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Besoffen auf der Wildsaujagd

Jägerlatein Obwohl ich nie ein aktiver Jäger war, habe ich mich auch mal an einer Jagd beteiligt.

Es war vor gut 50 Jahren in den Wäldern von Fontainebleau, im Jagdrevier des einst mächtigsten Mannes der Grande Nation, General de Gaulle. Freund Marcel Senn lud uns ein, eigentlich um zu danken, dass er bei meiner Grossmutter 1940 als «Fran­zosenkind» Ferien verbringen durfte.

Die Jagd glich einer Chilbi, bei der das Fressen und Saufen – anders konnte man dem nicht sagen – weit wichtiger war als das Schiessen. Am Buffet, welches nach der Fasanenjagd serviert wurde, hätte Paul Bocuse seine helle Freude gehabt. Alle Köstlichkeiten, zubereitet von den ­daheimgebliebenen Hausfrauen, wurden auf einem Waldbänkli mit weissem Tischtuch zur Schau gestellt. Es wurde geschmatzt, geschlürft, gegrölt. Auf dem glitschigen Waldboden fand noch eine Autorally statt, «Zitrone» gegen «Renault», mit folgenschwerem Blechschaden.

Derbe Jägerwitze machten die Runde, und als die Wildsaujagd stattfinden sollte, waren die Jäger tatsächlich vorbereitet: zufrieden, satt und stockbetrunken.

Der Waldboden vibrierte

Plötzlich kam die Meldung des «Chef de la chasse»: Wildschweine im Anzug. Der Waldboden vibrierte. Vorab der Leiteber, hinter ihm seine saumässige Entourage aus Bachen und Frischlingen. Meine Frau und ich versteckten uns hinter einem Baum und beobachteten die Jäger. Die einen mit geladenen Gewehren gen Himmel, die anderen wild fuchtelnd – Schüsse fielen. Sie zielten weiss der Himmel wohin, während die Wildschweine quietschend vorübertrudelten.

Die Beute des Tages bestand aus zwei Fasanen, zwei demolierten Autos und keiner Wildsau. Die Jagdgenossen waren einstige Indochinakämpfer und aus der Résistance.

Wer nun moniert, ich hätte diese Geschichte sicher mit einem Schuss Jägerlatein abgeschmeckt, dem sei zugezwinkert, dass man das Leben manchmal farbiger wahrnimmt, wenn der Calvados gut ist. Und das war er.

Herbert Huber

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