BERN: Magistrat in Satiresendung

Ansprachen können so ihre Tücken haben. Jene von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann am letzten Sonntag zum Tag der Kranken strahlt jetzt bis ins Ausland.

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Nicht ein einziges Mal geschafft zu lächeln: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann 
bei seiner TV-Ansprache zum Tag der Kranken bei Radio Télévision Suisse. (Bild: Screenshot RTS)

Nicht ein einziges Mal geschafft zu lächeln: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann bei seiner TV-Ansprache zum Tag der Kranken bei Radio Télévision Suisse. (Bild: Screenshot RTS)

Stefan Degen

«Lachen schenkt Glücksmomente, auch in der Krankheit» – so lautete die Überschrift der magistralen 4-Minuten-Rede zum Tag der Kranken am vergangenen Sonntag. Schon die deutsche Version auf SRF 1 löste bei vielen Zuschauern Spott und Häme aus. Noch schlimmer erging es der französischen Fassung: Sie ist inzwischen von mehreren französischsprachigen Sendern in Frankreich und Belgien ausgestrahlt worden. Und Bundespräsident Johann Schneider-Ammann (64) wird in diesen TV-Beiträgen unverhohlen veräppelt.

Todernste Miene

Dass der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung ein trockener Zeitgenosse ist, wissen die Schweizerinnen und Schweizer mittlerweile. Nicht so die Franzosen. In der Sendung «Le Petit Journal» auf Canal+ präsentierte Moderator Jann Barthes genüsslich Ausschnitte aus der Rede – versehen mit bissigen Kommentaren. Dass der Bundespräsident ausgerechnet das Lachen zum Thema seiner Rede machte und den Text mit todernster Miene vom Teleprompter ablas, ist der Grund für den Spott.

Lachen und Freude erleben

«Rire, c’est bon pour la santé, selon un dicton populaire.» (Lachen ist gesund, sagt der Volksmund.) Und weiter: «Nous pouvons aussi rire et partager des moments de joie avec les malades.» (Wir dürfen mit den Kranken auch lachen und Freude erleben.) Schneider-Ammann weist darauf hin, dass auch am Krankenbett zunehmend mit Humor gearbeitet wird. So mit den Spitalclowns der Stiftung Theodora oder den sogenannten Care-Clowns in Alters- und Pflegeheimen. Und er appelliert mit starrem Blick an die Kranken: «Restez forts et confiants. Puissiez-vous, malgré vos souffrances, garder le sourire et vivre des moments de joie.» (Ihnen, liebe Kranke, wünsche ich Kraft und Zuversicht. Und ab und zu – trotz Ihrem Leiden – ein Lächeln, einen Moment des Glücks.)

Während «Monsieur Président» emotionslos von Lachen und Humor spricht, wirkt seine Gesichtsmimik wie eingefroren. Nicht der leiseste Anflug eines Lächelns auf dem Antlitz. Jann Barthes von Canal+ spöttelte: «Er ist etwa so lustig wie ein Bestatter.» Zusätzlich beigetragen zum unglücklichen Auftritt hat das Français fédéral des Magistraten.

Weitaus positiver in Erinnerung sind da zwei andere bundesrätliche Auftritte: Die legendäre Neujahrsansprache von Bundespräsident Adolf Ogi im Jahr 2000 mit einem Tännchen vor dem Portal des Lötschbergtunnels in Kandersteg. Und der ansteckende Lachanfall von Bundesrat Hans-Rudolf Merz 2010 im Parlament («Bündnerfleisch!»). Diese sind Kult.