BERN: Schwere Erdbeben jederzeit möglich

Das Erdbeben von Linthal ist das stärkste im Gebiet der Schweiz seit über zehn Jahren. Insgesamt ereignen sich pro Jahr bis zu 800 meist harmlose Erdstösse. Schwere Beben können aber gemäss Experten jederzeit auftreten.

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Das Epizentrum des Erdbebens lag vier Kilometer westlich von Linthal im Kanton Glarus. (Bild: Quelle: Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo))

Das Epizentrum des Erdbebens lag vier Kilometer westlich von Linthal im Kanton Glarus. (Bild: Quelle: Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo))

Ein Beben wie jenes vom Montag mit einer Magnitude von 4,6 kommt gemäss dem Schweizerischen Erdbebendienst (SED) im Gebiet der Schweiz alle paar Jahre vor. Die letzte vergleichbare Erschütterung ereignete sich am im September 2005 im Grenzgebiet bei Vallorcine F. Es wurde vor allem im Wallis stark verspürt.

Erdbeben sind nach Einschätzung von Seismologen auch für die Schweiz eine ernste Gefahr. Im 2015 aktualisierten Gefährdungsmodell bleibt das Wallis die Region mit dem höchsten Risiko, vor Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal, der Zentralschweiz und der übrigen Schweiz.

Im Schnitt registriert das digitale Messnetz des SED zwei Erdbeben pro Tag. 10 bis 15 pro Jahr haben eine Magnitude von 2,5 oder grösser, sind also stark genug, um von der Bevölkerung verspürt zu werden. Das letzte starke Erdbeben, welches Schäden verursacht hat, ereignete sich 1991 bei Vaz GR mit einer Magnitude von 5.

Rekord aus dem Jahr 1356

Das stärkste historisch dokumentierte Erdbeben in der Schweiz mit einer geschätzten Magnitude von 6,6 zerstörte 1356 grosse Teile von Basel. Es richtete vergleichbar schwere Schäden an wie jenes in San Francisco im Jahr 1906. Käme es heute in Basel zu einem ähnlichen Beben, wäre mit mehreren tausend Toten und Zehntausenden von Verletzten zu rechnen.

Beben mit einer Stärke um 6 sind laut SED alle 50 bis 150 Jahre möglich. Zum vorerst letzten Mal ereignete sich ein solcher Erdstoss 1946 bei Siders VS. Eine Person erlitt vor Schreck einen tödlichen Herzanfall, mehrere Menschen wurden verletzt. Glockentürme und Kamine stürzten ein. Ein solches Beben könne überall und jederzeit in der Schweiz auftreten, warnt der SED.

Der SED ist eine Fachstelle des Bundes und der ETH Zürich angegliedert. Er verfolgt mit über 100 Messstationen die seismische Aktivität, beurteilt er die Erdbebengefährdung im Land und informiert Behörden und Öffentlichkeit im Fall eines Ereignisses. Der SED beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. (sda)