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BERLIN: Gewaltexzesse auf dem «Alex»

Gewalt am Berliner Alexanderplatz, Prostitution im Stadtpark Tiergarten: Die Hauptstadt debattiert in diesen Tagen über die Folgen der Flüchtlingskrise.
Christoph Reichmuth, Berlin
Der Fernsehturm am Berliner Alexanderplatz. (Bild: Imago)

Der Fernsehturm am Berliner Alexanderplatz. (Bild: Imago)

Christoph Reichmuth, Berlin

Seit Freitag stehen nahe der Weltzeituhr zwei in Eile aufgestellte Container. Sozialarbeiter wollen sich in der lediglich 30 Quadratmeter grossen Fläche intensiver um Flüchtlinge kümmern. Auch die Polizei hat in Zivil ihre Präsenz auf dem «Alex» erhöht, Videokameras überwachen den Platz zusätzlich.

Denn der Alexanderplatz hat es in einer polizeiinternen Liste der gefährlichsten Ecken der Hauptstadt auf den ersten Platz geschafft. Seit Monaten mehren sich Vorfälle wie Massenschlägereien, Sexualdelikte, Drogenkriminalität oder Diebstähle. Fast 8000 Straftaten zählte die Polizei im vergangenen Jahr auf dem «Alex», das entspricht fast einer Verdoppelung zum Jahr 2008.

Es fliegen Flaschen und Fahrräder

Viele der Delinquenten sind in den letzten Jahren nach Deutschland eingereiste junge Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak und Pakistan. Die jungen Männer suchen beim «Alex» ihre Landsleute auf, geraten in kriminelle Kreise und landen alsbald in der Drogenkriminalität. Auch bedingt durch den Konsum von Alkohol und Drogen registriert die Berliner Polizei eine massiv gestiegene Gewaltbereitschaft. Erst vorige Woche ist es auf dem «Alex» abermals zu einer Massenschlägerei zwischen verfeindeten Gruppen gekommen. Es flogen Flaschen, Fahrräder, einige sollen Messer auf sich getragen haben.

Kritik an links-grüner Stadtregierung

Der «Alex» war schon seit jeher ein Hotspot der Stadt, vor allem an Wochenenden nach Schliessung umliegender Discos ist es zumeist im Alkohol- oder Drogenrausch zu Gewaltexzessen gekommen. Neu ist allerdings, dass sich die Herkunft der Delinquenten geändert hat. Der Umstand, dass es sich bei den Delinquenten oftmals um junge Flüchtlinge handelt, hat in Berlin zu einer Debatte über die Folgen der deutschen Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 geführt.

Berlin hat 2015 und 2016 etwa 100 000 Schutzsuchende aufgenommen, hinzu sind Dutzende in die Hauptstadt geströmt, deren Asylgesuche in anderen Bundesländern abgewiesen worden sind. Viele dürften in der Hauptstadt untergetaucht sein. Auch wenn nur eine Minderheit der jungen Flüchtlinge in die Kriminalität abgerutscht ist, macht die oppositionelle CDU die rot-rot-grüne Stadtregierung für die steigende Gewalt auf Berlins öffentlichen Plätzen mitverantwortlich. Die CDU fordert die links-grüne Stadtregierung dazu auf, abgelehnte und kriminelle Flüchtlinge konsequenter abzuschieben.

Dass viele junge Flüchtlinge mit ihrer Situation in Deutschland überfordert sind, zeigt auch die Entwicklung im grossen Stadtpark «Tiergarten» im Berliner Bezirk Mitte. Tagsüber ein beliebter Erholungsraum mitten in der Stadt und in der Nähe des Regierungsviertels und des Brandenburger Tores, wird der Stadtpark nachts von Drogenhändlern, Obdachlosen, Prostituierten und ihren Freiern dominiert.

Die Umstände im Stadtpark rückten nach dem Tod einer jungen Studentin vor wenigen Wochen in den Fokus. Die junge Frau wurde spätabends auf dem Nachhauseweg von einem Tschetschenen, der längst hätte abgeschoben werden sollen, getötet und ausgeraubt. Sozialarbeiter und die Polizei machen zudem auf das Schicksal vieler junger Flüchtlinge im Tiergarten aufmerksam. Sozialarbeiter registrieren vermehrt junge, vor allem aus Afghanistan stammende Männer, die sich im Stadtpark für Beträge zwischen 20 und 50 Euro prostituieren. Erst vor wenigen Tagen wurde zudem ein Zeltlager von zumeist aus Osteuropa stammenden Obdachlosen im Tiergarten geräumt. Der Grüne-Bürgermeister des Bezirks Mitte, Stephan von Dassel, warnte unlängst vor «Verrohung» im Tiergarten.

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