BLUES-FESTIVAL: Der Mann, der zweimal den Krebs besiegte

Curtis Salgado eröffnete am Freitagabend in Luzern das 14. Blues-Festival. Er hat zweimal den Krebs besiegt.

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Curtis Salgado (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Curtis Salgado (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Nicht irgendjemand eröffnete am Freitagabend im «Adagio» in Luzern das 14. Blues-Festival. Es ist ein Star, der keiner sein will. Ein grossartiger Mensch, mit einer tief bewegenden Geschichte. Die Rede ist vom amerikanischen Blues-Denkmal Curtis Salgado, der erstmals überhaupt mit seiner eigenen, sechsköpfigen Band live in Europa auftrat – und das in Luzern! In den frühen 90er-Jahren war der 54-jährige Blues-König sogar mal kurz Leadsänger der legendären Santana-Gruppe, die Blues Brothers widmeten ihm ihr Debütalbum «Briefcase full of Blues». Das alles aber ist ein Klacks in seiner eindrücklichen Lebensgeschichte: Curtis Salgado hat den Krebs besiegt!

Vor gut zwei Jahren kam die erschütternde Diagnose: Leberkrebs. «Die Ärzte sagten, ich hätte noch acht Monate zu leben – ohne Lebertransplantation», erzählte er unserer Zeitung. «Die aber kostete eine halbe Million Dollar. Ich hatte wenig Geld und keine Versicherung – aber ein paar sehr gute Freunde.» Das waren Stars wie Steve Miller, Robert Cray und Countryblues-Star Taj Mahal, die für Salgado eine Reihe von Benefizveranstaltungen auf die Beine stellten. «Und Sängerin Bonnie Raitt zahlte während meines Spitalaufenthaltes meine Miete», erinnert sich Salgado. Nach erfolgreicher Transplantation kam der nächste Schock, ein Tumor in der Lunge. «Aber es war zum Glück nur einer, der erfolgreich entfernt werden konnte», erklärte Salgado weiter. Bewegt führte er an: «Die Ärzte sprachen von einem Wunder. Egal: Ich lebe!»

Begeisterte Fans
Und wie: Knapp zwei Jahre nach der ersten Diagnose veröffentlichte der in Eugene aufgewachsene (im Staat Oregon gelegen) Salgado am vergangenen 8. Juli sein jüngstes Album «Clean Getaway», eine packende Mischung aus Blues, Seoul und Rock'n'Roll. Mit genau diesem Mix begeisterte Curtis Selgado und seine Band die Fans an der Festivaleröffnung.

Luzerns Stadtrat Franz Müller fand nur ein Wort: «Weltklasse!» Kantonsrat Peter Zosso, der morgen als Rektor das Festival auch an seiner Kanti in Reussbühl empfangen kann, war sich mit Musiker und Tourismusforum-Präsident Walter Schmid, «Schweizerhof»-Hotelier Mike Hauser und Fridolin Schwitter, Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern, unisono einig: «Auch diese Band darf man an diesem Festival nicht verpassen!»

11 000 Fans erwartet
Das Luzerner Blues-Festival, das mit insgesamt 85 Musikern bis am 16. November dauert und heute ein Budget von über einer Million Franken hat, begann bescheiden, ist aber mit 35 OK-Mitgliedern immer noch eine Nicht-Profit-Veranstaltung. «Wir haben mit 35 000 Franken, einem Tag und vier Bands begonnen», erzählte Gründer und Präsident Guido Schmidt, der das Festival auch künstlerisch leitet und dieses Jahr total über 11 000 Fans erwartet. «Wir haben unsere Eigenständigkeit behalten, das ist unser Qualitätsausweis», sagte er nicht ohne Stolz. «Für die Musiker ist es inzwischen eine Ehre, nach Luzern zu kommen. Dank all dem können wir einem begeisterten Publikum die volle Vielfältigkeit der Musik bieten. Das bleibt unser oberstes Ziel.»

ANDRÉ HÄFLIGER