BEZIEHUNG: Das Geheimnis hinter der ewigen Liebe

Warum hält eine Ehe ein Leben lang, und eine andere zerbricht nach wenigen Jahren? Das fragen sich viele Paare. Die meisten von uns wollen nur das eine: eine feste Beziehung bis ans Lebensende.

Simone Hinnen
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Die meisten Paare wollen eine feste Beziehung bis ans Lebensende. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die meisten Paare wollen eine feste Beziehung bis ans Lebensende. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Wunsch nach einer festen Partnerschaft ist bei der Mehrzahl der Männer und Frauen stark verwurzelt. Und nicht irgendeine Beziehung soll es sein, sondern eine starke Bindung, die ein Leben lang hält. Dieser Meinung sind auch Jugendliche. Der Zürcher Psychologe Guy Bodenmann hat im Jahr 2003 Schweizer Jugendliche gefragt, was für sie zu den wichtigsten Dingen im Leben gehöre. 97 Prozent gaben eine feste Partnerschaft an. 80 Prozent meinten, dass eine Ehe für sie ein lebenslanges Engagement bedeute.

Trennung? Aber sicher nicht wir!

Interessanterweise schätzen gemäss Studien viele Menschen zum Zeitpunkt der Eheschliessung die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Ehe wieder geschieden wird, auf unter 10 Prozent. Dabei sagen die Zahlen etwas ganz anderes. Wird doch heute beinahe jede zweite Ehe geschieden. Die Überzeugung sitzt demnach tief, dass eine Scheidung nur die anderen trifft. Für sich selbst schliessen die meisten Menschen dieses Szenario aus.

Ein Hauptgrund für die stabil hohe Scheidungsrate sieht Psychologe Bodenmann in der gestiegenen Erwartungshaltung an die Partner. Als weiteren Punkt erwähnt er die Wohlstandsgesellschaft. «Je besser es einer Gesellschaft geht, desto höher ist die Scheidungsbereitschaft.» Trotz hoher Scheidungsrate: Die allermeisten Paarbeziehungen starten glücklich. Bodenmann spricht von 90 bis 95 Prozent.

Das Problem: Anfänglich sei das Interesse für den Partner sehr intensiv. Verliebte wollten alles von einander wissen, ihre Neugier sei grenzenlos, man tausche Nettigkeiten aus. Mit der Zeit höre dies auf. Dabei seien es gerade diese positiven Gesten im Alltag, die für eine Paarbeziehung enorm wichtig seien. Diese positive Kompetenz gelte es aufrechtzuerhalten. Ansonsten sterbe die Liebe.

Doch nicht jeder, der in einer Partnerschaft unglücklich ist, kehrt dieser den Rücken. «Es gibt durchaus Paare, die – obschon sie unzufrieden sind – zusammenbleiben.» Gleichzeitig gebe es auch Partner, die sich trennten, obwohl sie insgesamt glücklich seien. Für Bodenmann ist Letzteres ein neueres Phänomen. Diesen Paaren sei vielfach gemein, dass sie zwischen 45 und 55 Jahre alt seien, also noch eine Lebenserwartung von 30 oder 40 Jahren hätten und sich fragten: War es das jetzt?

Rund 20 Prozent der Paare, die mit ihrer Situation unzufrieden sind und etwas daran ändern wollen, können diese im positiven Sinne korrigieren. Wem dies nicht gelinge, der gehe möglicherweise zum Paartherapeuten, sagt Bodenmann. Die Erfolgsquote dort beziffert er mit 70 Prozent. «Diese sinkt, je später die Paare eine Paartherapie aufsuchen. Besonders wenn die Verletzungen bereits zu gross sind, wird es schwierig.»

Paare müssen an sich arbeiten

Für Psychologe Bodenmann gibt es aufgrund mehrerer Forschungsbefunde drei Voraussetzungen, welche für die längerfristige Paarzufriedenheit relevant sind.

  • Die Persönlichkeit: Je schwieriger das Temperament, umso komplizierter wird es in der Beziehung.
  • Die Kommunikation: Wichtig ist, dass das Paar eine gute Kommunikation und die gegenseitige Unterstützungpflegt. Denn im Laufe der Zeit zermürben viele kleine Ärgernisse und Sorgen das Zusammenleben.
  • Die Beziehungsarbeit:Paare, die in ihre Beziehung investieren, habenhöhere Chancen auf Erfolg als solche, denen die Bereitschaft dazu fehlt.