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BEZIEHUNGEN: Nach 50 Dates: «Jeder hofft auf den Megaflash»

Yvonne Eisenring (29) lässt die Leser ihres Bestsellers «Ein Jahr für die Liebe» an 50 Dates teilhaben. Wir sprachen mit der Zürcherin über Ideale, Männer und den Mut zu springen.
Susanne Holz
Nach einem Jahr mit 50 Dates: Yvonne Eisenring sieht die Liebe entspannt, hier beim Interview im Café de Ville am Schwanenplatz. (Bild: Dominik Wunderli)

Nach einem Jahr mit 50 Dates: Yvonne Eisenring sieht die Liebe entspannt, hier beim Interview im Café de Ville am Schwanenplatz. (Bild: Dominik Wunderli)

Interview: Susanne Holz

Die Auszeit dauert von März 2015 bis März 2016. Die Zürcher Fernsehreporterin und Journalistin Yvonne Eisenring will endlich wissen: Fehlt ihr einfach die Zeit, um sich so richtig zu verlieben? Yvonne Eisenring kündigt ihren Job und startet ihre Suche nach der grossen Liebe in New York. Zwölf Monate später hat sie zwölf Länder bereist. 50 Dates haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Und die Liebe? Hat sie sie gefunden? Oder kann man sie gar nicht suchen?

Yvonne Eisenring, wie gehen Sie damit um, dass jetzt, nach Erscheinen Ihres Buchs, so viele Menschen über Ihre Gefühlswelt Bescheid wissen?

Aus genau diesem Grund habe ich mir lange überlegt, ob ich so ein ehrliches Buch schreiben soll. Angesichts der vielen schönen Mails von Leserinnen und Lesern, die mir dafür danken, dass ich sie an diesem Jahr teilhaben liess, oder die mir schreiben, sich wiederzuerkennen und inspiriert zu sein, bin ich allerdings sicher, mich richtig entschieden zu haben.

Wie fühlt es sich an, quasi ein Chronist des Flirt- und Partnersuchverhaltens unserer Zeit zu sein?

Ich bekomme Mails auch von Leuten um die 70, die schreiben, es sei spannend zu lesen, «wie die Jungen heute so denken». Das ist doch toll. Ich freue mich, wenn mein Buch hilft, meine Generation besser zu verstehen.

Im Buch sprechen Sie davon, sich nicht leicht zu verlieben. Ist Liebe zum Luxusproblem geworden – man denke an die vielen Möglichkeiten des virtuellen Kennenlernens?

Ich glaube, die Liebe zu finden, war und ist nie einfach. Auswahl und Möglichkeiten haben sich natürlich verändert – aber ist das schlecht? Meine Grosseltern konnten sich aus verschiedenen Gründen nicht so lange Zeit lassen bei der Partnerwahl. Sie mussten sich sehr früh entscheiden und waren dann ein Leben lang aneinander gebunden. Auch wenn es vielleicht die falsche Entscheidung war. Es ist ein Luxus, dass wir uns heute bei der Suche Zeit lassen können. Und ich finde, wir sollten nicht jammern, sondern dankbar sein, diesen Luxus zu ­haben.

Würden wir alle in der Provinz und ohne Social Media leben, hätten wir vermutlich alle schneller einen Partner.

Vermutlich ja. Aber wären wir glücklicher mit diesem Partner?

Während der zwölf Monate haben Sie Männer nicht nur in Bars oder auf der Strasse, sondern auch über die Dating-App Tinder kennen gelernt, die das Suchen von Menschen in der Umgebung erleichtert. Ernüchtert, was Tinder betrifft?

Nein. Tinder ist super, will man Leute treffen, die man im eigenen Umfeld nicht kennen lernen würde. Erwartet man beim ersten Match gleich den Traummann, wird man wahrscheinlich enttäuscht. Aber ich habe viele Freunde, die mit jemandem zusammen sind, den sie via Tinder getroffen haben – die App kann also nicht allzu schlecht sein.

