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BULLE: 80 Buben in Thailand sexuell ausgebeutet: Luzerner steht vor Gericht

Seit Dienstag steht im Kanton Freiburg ein 72-jähriger Mann vor Gericht, der in Thailand während Jahren über 80 Buben sexuell ausgebeutet haben soll. Dabei soll der gebürtige Luzerner die Armut der Opfer und ihrer Familien systematisch ausgenutzt haben.
In der thailändischen Touristenhochburg Pattaya soll ein Schweizer jahrelang über 80 Buben sexuell missbraucht haben. Nun wird der Mann im Kanton Freiburg vor Gericht gestellt. (Bild: KEYSTONE/EPA/RUNGROJ YONGRIT)

In der thailändischen Touristenhochburg Pattaya soll ein Schweizer jahrelang über 80 Buben sexuell missbraucht haben. Nun wird der Mann im Kanton Freiburg vor Gericht gestellt. (Bild: KEYSTONE/EPA/RUNGROJ YONGRIT)

Der gebürtige Luzerner war bereits 1980 und 1991 in den Kantonen Freiburg und Wallis wegen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden. Er flüchtete aus der Schweiz, wurde aber von der Walliser Polizei in Thailand ausfindig gemacht.

Nachdem der Mann seine Strafe in der Schweiz abgesessen hatte, zog er 1996 erneut nach Thailand. Dort lockte er Knaben aus armen Familien in den Pool seines Anwesens. Er warf ihnen Münzen zu, damit sie für Fotos und Videos posierten. Weiter stiftete der Angeklagte die Buben zur Prostitution an.

"Menschliche Ware"

Die Knaben seien zur "menschlichen Ware" für die sexuelle Ausbeutung degradiert worden, für kommerzielle und private Zwecke des Angeklagten, schrieb Staatsanwältin Yvonne Gendre in der Anklageschrift für den Prozess am Greyerzer Bezirksgericht. Die meisten Übergriffe passierten im Zeitraum von 2002 bis 2013.

Einige Opfer waren nicht älter als 10 Jahre und wurden bis ins Erwachsenenalter ausgebeutet. Die meisten der über viele Jahre missbrauchten Knaben hatten einen europäischen Kunden als "Götti", der sie finanziell unterstützte. Der Angeklagte erkaufte sich mit Spenden für gute Zwecke ein positives Image.

Freispruch in Thailand

Sein Verteidiger machte am ersten Prozesstag geltend, der Angeklagte sei bereits in Thailand für gleich lautende Vorwürfe vor Gericht gestanden und im Mai 2014 freigesprochen worden. Die Staatsanwältin hielt entgegen, das Urteil aus Thailand beziehe sich nur auf ein einziges Delikt vom Sommer 2005.

Zudem hätten die thailändischen Ermittler keinen Zugang zu den 2500 verschlüsselten Fotos auf den Geräten des Angeklagten gehabt. Diese Bilder wurden erst später durch Cyber-Spezialisten in Neuenburg entschlüsselt. Die Ermittler in Thailand hatten nur Zugriff auf rund ein Dutzend Bilder, die von der französischen Polizei übermittelt worden waren.

Der Angeklagte verliess Thailand Ende 2014 erneut Richtung Schweiz, weil er befürchtete, im Rahmen von Ermittlungen der französischen Justiz verhaftet zu werden. In Bulle FR, wo sich der Rentner niederliess, geriet er schliesslich wieder ins Visier von Polizei und Justiz. Er hatte missbräuchlich Ergänzungsleistungen bezogen.

(sda)

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