderung, Krankheit oder auch bei Konflikten notwendig werden, erklärt Sarna. 60 Prozent der zur Verfügung stehenden Aushilfen seien Männer, 40 Prozent Frauen gewesen. Erfasst wird auch die Herkunft der Ersatzälpler und -älplerinnen: Die Hälfte stammt aus dem Ausland, davon über 40 Prozent aus Deutschland und 13 Prozent aus anderen Ländern. Die meisten bringen Alp- (74 Prozent) oder Landwirtschaftserfahrung (65 Prozent) mit.

Richtiges Verhalten auf der Alp will gelernt sein

Auch zu arbeitsrechtlichen und Fragen rund ums Käsen, die Tiere und die Alp berät die von Fachleuten nebenamtlich betreute Hotline. Dass es diesbezüglich viel zu debattieren gibt, zeigt sich an der Diskussionsrunde im Plantahof. Auf dem Podium sitzen ein Bündner Tierarzt, eine Juristin aus Zürich, ein Grafiker und Hirte aus dem Urnerland, der Präsident des Bündner Bauernverbandes sowie ein FDP-Politiker und Alpmeister auf der Alp Muottas. Ausgehend von Fällen aus der letzten Alpsaison wird darüber diskutiert, wie Älpler und Älplerinnen sich verhalten und wie sie kommunizieren müssen, wenn ein Tier aus der Herde ausbüxt, wenn eines krank oder verletzt ist, oder gar abgetan werden muss.

Was sinnvolle Massnahmen sind, Wandernde vor Mutterkuhherden zu schützen. Wann und ob Einzäunungen Sinn machen. Wie man sich am besten verhält, wenn Wandernde, sollten sie ein hinkendes Tier entdecken, gleich die Polizei benachrichtigen, ohne vorher den Kontakt zu den Hirten gesucht zu haben.

Kein Neuland für Claudia und Alfons. Sie hätten ein paar interessante Kontakte geknüpft, sagen beide gegen Schluss des Treffens. «Es kommt schon gut.»

Moritz Buchli, Bauer und Senn aus Domleschg: «Kannst Monti zu mir sagen. Den Hof habe ich meinem Sohn übergeben. Ich habe noch zehn Ziegen. Mit denen gehe ich immer z’Alp.» (Bild: PD)

Moritz Buchli, Bauer und Senn aus Domleschg: «Kannst Monti zu mir sagen. Den Hof habe ich meinem Sohn übergeben. Ich habe noch zehn Ziegen. Mit denen gehe ich immer z’Alp.» (Bild: PD)

Sofia (l.), Sennerin im Tessin, und Daphne, Bäuerin in Malix: «Wir sind Freundinnen seit Kindertagen. Es gibt nichts, was uns mehr verbindet als die Liebe zur Natur und zu unseren Tieren.» (Bild: PD)

Sofia (l.), Sennerin im Tessin, und Daphne, Bäuerin in Malix: «Wir sind Freundinnen seit Kindertagen. Es gibt nichts, was uns mehr verbindet als die Liebe zur Natur und zu unseren Tieren.» (Bild: PD)

Claudia und Alfons, ehemalige Bergbauern: «Wir hoffen, für den kommenden Sommer Arbeit auf einer Alp zu finden. Es hat sich noch immer eine Beschäftigung ergeben.» (Bild: PD)

Claudia und Alfons, ehemalige Bergbauern: «Wir hoffen, für den kommenden Sommer Arbeit auf einer Alp zu finden. Es hat sich noch immer eine Beschäftigung ergeben.» (Bild: PD)

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