Nach 50 Dates in einem Jahr – wissen Sie nun, wie Männer ticken?

Nein , das weiss ich nicht. Nicht so pauschal. Jeder tickt anders. Ich wollte auch kein Ratgeberbuch schreiben.

Suchen Männer anders als Frauen nach der Liebe?

Ich glaube, Männer wie Frauen möchten sich verlieben. Jeder hofft auf den Megaflash. Vielleicht geben Männer jedoch weniger zu, dass das Thema sie ­beschäftigt.

Warum fällt es Ihnen so schwer, sich zu verlieben?

Ich verliebe mich sehr selten richtig krass. Viele Freunde von mir sagen das von sich selbst auch. Logisch: Wir haben alle keine Zeit. Haben den Kopf nicht frei. Kümmern uns vor allem um die Karriere. Es ist heute einfacher, den Traumjob zu finden als den Traumpartner.

Sind Sie anspruchsvoll, was die Definition von sich Verlieben angeht?

Ja. Ich will keine Beziehung, ohne unglaublich fest verliebt zu sein.

Wie fühlt sich das für Sie an – unglaublich fest verliebt zu sein?

Wie ein Knall. Ich schlafe nicht mehr, esse nicht mehr. Es ist anstrengend, und es ist ein Kontrollverlust. Es macht einen sehr verletzbar.

Sie haben sich Zeit für die Liebe genommen und sie konkret gesucht. Kann das funktionieren? Verkrampft man nicht etwas, wenn man alles für diese Suche gibt?

Konkret danach gesucht habe ich ja nicht. Ich habe mir einfach Zeit ge­nommen. Aber einen Plan hatte ich nie. Ich habe ja auch nicht möglichst viele Datingplattformen genutzt. Ich finde, das hatte nichts Verkrampftes – ich habe die zwölf Monate ja auch noch ­anders genutzt, beispielsweise, um ­Italienisch zu lernen. Und: Beim Job würde auch niemand sagen: Du arbeitest immer so viel – bist du da nicht sehr verkrampft?

Sie schreiben, dass das Kribbeln für das Leben als Single ein Ersatz für das Verliebtheitsgefühl sein kann. Ehrlich?

Ja, ich finde das Single-Dasein lässig. Wir können es uns heute als Single sehr gut einrichten. Frauen wird oft unterstellt, sie seien als Single unglücklich – das finde ich eine Frechheit. Es besteht immer noch das Bild der wartenden Rapunzel. Aber ich finde, das ist veraltet. Viele Frauen sind lieber Single als in einer mittelmässigen Beziehung. Gegen Ende meiner Auszeit überlegte ich mir aber schon auch, ob ich bei der Suche nach dem Megaflash womöglich vergessen habe, wie gut eine Beziehung sein kann. Als meine Auszeit begann, war ich berauscht vom Dating-Karussell. Aber das hält nicht ewig an.

Weil eine Desillusionierung einsetzt?

Die Suche war aufregend, aber auch aufreibend. Dass ich da unversehrt rausgekommen bin, habe ich einem starken familiären Netz und meinen Freunden zu verdanken. Aber nein, ich bin nicht desillusioniert. Ich habe ja super Männer kennen gelernt.

Sie sind viel gereist in dem Jahr. Wo wurden Sie als Frau am schnellsten angesprochen?

In New York, Kuba und Tel Aviv. In Hamburg passierte das weniger, da habe ich Tinder gebraucht.

Wie unterscheiden sich in Sachen Liebe die Mentalitäten?

Pauschal kann ich das nicht sagen. Dafür hätte ich auf 5000 und nicht nur auf 50 Dates gehen müssen. Die Italiener, die ich traf, haben aber zum Beispiel den Unterschied Mann/Frau mehr zelebriert. In Deutschland und in der Schweiz ging es mehr darum, ein Team zu sein.

Wo haben Sie sich beim Dating am wohlsten gefühlt?

