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BIBER: Burgherr mit Biss

Sie bauen fleissig Dämme und verändern so die Landschaft. Vielen Tieren kommt das zugute, manche Menschen ärgert es. Wir waren mit Philip Taxböck von der Aktion Biber & Co. auf Spurensuche im Revier.
Bettina Kugler
Solche Zähne sollte man haben: Sie werden beim Nagen messerscharf, und sie wachsen nach. (Bild: Christopher Jones/Getty)

Solche Zähne sollte man haben: Sie werden beim Nagen messerscharf, und sie wachsen nach. (Bild: Christopher Jones/Getty)

Bettina Kugler

Begegnet sind wir ihm noch nie, doch er muss unser Nachbar sein. Nur wenige Schritte vors Haus sind nötig, dann über die Brücke ans Flussufer, schon sehen wir an zwei mächtigen Bäumen seine Visitenkarte: kräftige Nagespuren links und rechts des Stammes. Um zu verhindern, dass sich der Biber hier weiter durchbeisst und die Bäume quer auf den Strandweg fallen, hat der Wildhüter ein Drahtgitter um die Stämme gespannt. Soll der Biber anderswo knabbern. Weiter geht es zwei Kilometer flussabwärts, ins Naturschutzgebiet Eselschwanz bei St. Margrethen. Dort treffen wir Philip Taxböck. Seit zehn Jahren leitet der Biologe ein Biber­projekt bei Pro Natura Thurgau und macht viele Führungen. Rund 500 Biber gibt es in «seinem» Kanton – dabei war der Biber vor 150 Jahren hierzulande ausgestorben. Biber wurden gejagt, um aus dem Fell Mäntel und Kappen zu machen. Mönche verspeisten in der Fastenzeit Biberfleisch: Sie behaupteten, es handle sich um Fisch! Der schuppige Schwanz der Biber brachte sie auf die Idee. Vor allem aber gab es immer weniger geeignete Lebensräume für Biber, weil Flüsse begradigt und Feuchtgebiete trockengelegt wurden. Man musste erst wieder Tiere, die anderswo überlebt hatten, einfangen und neu ansiedeln. Das erzählt uns Herr Taxböck unterwegs, während wir nach Biberspuren Ausschau halten. Bald ent­decken wir welche: den faserigen Stumpf eines gefällten Baumes. Eine Biberrutsche ins Wasser. Angenagte Zweige mit schmalen und breiteren Bissspuren – hier gibt es also junge Biber. Nur wo? Es ist zu früh am Tag. Biber sind eher nachts munter.

Die Burg: Ein trockenes Heim mitten im Teich

Zu Hause ist Philip Taxböck in Kon­stanz, am Seerhein, wo ebenfalls Biber leben, wie an vielen Flüssen und Seen in der Schweiz. An Sommerabenden kann er die geschickten Schwimmer oft beobachten, sie sind nicht sehr scheu. Weniger Glück ­haben wir an diesem regnerischen Märznachmittag. Nicht einmal den Bau entdecken wir. Aber zumindest haben wir das richtige Buch im Rucksack, gerade ist es druckfrisch erschienen: «Am Biberteich», geschrieben und gezeichnet von Eva Sixt. Philip Taxböck hat als Fachmann daran mitgewirkt. Auf einer Doppelseite sehen wir zwei Wohnformen im Mondenschein: einen Kessel, den der Biber in die Uferböschung gegraben hat, und eine Burg mitten im Teich. Dort hat es die Biberfamilie zugleich luftig und trocken und ist sicher vor Raubtieren. Die Eingänge zu einem Biberbau liegen immer unter Wasser. Wenn nötig, verändert der Biber den Damm, um den Wasserspiegel gleichmässig zu halten. Biber sind geschickte Baumeister; sie gestalten die Landschaft nach ihren Bedürfnissen. Viele Tiere und Pflanzen profitieren davon; auch das zeigt Eva Sixt in ihrem Sachbuch übersichtlich auf vier Seiten. Andere ärgern sich über den Biber: zum Beispiel Waldbesitzer und Bauern, denen er Bäume und Feldfrüchte annagt. Wenn er Dämme baut oder aushöhlt, gibt es Überschwemmungen, oder es läuft Wasser ab von einem Karpfenteich. Dann müssen Naturschützer wie Philip Taxböck vermitteln. Er kann das gut und macht es gern – denn der Biber baut fleissig für die Artenvielfalt in der Schweiz. Zurück am Parkplatz, dürfen wir noch am «Bibergeil» schnuppern, der Flüssigkeit, mit der Biber ihr Revier markieren (sehr herb!). Auch einen Schädel hat Herr Taxböck im Biberkoffer dabei, und ein weiches Fell. Bei kleinen Bibern ist noch Luft dazwischen: wie in einer Schwimmweste.

Zum Weiterlesen:
Eva Sixt: Am Biberteich. Ab 5. Atlantis Thema, Fr. 25.–

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