Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BEZIEHUNG: Wenn der Ex Vollgas gibt

Die eine Frau ist weg, die nächste schon da. Typisch Mann. Nicht selten wird dann ratzfatz zusammengezogen, und es gibt Kinder. Ein Horrorszenario für die Ex. Sie sollte es lockerer nehmen.
Das nagt am Selbstbewusstsein: Der Ex-Freund hat schnell eine Neue, und bald läuten die Hochzeitsglocken. In der alten Beziehung war das über Jahre tabu. (Bild: Getty)

Das nagt am Selbstbewusstsein: Der Ex-Freund hat schnell eine Neue, und bald läuten die Hochzeitsglocken. In der alten Beziehung war das über Jahre tabu. (Bild: Getty)

Alexandra Fitz

Er ist schwanger. Sie hat einen Schock. Nicht, weil das schier Unmögliche passiert ist und ein Mann ein Kind erwartet. Und auch nicht, weil er ständig in Wir-Form spricht und wirklich meint, genauso schwanger zu sein wie seine Neue. Sondern weil ihr Bett, in dem er so lange Zeit gelegen ist, quasi noch warm ist. Weil er weit davon entfernt war, Kinder zu wollen. Weil sie mehrere Jahre zusammen waren. Und weil er die Neue erst ein paar Monate kennt. Deshalb ist die Ex schockiert. Zu sagen «Er ist schwanger», ist ihre Art, mit der Situation umzugehen. Mit dieser Aussage erzählt sie – das ist eine Art Therapie – die Neuigkeiten ihren Freunden. Schliesslich geht es ja um ihn. Er wird plötzlich Papi. Also ist er schwanger.

Man erlebt es immer wieder mal im Bekanntenkreis, bei guten Freunden, oder man ist gar selbst davon betroffen. Eine lange Beziehung geht in die Brüche. Und dann, zack, bumm, schon hat er – meistens ist es nun mal der Mann – die Nächste an der Hand.

Verletzter Stolz

Doch das bleibt meist nicht der einzige Schrecken für die Ex. Nicht selten verkünden gemeinsame Bekannte nach ein paar Monatenschüchtern:«Du,raste jetzt nicht aus, aber seine Neue ist schon bei ihm eingezogen; du, sie heiraten im Fall; du, ich muss dir was sagen, sie kriegen ein Kind.» Und schon macht es ratter, ratter im verletzten Frauenhirn: Spinnt der, warum tut er mir das an? Bei mir wollte der Arsch das alles nicht. Was hat sie, was ich nicht habe? Er hat mich gar nicht geliebt. Unsere Beziehung hat ihm gar nichts bedeutet. Dieses Drama wird meistens nicht aufgeführt, weil der Ex wieder den Protagonisten des eigenen Liebeslebens spielen soll, sondern aus verletztem Stolz. Des angekratzten Selbstbewusstseins wegen.

Für die Ex-Partnerin ist es sehr schwierig, wenn sie mit ihrem Freund schon länger gern die Themen Heirat oder Kind konkret angepackt hätte und ihre biologische Uhr tickt», erklärt Paartherapeutin Claudia Haebler. Warum geht in der nächsten Beziehung alles schneller? Wie kann es sein, dass der scheinbar nicht zu domestizierende Mann plötzlich bereit ist für Heim, Heirat und Kind?

Er gibt sich einen Ruck

Dafür gibt es mehrere Gründe. «Der Mann ist frisch verliebt, es erscheint ihm nun durch die rosa Brille in der neuen Beziehung alles einfacher als bisher», vermutet Haebler. Alles ist also aufregend und toll, nicht so anstrengend und Kräfte zehrend, wie es am Ende der langjährigen Beziehung war. So ganz nach dem Muster: Die Ex hat die ganze Vorarbeit geleistet, und die Neue bekommt das fertig geformte «Exemplar». Wenn der Herr dann an eine Frau gerate, die Gas geben wolle, werde er sich eher als in der alten Beziehung einen Ruck geben und das alles (endlich) wagen. Er möchte ja denselben Fehler nicht noch einmal machen. «Frauen machen Druck», sagt Marco Caimi, Chef der Männerpraxis in Basel. «Und der Mann denkt sich: Jetzt hab ich alles ausprobiert, jetzt muss ich wohl.» Auch Sexualberaterin und Psychologin Dania Schiftan ist der Meinung, dass Männer «es nicht noch einmal versauen, sondern jetzt richtig machen wollen».