Die Schweiz ist mir am nächsten. Was sehr mit der Sprache zusammenhängt: Nur auf Schwyzerdütsch kann ich sagen, was ich wirklich sagen will. Und: Meiner Meinung nach haben die Schweizer Männer zu Unrecht einen schlechten Ruf. Sie sind nicht kompliziert, und sie sind durchaus offen. Sie sind oft lustig, eloquent, gut aussehend.

Was braucht ein Man, damit Sie sich in ihn verlieben? Wissen Sie das jetzt besser?

Ich weiss nun besser, was mir wichtig ist. Ich weiss aber auch: Es nützt nichts, eine Liste zu haben. Ich habe meine Idealbilder hinterfragt. Meine Generation hat teilweise nostalgische Vorstellungen und kopiert gewisse Gepflogenheiten von früher. Mein Wunsch zu heiraten ist sicher schwächer geworden. Dafür ist mir jetzt noch wichtiger, dass ein Mann emanzipiert ist. Ob er mich zum Znacht einlädt oder nicht, ist mir hingegen völlig egal.

Sie haben auch einen Mann beim Flunkern erwischt. Er gab vor, Single zu sein, war es aber nicht.

Ich glaube, es flunkern nicht so viele. Eine wichtige Erkenntnis, die ich gewonnen habe, ist aber diese: Es geht einigen nicht ums Kennenlernen, sie wollen nur beeindrucken. Die Dates fühlen sich dann an wie Bewerbungsgespräche. So dass man am Schluss denkt: Mann, ist der gut.

Ist das nicht sehr narzisstisch?

Es entspringt vielleicht auch einfach dem Wunsch nach Anerkennung, den sehr viele haben.

Macht Daten süchtig?

Gut möglich. Experten reden auch von der Suche nach dem Kick. Verliebt man sich dann allerdings, drückt man automatisch auf die Bremse.

Haben Sie nun eigentlich die grosse Liebe gefunden?

Ich möchte an dieser Stelle ungern das Ende vom Buch verraten (lacht).

Sind Männer austauschbar?

Nein (schüttelt den Kopf).

Wie wichtig ist die Liebe überhaupt?

Ich finde natürlich, sehr wichtig. Liebe ist wahnsinnig wichtig. Sie trägt einen. Aber nicht nur die Liebe zum Partner, sondern auch die zur Mutter oder zur Schwester, wie in meinem Fall. Und die zu den Freunden. Das klingt abgedroschen, ich weiss, aber die Liebe allgemein ist eine riesige Energie.

Sind viele Menschen auf der Suche nach der grossen Liebe?

Schaue ich meine Mails an und die Resonanz auf mein Buch, bin ich sicher: Die Sehnsucht nach dem Megaflash ist da. Viele wünschen sich diese grosse Verliebtheit. Ich habe jetzt in hoch dosierter Form nach ihr gesucht – den schlichten Wunsch haben wohl die meisten.

Gibt es die oft behauptete Vereinsamung auch junger Menschen in der Tat?

Es gibt zumindest viele junge Menschen, die sich wünschen, dass ihnen jemand zuhört. Bei vielen meiner Dates erzählte hauptsächlich der Mann. In unseren hektischen Tagen fehlt es wohl generell an der Zeit zuzuhören. Stets muss alles schnell gehen. Ich dagegen hatte ein Jahr lang die Möglichkeit, viel aufzunehmen in Gesprächen, ich war ja nicht von einem Job gestresst oder so. Ein Dating-Partner schrieb mir im Nachhinein, es sei für ihn die beste Verabredung überhaupt gewesen.

Ihr Resümee nach einem Jahr auf der Suche nach der grossen Liebe?

Ich habe mich schnell in diese neue Freiheit, das neue Leben ohne festen Job, verliebt. Mit der Unsicherheit, nicht zu wissen, wie es weitergeht, kann ich nun auch besser umgehen. Ich bin wohl insgesamt mutiger geworden. Wer abheben will, muss sich trauen zu springen, sei es im Job, sei es in der Liebe.

