BIEL: 39 Verletzte nach Unwetter am Turnfest in Biel

Das Turnfest in Biel ist zum zweiten Mal von einem heftigen Unwetter heimgesucht worden. 39 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, als Sturmböen auf dem Festgelände Zelte und Material durch die Luft wirbelten.

Rem/sda
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Helfer räumen nach dem Sturm am Turnfest in Biel auf. (Bild: Keystone)

Helfer räumen nach dem Sturm am Turnfest in Biel auf. (Bild: Keystone)

Besonders betroffen war das Wettkampfgelände im Bieler Vorort Ipsach. Dort riss der Sturm kurz nach 18 Uhr dermassen fest an einem grossen Zelt, dass es teilweise zerbarst, wie Fabian Sauvain von der Berner Kantonspolizei am Donnerstagabend an einer kurzfristig organisierten Medienkonferenz in Nidau sagte.

Unter diesem Zelt verletzten sich mehrere Menschen. Der Wind blies laut Sauvain mit teilweise mehr als 100 Stundenkilometern. Als die Rettungsdienste das Ausmass der Zerstörung erfasst hatten, lösten sie Katastrophenalarm aus.

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Die Sturmböen fegten offenbar um etwa 18 Uhr über das Festgelände des Eidgenössischen Turnfests. (Bild: Leser André Rochat)
Die Sanität war mit einem Grossaufgebot vor Ort, auch die Armee war im Einsatz. (Bild: Leser André Rochat)
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Umgestürztes Mobiliar am Turnfest in Biel. (Bild: Leser André Rochat)
Duillier VD bei Nyon. (Bild: Keystone)
Duillier VD bei Nyon. (Bild: Keystone)
Duillier VD bei Nyon. (Bild: Keystone)
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Coinsins VD bei Nyon (Bild: Keystone)

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In Spitäler in drei Kantonen

39 Personen wurden in Spitäler gebracht. Diese befinden sich in Biel, Bern, Solothurn und Neuenburg. Die Schwerverletzten wurden beispielsweise am Kopf und am Rücken getroffen. Neun mittelschwer verletzte Personen erlitten zum Beispiel Bein- oder Armfrakturen, wie Karin Vifian vom Ambulanzdienst Biel sagte.

24 Menschen kamen mit leichten Verletzungen davon. Aus all den drei Kantonen fuhren Ambulanzen zum Festgelände. Im Einsatz stand auch die Rega, sobald sie fliegen konnte, die Armee und die Feuerwehr.

Einige Armeeangehörige befanden sich zum Zeitpunkt des Unwetters bereits vor Ort, zur Unterstützung des Turnfests, wie der Kommunikationschef des Führungsstabs der Armee, Stefan Hofer, der Nachrichtenagentur sda sagte.

Zusätzlich kam eine Sanitätskompanie zu Hilfe, die derzeit in der Nähe den Wiederholungskurs absolvierte und bereits beim Sturm vor einer Woche zu Hilfe gekommen war. Diese Kompanie war mit Ärzten und drei Sanitätswägen im Einsatz. In der Nacht auf Freitag leistete sie Hilfe bei der Infrastrustruktur und mit Aufräumarbeiten.

Wind kam ganz plötzlich

Schon am vergangen Donnerstag war das Organisationskomitee (OK) des Eidgenössischen Turnfests von der Heftigkeit des Bergwinds Joran überrascht worden, der von den Jurahöhen her blies. Es liess das Gelände evakuieren und sagte die Eröffnungsgala ab. Drei Personen wurden leicht verletzt.

Diesmal wurde das OK vor allem vom plötzlichen Auftreten der Gewitterwinde überrascht. Schon am Vormittag habe es Wetterwarnungen gegeben, dann auch am Nachmittag, sagte Sauvain. «Wir waren im Lagebüro und analysierten die Situation», sagte Festdirektor Fränk Hofer. «Um 17.30 Uhr war das Wetter gut, um 17.45 Uhr war es gut, um 18 Uhr war es gut» - bis kurz nach 18 Uhr der Wind kam.

Erneut gab die Festleitung dann den Befehl zur Evakuation. Hofer entschied, die Wettkämpfe abzusagen. Vom Meteorologischen her sei die Situation nicht zu vergleichen gewesen mit vergangenem Freitag, sagte Sauvain: Am Donnerstag habe ein Gewittersturm das Gelände heimgesucht.

Fest soll weitergehen

Das OK will das Fest nicht abbrechen - jedenfalls wenn sich die gesundheitliche Situation der Verletzten nicht verschlechtere, wie Hofer sagte. «500 Leute haben wir hier im Einsatz», führte er zur Begründung aus.

Seinen Abschluss finden soll das Eidgenössische Turnfest am kommenden Sonntagmittag im Bieler Fussballstadion Gurzelen. Inzwischen untersucht die Berner Kantonspolizei den Hergang der Ereignisse vom Donnerstag.

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In Genf gingen in weniger als einer halben Stunde 20 Millimeter Regen nieder, wie SRF Meteo weiter mitteilte. Wegen Überflutungen, heruntergefallenen Ästen und entwurzelten Bäumen musste die Feuerwehr Dutzende Male ausrücken.Das Gewitter dauerte nur rund eine Viertelstunde, wurde aber von starken Windböen begleitet. In Kürze war der Boden von Hagelkörnern mit einem Durchmesser von rund einem Zentimeter bedeckt.

Am Genfer Flughafen wurden Windböen mit 118 Kilometern pro Stunde gemessen, ein Messinstrument in der Nähe registrierte gar 130 Kilometer pro Stunde. Der Wind verschob einige kleine, leichte Flugzeuge. Ein Container kollidierte mit einem Linienflugzeuge.

Auch ins Flughafengebäude drang Wasser ein, wie Sprecher Bertrand Stämpfli sagte. Auf dem Rollfeld sammelte sich Wasser an. Der Flugbetrieb wurde laut Skyguide während rund zwanzig Minuten eingestellt.

Zugverkehr betroffen

Zwischen Genf Flughafen und Lausanne verkehrten die Züge zeitweise mit einer Verspätung von rund 30 Minuten, wie SBB-Sprecher Jean-Philippe Schmidt sagte. Der Bahnverkehr in Richtung Bellegarde (F) war ganz unterbrochen. Auch zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds fielen die Züge wegen des Unwetters aus. Im Grossraum Neuenburg war der Bahnverkehr zeitweise eingeschränkt.

Erste Gewitter hatte es bereits am Donnerstagmorgen gegeben. Betroffen waren laut SRF Meteo vor allem das Bündner Südtal Misox und das Bleniotal im Kanton Tessin. Am Nachmittag hatte sich zudem der Föhn verstärkt: Auf dem Gütsch m Kanton Uri wurden 156 Kilometer pro Stunde gemessen, auf dem Jungfraujoch 117 Kilometer pro Stunde.

HINWEIS:
Die Wetterprognosen laufend aktualisiert auf www.luzernerzeitung.ch/wetter

Sturmwarnung in der Zentralschweiz

SRF Meteo hat für die Gebiete Entlebuch und Willisau sowie den Kanton Nidwalden eine Gewitterwarnung der Stufe 2 (erhöhte Schadengefahr) mit Hagelgefahr und Sturmböen herausgegeben. Örtlich treten starke, teils stürmische Böen auf, die zwischen 60 bis 90 km/h erreichen können.