Männer haben mehr Zeit

Doch es gibt noch einen einfachen biologischen Grund. Heutzutage gibt es viele Männer, die sich auch in einer längeren Paarbeziehung nicht festlegen möchten. Laut Haebler scheuen sie sich, mit einer aktiven Familienplanung ein langjähriges Commitment einzugehen.

Kein Wunder, sie haben ja auch noch Zeit. Männer können ihre Freundinnen wechseln und sich erst Ende 30 allmählich mit dem Thema Nachwuchs auseinandersetzen, während Frauen sich schon Ende 20 damit beschäftigen und sich zwangsläufig fragen müssen: Kann ich mir eine Zukunft mit dem jetzigen Partner vorstellen?

Während Frauen über Grundsätzliches grübeln und die bestehende Beziehung immer wieder hinterfragen oder gar beenden, bleiben Männer gelassener. Bei ihnen gibt es zudem eine Tendenz, nach einer langen Beziehung gleich in die nächste zu stolpern. Beziehungsexperten und Paartherapeuten sind sich einig: Männer können nicht allein sein. Sie brauchen wieder Sicherheit. Für viele ist es schwierig, ohne Partnerin zu sein, beziehen sie ihren Selbstwert doch vor allem über den Beziehungsstatus.

Hinzu kommt, dass eine neue Freundin Beschäftigung ist, die von der letzten Trennung ablenkt. Statt Schmerz zu fühlen, ihn auszuhalten, flüchten sie. In die Arbeit, in den Sport und in eine neue Liebe – die dann eben manchmal aufs Ganze geht und den Mann mitreisst.

Suhlen in Selbstmitleid

Bei den Frauen ist das genau anders: Sie suhlen sich in Selbstmitleid, lassen sich von Freundinnen die Wunden lecken und sind erst für eine neue Liebe parat, wenn sie die Trennung analysiert und verdaut haben.

Männer fahren laut Schiftan viel eher die «Technik der Überbrückung». Sie spricht auch von einer «Übergangsbeziehung». Man müsse sich oft auch fragen, wie ernsthaft die neue Beziehung ist. Es gehe nicht immer um die Frau. Die einen würden sich auf diese Weise definitiv lösen wollen, die anderen brauchen Bestätigung und müssen ihren Marktwert wieder steigern. «Diese Strategie ist gar nicht negativ. Es ist einfach eine von vielen», erklärt Schiftan die Männertaktik.

Die Hauptfrage bei dem Thema ist: Wie geht man mit einer Trennung um? Das Problem: Bei Mann und Frau treffen zwei gegensätzliche Trennungsstrategien aufeinander. Schiftan ergreift Partei für das männliche Geschlecht: «Das ist eine lächerliche Geschichte, die Frauen daraus machen. Frauen haben meist eine fixe Vorstellung davon, wie man trauern muss, wie lange und wann man sich wieder liieren soll.» Tanze der Mann schnell mit einer Neuen an, stelle sie alles in Frage. Weil Frauen eben ganz anders vorgehen, kapieren sie nicht, dass es ja genau für die alte Beziehung spricht, wenn er eine neue braucht, um sich zu lösen.

«Wenn man sich trennt, trennt man sich. Der andere geht einen dann nichts mehr an, basta», stellt Dania Schiftan klar und rät, grossen Abstand zu nehmen. Man solle nicht ständig kontrollieren, was der Ex-Partner mache, damit tue man sich keinen Gefallen. Das ist leicht gesagt, denn in der heutigen Welt kriegt man ständig alles mit.

Man(n) scheitert oft mehrfach

Ein kleiner Trost bleibt der Ex vielleicht. Denn Marco Caimi weiss, dass speziell über 40-jährige Männer zwar schnell wieder eine Partnerin haben, die Beziehung aber auch schnell nicht mehr funktioniert. «Sie machen es nicht besser, fallen ins selbe Muster und scheitern», so Caimi. Dass die zweite Ehe äusserst riskant ist, bestätigt die Statistik. Sie hat ein um 10 bis 20 Prozent höheres Risiko, geschieden zu werden, als die erste. Wer sich gar zum dritten Mal vor den Altar traut, hat noch schlechtere Erfolgsquoten.

Zu wissen, dass statistisch gesehen die nächste Liebe des Ex-Partners grosse Chancen hat, in die Hosen zu gehen, und sich damit zu trösten, mag vielleicht nicht gerade rühmlich sein. Aber es ist nun mal auch eine Strategie, wie man mit einer Trennung umgeht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.