Die grosse Liebe. Ich muss noch einmal fragen: Erwarten wir uns nicht zu viel von ihr? Sind wir nicht einfach zu wählerisch?

Kann sein. Aber ich will verliebt sein, wenn ich liebe. Weil ich davon überzeugt bin, dass Verliebtheit auch durch Krisen lenkt. Es ist die Faszination, die in solchen Phasen hilft. Aber ich bin kein Beziehungsexperte.

Ihre Suche war auch anstrengend. In Tel Aviv beispielsweise waren Sie ausgebrannt, schlicht erschöpft von den vielen Dates. Jede nicht erfüllte Hoffnung scheint doch Energie zu rauben – selbst wenn man die Suche locker nimmt. So beschreiben Sie es. Heisst das ganz allgemein: Zu viel zu suchen, ist nicht gut für die Seele?

Hat man irgendwann den Megaflash, tut das der Seele ja wieder gut. Aber ja: Viele Dates können zwar kurzfristig Energie geben, sie aber genauso sehr rauben. Trotzdem ist es wichtig, sich für die Suche Zeit zu nehmen, auch wenn es anstrengend ist. Im Beruf geben alle diesen Einsatz, ohne gross darüber nachzudenken. Bei der Liebe tun sie es nicht.

Eine letzte Frage: Würden Sie Ihr Buch lesen, wäre es von einem Mann geschrieben, aus der Sicht eines Mannes?

Ja, das würde ich. Sofort! Wie spannend wäre das – zu lesen, was ein Mann wirklich denkt! So wissen wir nur, was Magazine oder Zeitungen schreiben und wovon diese glauben, dass es gut klingt: So oder so denke der «heutige Mann». Ein ehrliches Buch von einem Mann über sein Dating-Leben – das würde ich auf jeden Fall lesen.

Zur Person

Yvonne Eisenring (29) kam 1987 in Zürich zur Welt. Nach ihrer Matur bereiste sie zunächst Venezuela und Kolumbien, bevor sie Praktika im Pflegeheim und bei der Gratiszeitung «20 Minuten» absolvierte. Von 2008 bis 2015 arbeitete sie als Fernsehreporterin bei Tele Züri. Yvonne Eisenring ist als Kolumnistin und Autorin tätig für «Annabelle», «Friday», «Süddeutsche Zeitung Magazin», «Das Magazin», «Neon» und «Beobachter Natur». 2013 erhielt sie den Essaypreis von «Das Magazin» und wurde vom «Schweizer Journalist» zur Newcomerin des Jahres gewählt. Im gleichen Jahr wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Corinne, die ebenfalls Fernsehjournalistin ist, für den Schweizer Medienpreis nominiert und erreichte den zweiten Platz. Yvonne Eisenring reist sehr gerne, weitere Hobbys sind Tanzen, Lesen und Joggen. (sh)

Verlosung

Das Ende September erschienene Buch «Ein Jahr für die Liebe» (Orell Füssli, Fr. 19.90) war bereits nach fünf Tagen vergriffen. Derzeit geht Yvonne Eisenrings Erstling in die dritte Auflage. Das Interesse am Buch über die Auszeit für die Liebessuche ist international. Die Autorin erhält Mails von älteren Menschen genauso wie von jungen. Die Idee zum Buch kam Yvonne Eisenring laut eigener Aussage erst mit der Anfrage vom Verlag – ein halbes Jahr nachdem sie in ihr spezielles Sabbatical gestartet war. Sämtliche Namen im Buch wurden geändert. Wir verlosen fünf Exemplare von Yvonne Eisenrings Bestseller «Ein Jahr für die Liebe». Und so einfach funktioniert es: Wählen Sie bis Montag, 24 Uhr, die Telefonnummer 0901 83 30 24 (1.50 CHF pro Anruf) oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil. Die Gewinner werden unter allen Teilnehmern ermittelt und informiert. (sh)

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